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Abgeschossenes Kampfflugzeug : Der Abschuss und die turkmenischen Dörfer

Das brennende russische Kampfflugzeug kurz vor seinem Aufprall Bild: Reuters

Es geht den Türken um den Schutz ihres Luftraums – und um noch viel mehr. Auch nach den russischen Bomben auf turkmenische Dörfer in Syrien hatte Ankara mit ernsthaften Konsequenzen gedroht. Moskau hat alle Mahnungen und Warnungen nicht ernst genug genommen.

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          Am Freitag vergangener Woche veröffentliche das türkische Außenministerium eine Mitteilung, die sich nachträglich wie ein Drehbuch für einen weltpolitischen Krimi liest. Die Türkei habe erfahren, dass russische Flugzeuge „schwere Bombardements gegen turkmenische Dörfer“ in den Siedlungsgebieten der Turkmenen in Nordwestsyrien in unmittelbarer Grenze zur Türkei ausführten, heißt es in der Mitteilung aus Ankara.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Daraufhin sei Seine Exzellenz Andrej Karlow, Botschafter der russischen Föderation in Ankara, in das Außenministerium zitiert worden, wo dem Repräsentanten Moskaus deutlich gemacht worden sei, dass Russlands Handlungen in Syrien „nicht dem Kampf gegen den Terrorismus dienen, sondern nur auf die Bombardierung turkmenischer Dörfer hinauslaufen, weshalb diese Taten ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen können.“

          Das war die offizielle Mitteilung in einer für diplomatische Verhältnisse schon deutlichen Sprache. Am Wochenende sorgte die amtierende türkische Regierung dafür, ihre Nachricht auf anderen Kanälen noch deutlicher zu machen.

          Türkische Diplomaten gingen im Gespräch mit Journalisten ins Detail und berichteten, was man Russlands Botschafter (und dessen ebenfalls einbestellten Militärattaché) zu verstehen gegeben habe: Die Türkei habe jedes erdenkliche Recht, sich zur Wehr zu setzen und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, sollten die Angriffe der Russen gegen die Turkmenen in unmittelbarer Nähe der Türkei die Sicherheit der türkischen Grenze bedrohen. Das türkische Militär stehe bereit und man werde nicht zögern, es einzusetzen, hieß es in inoffiziellen Zusammenfassungen der diplomatischen Unterredung.

          Zudem hätten in den Gegenden, über denen die russischen Kampfflieger ihre Bomben abwürfen, weder der „Islamische Staat“ noch andere Terrorgruppen die Kontrolle. Es handele sich um turkmenische Siedlungsgebiete, und die Türkei, die eine Schutzmacht der Turkmenen sei, werde Angriffen gegen diese Bevölkerungsgruppe nicht tatenlos zusehen.

          Der türkische Ministerpräsident legte öffentlich nach

          Schließlich hätten die russischen Bombenangriffe eine neue, bisher innersyrische Flüchtlingswelle ausgelöst und Tausende Menschen dazu veranlasst, ihre Heimatdörfer zu verlassen. Auch das werde die Türkei, die mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen hat als jedes andere Land der Welt – von Russland gar nicht zu reden – nicht einfach hinnehmen.

          Der amtierende Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, der nach dem deutlichen Wahlsieg der „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ am 1. November dieser Tagen (wieder) regulär das Amt des Regierungschefs in Ankara übernehmen wird, legte zur Sicherheit am Sonntag noch einmal nach. Keineswegs nur in Hintergrundgesprächen, sondern gleichsam zum Mitschreiben und Zitieren warnte der ehemalige Außenminister und Vordenker der nicht eben aus einer Kette glanzvoller Erfolge bestehenden türkischen Syrienpolitik: „Unsere Sicherheitskräfte sind angewiesen worden, sich gegen jede Entwicklung zur Wehr zu setzen, die die Grenzsicherheit der Türkei bedroht.“

          Wenn es einen „Angriff“ gebe, der einen großen Flüchtlingsstrom in die Türkei nach sich ziehen könne, werde man angemessene Maßnahmen „sowohl in Syrien als auch in der Türkei“ ergreifen. Jeder Nichtsyrer, der in Syrien militärisch eingreife, sei ein ausländischer Kämpfer, sagte Davutoglu, ohne jedoch Russland beim Namen zu nennen. Die Türkei werde auch diplomatisch alle nötigen Maßnahmen „zum Schutz unserer (turkmenischen) Brüder und Schwestern“ ergreifen.

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