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Abschuss von MH17 : Die misslungene Vertuschung eines Verbrechens

Bild: dpa

Der Untersuchungsbericht zum Abschuss von MH17 über der Ukraine demaskiert ein weiteres Mal Putin – aber auch den Westen. Ein Kommentar.

          Ein Schnellschuss ist dieser Bericht nicht. Zwei Jahre lang trugen die Ermittler aus vier Ländern Fakten zusammen, die klären sollten, wer am 17. Juli 2014 das malaysische Passagierflugzeug mit fast dreihundert Menschen an Bord über der Ostukraine abschoss. Dass es ein Abschuss war, bestritt nicht einmal Moskau. Doch versuchte es mit wechselnden Behauptungen, diese Tat der Ukraine in die Schuhe zu schieben, obwohl es von Anfang an Hinweise gab, dass es die von Russland unterstützten Separatisten waren, die MH 17 vom Himmel holten.

          Auch die jetzt veröffentlichten Untersuchungsergebnisse werden die für Moskaus Propaganda Empfänglichen nicht von dem Glauben abbringen, dass dies eine weitere westliche Verschwörung gegen das arme, eingekreiste Russland und den lupenreinen Demokraten an seiner Spitze sei. Unbefangene Beobachter aber können nun kaum noch daran zweifeln, wer die Hauptschuld an dieser Tragödie hat: Es sind die Separatisten, die, aus welchen Gründen auch immer, auf das Passagierflugzeug schossen - und derjenige, der sie mit modernstem Kriegsgerät ausrüstet, ohne das sie der ukrainischen Armee längst unterlegen wären. Aber auch seine Rolle als Lieferant bestritt Putin stets, obwohl der Zufluss von Menschen und Material aus Russland nur Politikern verborgen bleiben konnte, die partout nicht sehen wollten, was nicht in ihr Welt- und Wunschbild passte. Am 17. Juli 2014 aber begingen im Separatistengebiet gut ausgebildete Soldaten - zur Bedienung einer „Buk“ braucht es mehr als Hobby-Krieger - nicht nur ein Verbrechen, sondern auch einen Fehler bei der Vertuschung: Sie schafften bei dem Versuch, die Tatwaffe loszuwerden, den Raketenwerfer wieder dahin, von wo er gekommen war, nach Russland.

          Der Bericht von Utrecht demaskiert ein weiteres Mal Putin - aber auch einen Westen, der sich mit einer Engelsgeduld die Moskauer Märchen und Lügen anhört, weil er nach wie vor nicht in der einzigen Sprache mit dem russischen Präsidenten reden will, die diesen wirklich beeindruckt. Man sei „den Verantwortlichen nähergekommen“, hieß es im Auswärtigen Amt zu diesem Bericht. Putin muss sich deshalb keine Sorgen machen. Der Hauptverantwortliche für den Krieg in der Ostukraine und die Tausenden ihm zum Opfer gefallenen Soldaten und Zivilisten ist längst bekannt. Doch allenthalben heißt es, man könne auf die Zusammenarbeit mit ihm nicht verzichten.

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