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11. September : Tausend Gutachten später

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Laut dem Bericht waren die Zerstörungen so massiv, daß es schon erstaunlich war, wie die Gebäude überhaupt noch eine Zeitlang standhalten konnten. „Viele Strukturen anderer Bauweise wären in so einem Fall noch stärker vom Einsturz bedroht gewesen, nur wenige hätten besser standgehalten.“ Die Wucht des Aufpralls zertrümmerte die Brandverkleidung der Stockwerksdecken, verformte Stahlträger und entkleidete sie damit streckenweise des aufgesprühten Brandschutzmaterials, soweit das nicht ohnehin Lücken aufwies oder zu dünn war.

„9/11-Kommission“ befragte 1.200 Personen

In diese geschwächte Struktur sprang explosionsartig das Feuer, und zwar über mehrere Stockwerke gleichzeitig. Generell leitet der Fema-Bericht daraus die Schlußfolgerung ab, die bestehenden Prüfungsregeln für Brandschutz (die amerikanische Vorschrift ASTM E119) seien künftig zu verschärfen, da sie bislang nur Einzelteile bewerten. Nötig sei aber „eine Methode, um Träger und Verbindungen insgesamt für den Brandfall prüfen zu können“. Allerdings hegt niemand die Vorstellung, dem Terrorismus vor allem mit besserem Brandschutz entgegentreten zu können.

Es war daher eine politische Reaktion, das Department of Homeland Security zu schaffen, ein Ministerium für innere Sicherheit, das 23 bestehende Bundesbehörden aufnahm, darunter die Fema. Für die Erforschung des Hergangs selbst wurde Ende November 2002 die „Nationale Kommission zu Terroranschlägen auf Amerika“ ins Leben gerufen, gemeinhin „9/11-Kommission“ genannt. Deren Mitarbeiter durchforsteten nach eigenen Angaben mehr als 2,5 Millionen Seiten an Dokumenten und befragten 1.200 Personen in zehn Ländern, dazu 160 Zeugen. Die Kommission bezeichnet ihren Bericht dennoch vorsichtig als bloße Übersicht: „Weitere Informationen werden unweigerlich ans Licht kommen.“

Forscher rekonstruieren Flugzeug-Einschlag

Dafür sorgen schon Untersuchungen wie jene, die ein Team der Purdue University in Indiana (Studie auf www.cs.purdue.edu) zum Einschlag des dritten Flugzeugs in Washington durchführten. Mit einer einzigartigen Computersimulation konnten sie klären, wie diese Maschine im Erdgeschoß des Pentagons einen ganzen Trakt erst in Brand setzte und dann einstürzen ließ. Die Purdue-Studie entstand auf Eigeninitiative dreier Wissenschaftler. Einer von ihnen, der Bautechniker Mete Sozen, war als Experte zur offiziellen Schadenserhebung hinzugezogen worden, die eine Forschungseinrichtung des amerikanischen Zivilingenieur-Verbands ASCE (Association of Civil Engineers) in sieben Monaten bis zum Januar 2003 abschließen konnte.

Die Wissenschaftler simulierten den Einschlag mit Hilfe der vorliegenden Daten auf einem Supercomputer. Dieser Ansatz hat den Vorteil, daß sich die Bauweise einzelner Elemente - etwa die Stärke der Stahlarmierung an den Betonstützen - hypothetisch variieren läßt, um so das Geschehen besser zu verstehen. Die Purdue-Wissenschaftler gingen noch einen Schritt weiter (“was unseres Wissens vorher nie jemand gemacht hat“) und errechneten aus den Ergebnissen der physikalisch korrekten Simulation auch eine naturgetreue Visualisierung. Man kann also in einem Film greifbar realistisch verfolgen, wie der Einschlag aussah und im Gebäude wirkte. Echte Bilder des Attentats hatte nur eine einzige Überwachungskamera außerhalb des Pentagons festgehalten, und dies eher schemenhaft.

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