https://www.faz.net/-gpf-7n6m6

Abschied von Kardinal Meisner : „Wortgewaltig und Widerspruch provozierend“

Zwei-Reiche-Praxis: Kardinal Meiser und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Sonntag in Köln Bild: dpa

Nach 25 Jahren hat sich Joachim Kardinal Meisner vom Amt des Erzbischofs von Köln zurückgezogen. Bei seiner Verabschiedung im Kölner Dom bezeichnete ihn die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als streitbaren Geist.

          1 Min.

          Mit einem Gottesdienst im Kölner Dom und einem Festakt im Kölner Gürzenich hat sich Joachim Kardinal Meisner am Sonntag vom Amt des Erzbischof von Köln zurückgezogen. Papst Franziskus hatte am Freitag vorvergangener Woche den Amtsverzicht des achtzig Jahre alten Geistlichen angenommen. Meisner stand 25 Jahre an der Spitze der größten Diözese in Deutschland. Zuvor war der gebürtige Schlesier Weihbischof in Erfurt und Bischof von Berlin gewesen. Auf Veranlassung von Papst Johannes Paul II. wählte ihn das Kölner Domkapitel zum Nachfolger des 1987 verstorbenen Kardinals Joseph Höffner.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der vormalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, erinnerte an die Prägung Meisners durch das Leben in der DDR. „Die bittere Erfahrung der Repressalien durch das kommunistische Regime der DDR haben in Dir einen tiefen Unwillen gegenüber jeglicher Form bevormundender Autorität bestärkt. Nicht zuletzt zeigt sich dies auch in Deinem eindeutigen Eintreten für die Unverletzlichkeit der Menschenwürde und für die Achtung der fundamentalen Menschenrechte“, sagte Zollitsch in einem Grußwort.

          Tebartz sagt ab

          Dankbar erinnerte er auch an den Weltjugendtag, der im Jahr 2005 im Beisein von Papst Benedikt XVI. in Köln stattfand, sowie an den ersten Nationalen Eucharistischen Kongress, zu dem Meisner 2013 eingeladen hatte. Dem Abschied wohnten zahlreiche Persönlichkeiten des kirchlichen und politischen Lebens bei, darunter die Kardinäle Reinhard Marx (München-Freising), Dominik Duka (Prag) und Stanislaw Dziwisz (Krakau). Aus dem Vatikan angereist war der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Kurienerzbischof Georg Gänswein, aus Berlin der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic. Die Evangelische Kirche in Deutschland wurde durch den Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider repräsentiert.

          Für die nordrhein-westfälische Landesregierung kamen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sowie die Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne). Sie nannte Meisner einen „Kirchenmann mit großer Geistes- und Wortgewalt“. Als streitbarer Geist habe er Freude an der Auseinandersetzung bewiesen und auch Widerspruch provoziert. Kardinal Duka erinnerte an die Unterstützung Meisners für die verfolgte Kirche in der Tschechoslowakei. Der als Gast erwartete Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sagte seine Teilnahme an den Feierlichkeiten kurzfristig ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gute Reise: Trump schickt ein Hospitalschiff von Norfolk nach New York.

          Keine Abriegelung : Angst vor den Corona-Flüchtlingen aus New York

          Viele New Yorker suchen anderswo Schutz vor dem Virus. So verbreiten sie es. Trump drohte mit Abriegelung, konnte sich aber nicht durchsetzen. Jetzt wackelt sein Plan für den Neustart der Wirtschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.