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Abschiebung nach Nepal : Bivsi, ein Opfer ihrer Eltern

Die Schülerin Bivsi Rana kommt am Flughafen in Düsseldorf an. Zwei Monate nach ihrer Abschiebung nach Nepal durfte sie nach Duisburg zurückkehren. Bild: dpa

Die Abschiebung der 15 Jahre alten Bivsi hat Empörung ausgelöst. Doch das Mädchen musste nicht unter willkürlicher Staatsgewalt leiden. Ihr Vater hatte die deutschen Behörden jahrelang betrogen.

          Es ist kurz nach sieben Uhr am Mittwochmorgen, als die Menschentraube am Ausgang 1 im Ankunftsterminal des Düsseldorfer Flughafens immer größer wird. Schließlich strömt noch eine Gruppe Jugendlicher heran, um sich mit Herzballons, Teddybären und einem bunten „Welcome back“-Transparent vor der Schiebetür in Stellung zu bringen. Die Jungen und Mädchen müssen sich beeilen, denn ihre Mitschülerin Bivsi R. ist soeben gelandet.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Sara ist aufgeregt. Sie war dabei, als ein Lehrer Bivsi am 29. Mai aus dem Unterricht der Klasse 9d des Duisburger Steinbart-Gymnasiums zum Rektor bat, wo zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts auf sie warteten. Von ihren zwei besten Freundinnen konnte sich Bivsi im Lehrerzimmer noch verabschieden, in ihre Klasse durfte sie nicht mehr zurück. Ihre Klassenkameraden waren schockiert.

          Dann brachte man Bivsi mit ihren Eltern zum Frankfurter Flughafen. Von dort aus wurde die Familie wenige Stunden später nach Nepal abgeschoben, in eine Welt, die das 2002 in Lüdenscheid geborene Mädchen nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kannte. „Ich habe immer geglaubt, dass wir es schaffen, Bivsi und ihre Eltern zurückzuholen. Aber dass es so schnell geht, haben wir nicht erwartet“, sagt Sara und stellt sich auf die Zehenspitzen, um über die Kamerateams und Fotografen auf die Schiebetür zu spähen.

          Viel mediale Aufmerksamkeit

          Nach der Abschiebung war es den Gymnasiasten und einem Unterstützerkreis der Familie mit einer großen Demonstration und geschickter Pressearbeit gelungen, Medien aus ganz Deutschland auf das Schicksal des jungen Mädchens aufmerksam zu machen. Ein Wohltätigkeitsverein sammelte bei einem Benefizkonzert 12.000 Euro, um die Rückkehr zu finanzieren.

          Oberbürgermeister Sören Link von der SPD versprach, sich dafür einzusetzen, dass die fünfzehn Jahre alte nepalesische Staatsbürgerin ihr Abitur in Duisburg machen kann – auch wenn die Abschiebung der Familie geltendem Recht entsprochen habe, alles bis zur letzten Instanz gerichtlich geprüft und bestätigt worden sei und seine Ausländerbehörde keinen Handlungsspielraum gehabt habe.

          Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp ordnete die Sache in einen größeren Rahmen ein. Es könne doch nicht sein, dass man junge kriminelle Männer, die in Düsseldorf und Köln ihr Unwesen trieben, nicht abschieben könne. Dass man selbst gefährliche und lang abgelehnte Asylbewerber wie den späteren Berlin-Attentäter Anis Amri nicht loswerde, dafür aber gut integrierte Leute wie die Familie R. abschiebe, sagte der Politiker von den Liberalen.

          Stamp verwies darauf, dass Bivsis Vater Bhim R. den Lebensunterhalt der Familie seit Jahren durch seine Arbeit als Sushi-Koch gesichert und Steuern bezahlt habe. „Und Bivsi ist in Deutschland geboren und aufgewachsen – sie ist de facto ein deutsches Kind.“ Freilich handele es sich um einen Einzelfall, der keinesfalls verallgemeinert werden dürfe, mahnte Stamp.

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          Gleichwohl wurde der Fall in vielen Medien wahlweise zum Sinnbild für die Absurdität oder die Brutalität des deutschen Abschiebewesens. Zunehmend löste sich die Erzählung von den Fakten. Nur weil Bivsis Vater vor Jahren nach Flucht aus dem damaligen Bürgerkriegsland Nepal einen einzigen Fehler gemacht und aus Angst vor politischer Verfolgung bei den deutschen Behörden einen falschen Namen angegeben habe, sei die ganze Familie abgeschoben worden.

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