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Ende des Zweiten Weltkrieges : Patriotische Verräter

„Der“ Kollaborateur: Vidkun Quisling, hier mit Heinrich Himmler, dem Reichsführer der SS. Bild: Ullstein

In vielen Ländern Europas gab es Leute, die mit den Besatzern gemeinsame Sache machten. Nach dem Krieg wurde viele von ihnen zur Rechenschaft gezogen. Die Kollaboration und ihre Folgen bleiben ein dunkles Kapitel.

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          Als Synonyme nennen die Wörterbücher harmlose Begriffe wie „Kooperation“ oder „Zusammenarbeit“. Aber wenn von „Kollaboration“ die Rede ist, verbindet man damit etwas weniger Harmloses: die Zusammenarbeit mit einem Feind gegen die Interessen des eigenen Landes. Mit genau diesem Phänomen hatten sich viele europäische Länder nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen. Es ging dabei gar nicht in erster Linie um die Ahndung von Kriegsverbrechen. Vielmehr mussten sich viele Länder nach der Befreiung von der Besatzungsherrschaft mit der unangenehmen Tatsache auseinandersetzen, dass Teile der eigenen Bevölkerung mit den Eroberern gemeinsame Sache gemacht hatten, dass die Legende des allumfassenden Widerstands gegen die Nazis genau das war: eine Legende.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Angesichts dessen erscheint es verständlich, dass Kollaborateure nach Kriegsende so gut wie nirgendwo auf Verständnis hoffen konnten. Erschwerend kam noch hinzu, dass das ganze Ausmaß der unter deutscher Herrschaft verübten Verbrechen erst nach Kriegsende bekannt wurde. Mit Verbrechern und Verlierern wollte sich aber niemand mehr identifizieren.

          In den ersten Kriegsjahren, als die Wehrmacht über fast den gesamten europäischen Kontinent hinwegrollte, war das Bild sehr viel differenzierter. Die Motive für die Zusammenarbeit mit den Deutschen waren dabei sehr vielfältig. Es gab ideologische Überzeugungstäter, aber auch schlichte Opportunisten. Und es gab diejenigen, die - vor allem in Osteuropa - die einmarschierenden Deutschen am Anfang für das im Vergleich zu Stalins Sowjetunion kleinere Übel hielten. Viele Angehörige nichtrussischer Völker hofften auf Selbständigkeit ihrer Länder nach dem Einmarsch.

          Nicht zuletzt deshalb rekrutierten sich aus ihren Reihen auch nennenswerte militärische Formationen, die bis zum Ende an der Seite der Deutschen kämpften. Dieses Engagement allerdings bezahlten sie nach Kriegsende bitter. Sie wurden, in der Regel gegen ihren Willen, in ihre Heimatländer „repatriiert“. So ging es zum Beispiel Kosakeneinheiten aus der Sowjetunion, die sich in Österreich in britische Gefangenschaft begeben hatten. Die meisten Angehörigen dieser Einheiten wurden vom britischen Gefangenenlager gleich in das sowjetische Gulag-System überführt, ihre Kommandeure endeten am Galgen.

          Die meisten Kollaborateure waren nach ihrem Selbstverständnis gute Patrioten, die nur ihrem Land dienen wollten. Als Gemeinsamkeit ist auch die Enttäuschung über die 1919 in den Verträgen zum Ende des Ersten Weltkriegs eingerichtete Ordnung Europas zu nennen. Nennenswerte Erfahrungen mit einer repräsentativen Demokratie hatte es in den meisten Ländern vor 1919 nicht gegeben. Die große Krise der dreißiger Jahre wurde vielfach diesem angeblich ineffizienten System angelastet. Diesem deprimierenden Bild standen Anfang des Jahrzehnts zwei Gegenmodelle gegenüber, die die Lösung vieler, wenn nicht aller Probleme zu versprechen schienen.

          In Italien regierte seit 1922 der „Duce“ Benito Mussolini und führte einen scheinbar sehr effektiven Staat mit starker Hand. Zeitlich parallel zum wirtschaftlichen Niedergang in Westeuropa und Nordamerika feierte die Sowjetunion die (angeblichen) Errungenschaften des ersten Fünfjahresplans. Die Propaganda malte das Leben im „Paradies der Werktätigen“ in den hellsten Farben. Die mit der Umwälzung verbundenen Grausamkeiten wie die erzwungene Hungersnot in der Ukraine fanden daneben kaum Aufmerksamkeit. Trotzdem konnten oder wollten sich viele nicht für das kommunistische Modell begeistern. Ihre Suche nach einem Ausweg endete nicht zwangsläufig bei Hitler, aber doch in einem Staat mit „starker“ Führung.

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