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#80Prozent : Eine Stadt, mitten in Berlin

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Reinigungsarbeiten im Bundestag. In einer sitzungsfreien Woche ist Zeit für das Putzen der Kuppel. Die Plenarstühle sind vorsichtshalber abgedeckt. Bild: dpa

Im Bundestag arbeiten etwa 6000 Menschen. Nur ein Bruchteil davon sind Abgeordnete. Was machen die anderen den ganzen Tag? Teil zehn unseres Lexikons für Erstwähler.

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          Würde man das Leben im Bundestag in Jahreszeiten einteilen, dann gäbe es davon drei: Sitzungswochen, Nicht-Sitzungswochen und die Sommerpause. Im Sommer sind Touristen diejenigen, die beim Parlament gefühlt am häufigsten anzutreffen sind. In Nicht-Sitzungswochen ist ebenfalls wenig los: Das Plenum ist verwaist, die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen, auf den Gängen ist es ruhig. Anders in den Sitzungswochen. Dann vibriert der Bundestag. Abgeordnete, Journalisten, Lobbyisten eilen hin und her, Ausschüsse tagen, ein Gong erinnert an namentliche Abstimmungen, die Kantinen sind zur Mittagszeit vollgestopft.

          Rund 6000 Menschen arbeiten im Parlament: Abgeordnete,  Mitarbeiter von Abgeordneten und rund 3000 Angestellte der Verwaltung. Sie halten einen Apparat am Laufen, der an eine Kleinstadt erinnert: Ein Kindergarten, eine Poststelle, ein Reisebüro. Restaurants, Cafeterien, Bibliothek, ein kleiner Fernsehsender. Es gibt einen Arzt, einen Schlüsseldienst, Techniker, Briefkästen. Eine Artothek stellt Kunstwerke für die Verschönerung der Büros zur Verfügung, und im Reichstagsgebäude gibt es einen Andachtsraum für die stillen Minuten des Tages. Der Bundestag, das ist ein Nebeneinander von alter und neuer Architektur, dazwischen schlängelt sich die Spree.

          Die Verwaltung gliedert sich in vier Abteilungen: Parlament und Abgeordnete, Wissenschaft und Außenbeziehungen, Information und Dokumentation, Zentralabteilung. Die Mitarbeiter bereiten die Sitzungen von Plenum und Ausschüssen vor, vermitteln Dolmetscher, sind bei Veranstaltungen für Musik, Blumen, die Gästeliste und das Glas Wasser am Rednerpult verantwortlich, drucken Gesetzesvorlagen, verteilen sie, und sorgen gelegentlich ungewollt für Aufregung. Etwa, als der Wissenschaftliche Dienst, der Abgeordnete und Gremien normalerweise einigermaßen unspektakulär mit Informationen rund um ein Thema ausstattet, im Februar in einem Gutachten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der PKW-Maut äußerte.

          Erstwählerlexikon

          Warum lohnt es sich immer, zur Wahl zu gehen? Was machen Abgeordnete eigentlich den ganzen Tag? Und was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme? FAZ.NET erklärt, was man wissen muss.

          Wie in großen Unternehmen gibt es auch im Bundestag eine Reihe Mitarbeiter, die allein für die Darstellung nach außen zuständig sind. Sie gestalten die Website und sind für das Parlamentsfernsehen verantwortlich, das alle Plenardebatten unkommentiert überträgt, ebenso öffentliche Ausschusssitzungen und andere Veranstaltungen. Eine Art Nachrichtenagentur gibt täglich die in der Hauptstadt berüchtigten „hib“-Meldungen heraus, „heute im bundestag“ – unter anderem Berichte aus den Ausschusssitzungen, auch aus den nicht-öffentlichen. Und noch etwas: Der Bundestag hat eigene Zeitung, die Wochenzeitung „Das Parlament“. Sie ist ein Zwitter: als Zeitung gedacht, in der Umsetzung eher PR-Instrument, mit 630 Herausgebern aus vier Fraktionen, die alle bedacht werden wollen. Zunächst unter der Herausgeberschaft der Bundeszentrale für politische Bildung ist die Zeitung außerordentlich langlebig: In einem kleinen Kabuff im Untergeschoss des Bundestages lagern alle Ausgaben aus 65 Jahren Zeitungsgeschichte, unter anderem die Ausgabe nach dem Mauerfall („Ost-Berlin öffnet die Mauer“) und dem 11. September („Uneingeschränkte Unterstützung für die Vereinigten Staaten“). 

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