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Abschlussbericht der Synode : Vage, aber offen und nicht belehrend

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus am Samstag auf dem Weg zur Abschlusssitzung der Synode. Bild: AP

Drei Wochen lang hat die Bischofssynode nach neuen Positionen zu Ehe gesucht. Bei strittigen Punkten wie Homosexualität und der Rückkehr von Geschiedenen zur Kommunion bleibt der Abschlussbericht nun vage. Einige positive Formulierungen gibt es aber.

          Zumindest die Synodenväter sind stolz über ihren Abschlussbericht. Der 50 Seiten lange in gut 90 Kapitel gegliederte Text habe eine gefällige Sprache und sei gut zu lesen, sagen sie. Außenstehende mögen dagegen vermissen, dass die dreiwöchige planmäßige Familiensynode nicht mit konkreten Anregungen für den Papst endet, der die Relatio Finalis an diesem Sonntag erhalten wird. In den meisten seiner Punkte bleibt der Bericht nämlich vage.

          Schon am Samstagmittag hatte der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn angekündigt, man habe zwar über die Probleme von Homosexuellen in den Familien gesprochen; aber im Text werde man dazu „nicht viel finden“. Das bedeute aber nicht, dass dies in Europa oder Nordamerika kein Thema für die Kirche sei. Aber bei einer Universalsynode müsse man die unterschiedlichen politischen und kulturellen Situationen auf der Welt respektieren, sagte Schönborn.

          In der Tat, so ist es geschehen; auch mit Blick auf das zweite strittige Thema, den Zugang für wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion. Die in dem einstimmig vom deutschen Sprachzirkel vorgeschlagene Möglichkeit, „unter bestimmten Voraussetzungen die Sakramente der Buße und Eucharistie empfangen zu können“, ohne das Sakrament der unauflöslichen Ehe anzutasten, wurde nicht in den Synodenabschlusstext aufgenommen.

          Andererseits verzichtet der Bericht weitgehend auf belehrende Hinweise aus dem Dogma, vermeidet eine Sprache „von oben herab“ und weist darauf hin, dass die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils die Freiheit des Gewissens im Blick haben müsse. So geht der Abschlusstext ausführlich darauf ein, dass es falsch sein könne, allgemein dogmatische Regeln anzuwenden, wo doch die Schicksale des je einzelnen gewertet werden müssten. Hier sei der Beichtvater im Gespräch mit dem Gläubigen gefragt. Es fällt auch das Wort von der „Dynamik der Barmherzigkeit“.

          Ehe und Familie als Ausdruck der Liebe Gottes

          Während bei den Texten der außerplanmäßigen Familiensynode vor einem Jahr die Probleme und Krisen der Familie betont worden waren, bemüht sich der Text jetzt um einen positiven Zugang. Ehe und Familie seien Ausdruck der Liebe Gottes. Sie könnten eine große Kraft entfalten, auch in so schwierigen sozialen Verhältnissen wie heute. Die Kirche könne dazu ihren positiven Beitrag leisten. Bei der jüngsten Synode standen dogmatische Fragen nicht im Zentrum; doch wie der deutsche Kurienkardinal Reinhard Marx immer wieder sagte, könne es keine Pastoral ohne die Lehre aber auch keine Lehre ohne die Pastoral geben. Wer da einen Gegensatz herausarbeiten wolle, leiste einem großen Irrtum Vorschub, hatte Marx gesagt. Der Abschlusstext der Pastoralsynode kommt darum auch nicht an dogmatischen Fragen vorbei, wie denen nach dem Sinn der Gebote und moralischen Normen.

          Die Relatio ist in drei Abschnitte unterteilt: Sehen, Urteilen, Handeln. Der erste Teil beschreibt einen realistischen Blick auf die Familien von heute: „Paare und dass Eheleben sind keine abstrakten Wirklichkeiten, sie bleiben unfertig und verletzlich“. Diese Verletzungen ergäben sich aus wirtschaftlichen Krisen, Flucht oder Vertreibung, durch politische oder individuelle Probleme wie den wachsenden Individualismus. Aber überall auf der Welt, heißt es in dem Papier, präge die Familie die jeweilige Kultur.

          Im zweiten Teil der Relation, der theologischen und damit urteilenden Themen gewidmet ist, steht die „Berufung der Familie“ im Zentrum. Gemeinhin fällt der Begriff der Berufung nur bei Priestern und Ordensleuten; aber auch bei Eheleuten gebe es eben eine Berufung, die durch die sakramentale Verbindung beim gegenseitigen Eheversprechen entstehe. Gegenseitige Hingabe und Offenheit für gemeinsame Kinder seien lebendige Zeichen für eine Einheit der christlichen Familie mit der Kirche. Das eheliche Sakrament stehe nicht alleine sondern müsse mit den anderen Sakramenten zusammen gesehen werden. Dabei spricht der Text von einer „göttlichen Pädagogik“. Gott handle im Leben der Christen und führe sie in die Gemeinschaft.

          Beratung auch in komplexen Situationen

          Im dritten Teil ist vom Dienst der aktiv handelnden Kirche die Rede. Dabei wird Wert auf die Vorbereitung der Ehe gelegt und die weitere Begleitung der Eheleute. Die Kirche müsse die Familien bei einer verantwortlichen Elternschaft beraten, bei Schul- und Erziehungsfragen und auch in „komplexen Situationen“ zur Seite stehen. Dieses Thema nimmt den breitesten Raum im Dokument ein. Die Kirche müsse dynamisch und mit den Problemen wachsend agieren, sei aufgerufen, mit einer „differenzierten Pastoral“ auf die unterschiedlichsten Probleme einzugehen: „Die Logik der Integration ist der Schlüssel für die pastorale Begleitung“, heißt es so bei einem Abschnitt über die wiederverheirateten Geschiedenen. Die Kirche müsse darüber nachdenken, wie solche Eheleute in die Kirche integriert werden müssten. Dabei seien alle Beteiligten aufgefordert , „die Situation gut zu unterscheiden“, heißt es in einer typisch jesuitischen Formulierung. Die Lehre der Kirche und das Urteil der örtlichen Kirche sollten Richtschnur sein. Der Hinweis auf die örtlichen Bischöfe fand bei der Abstimmung den größten Widerspruch. Die meisten Kapitel wurden mit großer Mehrheit verabschiedet, 80 der 270 Synodenväter kritisierten den Hinweis auf die Stärkung einer regionalen Pastoral.

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