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Abstimmung in Straßburg : Es wird knapp für Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen (CDU), am 10. Juli 2019 in einer Pause zwischen Besprechungen im Europäischen Parlament in Brüssel, wo sie als Kandidatin für das Amt der Kommissionspräsidentin befragt wurde. Bild: twitter.com/vonderleyen

Am Dienstag schlägt die Stunde der Wahrheit für die deutsche Kandidatin. Der Widerstand gegen sie ist immer noch beträchtlich. Sollte die Mehrheit bis zuletzt ungewiss sein, bliebe ihr nur ein Ausweg.

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          Am Mittwoch veröffentlichte Ursula von der Leyens PR-Agentur ein Bild von ihr auf ihrem neuen Twitter-Account. Die Kandidatin sitzt in einem cremefarbenen Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, einen Arm auf die Lehne gestützt, den Kopf versonnen zur Seite gewandt, die Augen geschlossen. „Kurze Pause nach zwei spannenden Debatten“ mit Sozialdemokraten und Liberalen, stand dabei. Sie wirkt beherrscht und konzentriert auf dem Foto, deshalb wurde es gewiss ausgewählt. Aber sie wirkt auch einsam. Die anderen Sessel sind leer, auf einem steht ihre Handtasche. Da sitzt eine Frau, die sich behaupten will – und behaupten muss.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Leicht hat sie es nicht. Die Staats- und Regierungschefs haben sie gegen den Willen des Parlaments als Kommissionspräsidentin nominiert, indem sie sämtliche Spitzenkandidaten zur Europawahl vom Tisch fegten. Aber jetzt braucht sie die Mehrheit der Abgeordneten, 376 an der Zahl, um den wichtigsten EU-Posten auch zu bekommen. Ihr bleiben nur wenige Tage, um genug Abgeordnete zu überzeugen, und sie kann sich nicht auf ein Votum der Wähler stützen, eine monatelange Kampagne, ein Programm. Wenn das Parlament am kommenden Dienstag um 18 Uhr zur geheimen Abstimmung schreitet, hat Ursula von der Leyen nur diese eine Chance. Fällt sie durch, müssen die Regierungschefs binnen eines Monats einen neuen Personalvorschlag machen.

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