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Abschuss von MH17 : „Die russische Führung ist schuld“

Fast 300 Menschen kamen bei dem Abschuss von MH17 am 17. Juli 2014 ums Leben. Bild: dpa

Fast 300 Menschen sind beim Abschuss von Flug MH17 im Juli 2014 über der Ostukraine ums Leben gekommen. Die Macher eines investigativen Recherchenetzwerks weisen die Verantwortung Wladimir Putin zu.

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          Die Verantwortung für den Abschuss von Flug MH17 und den Tod von 298 Menschen am 17. Juli 2014 über der Ostukraine liegt beim Kreml. Dessen sind sich die investigativen Rechercheure des „Bellingcat“-Netzwerks sicher. In ihrem neuesten Bericht porträtieren sie die 53. Luftabwehr-Brigade der russischen Armee. Zu ihr soll das „Buk“-Luftabwehrsystem gehört haben, welches nach Ansicht der Verfasser dazu benutzt wurde, MH17 abzuschießen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          „Bellingcat“ wird vor allem von dem englischen Militärblogger Eliot Higgins betrieben, der die Plattform im Juli 2014 gegründet hat. Die Mittel dafür kamen aus einer Crowdfunding-Kampagne. Mit seinen Aktivitäten hat sich Higgins, der auch unter dem Pseudonym Brown Moses bekannt ist, einiges Renommee erarbeitet.

          In dem Bericht schreiben die Verfasser über viele Soldaten, die in der fraglichen Einheit tätig gewesen sein sollen. Die Macher von „Bellingcat“ haben dafür Einträge in sozialen Netzwerken gesucht und ausgewertet. Die Soldaten hätten durch schriftliche Einträge und Bilder viele Informationen über ihre Zeit an der ukrainisch-russischen Grenze geliefert. Dadurch seien einzelne Soldaten eindeutig identifizierbar, schreiben die Verfasser. Ob diese Soldaten auch am Abschuss von MH17 beteiligt gewesen seien, sei unklar. Die Autoren spekulieren jedoch, dass die russische Armee den Rebellen das „Buk“-System aufgrund der Komplexität des Systems nicht überlassen hätte, ohne erfahrene Soldaten mitzuschicken.

          Die Entscheidung, ein „Buk-System“ in die Ostukraine zu senden, ist nach Ansicht der Autoren wahrscheinlich nicht im Kreml gefallen, sondern entweder auf der Kommandeursebene der Luftverteidigung der 20. Armee, zu der die 53. Brigade gehörte, oder bei den Kommandeuren der Luftverteidigung des westlichen Militärbezirks. Auch hält das „Bellingcat“-Netzwerk es für möglich, dass Kommandeure der russischen Luftabwehr es in Marsch gesetzt haben. Dies könne allerdings nicht ohne einen Befehl des russischen Präsidenten Wladimir Putin geschehen sein, militärisches Gerät in die Ostukraine zu schicken, um die prorussischen Rebellen zu unterstützen. Deshalb, so die Schlussfolgerung, sei Putin – zusammen mit den Befehlshabern der prorussischen Rebellen in der Ostukraine – für den Abschuss von MH17 verantwortlich.

          Die „Bellingcat“-Rechercheure haben ihren neuesten Bericht nach eigenen Angaben auch den niederländischen Ermittlern zugänglich gemacht, die den Abschuss untersuchen. Zuletzt hatte die niederländische Flugunfalluntersuchungsbehörde OVV im Oktober vergangenen Jahres ihren Abschlussbericht vorgelegt, in dem sie ihre Überzeugung publik machte, das Flugzeug sei von einer russischen „Buk“-Rakete getroffen worden.

          Ein russischen „Buk“-Flugabwehrraketensystem bei einer Messe in Russland im Juni 2015.
          Ein russischen „Buk“-Flugabwehrraketensystem bei einer Messe in Russland im Juni 2015. : Bild: Reuters

          Die Beschäftigung mit dem Abschuss von MH17 ist einer der Schwerpunkte der Arbeit von „Bellingcat“. So hat das Portal auch schon Bilder und Videos zusammengetragen, die das „Buk“-System zeigen sollen, welches nach Überzeugung der Autoren des neuesten Berichts für den Abschuss von MH17 verantwortlich sein soll. Für ein weiteres Projekt wurden Nutzer aufgerufen, Bilder und Videos von Waffensystemen in der Ostukraine zur Verfügung zu stellen, um deren Bewegungen nachvollziehen zu können.

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