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Chronik zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Die letzten Tage

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Im Westen hatten die Truppen der Alliierten schon lange die Reichsgrenze überschritten und im Osten bereitete sich die sowjetische Armee darauf vor, dem NS-Regime den Todesstoß zu versetzen. Ihre Offensive über die Oder leitete die letzten Tage des „Dritten Reiches“ ein. Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende.
16.04.2015, von OLIVER KÜHN


16. bis 19. April 1945

Die Schlacht um die Seelower Höhen

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Die Schlacht um die Seelower Höhen eröffnete am 16. April 1945 den Kampf um die Reichshauptstadt Berlin. Die 1. Weißrussische Front unter Marschall Schukow versuchte die Verteidigungsstellung der Heeresgruppe Weichsel an der Oder bei Küstrin (Kostrzyn nad Odra) zu durchbrechen. Mehr als eine Million sowjetische Soldaten mit mehr als 3000 Panzern standen dabei rund 120.000 deutschen Soldaten mit circa 500 Panzern gegenüber. Innerhalb von drei Tagen fielen mehr als 70.000 sowjetische und mehr als 12.000 deutsche Soldaten.


21. April bis 2. Mai 1945

Schlacht um Berlin

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Nach den Kämpfen um die Seelower Höhen überschritten die ersten sowjetischen Einheiten am 21. April die Stadtgrenze Berlins. Auf Hitlers Befehl hin sollte die Stadt „bis zur letzten Patrone“ verteidigt werden, eine Flucht von Zivilisten und Soldaten wurde somit fast unmöglich. Am 25. April konnten die sowjetischen und polnischen Truppen die Hauptstadt des Deutschen Reiches vollständig einkesseln und begannen sich im Häuserkampf in das Zentrum Berlins vorzukämpfen. Am 28. April drangen die Soldaten der Roten Armee ins Regierungsviertel ein. Am 30. April hissten Soldaten der Roten Armee die Rote Fahne auf dem Reichstag. Am 2. Mai kapitulierte der Kampfkommandant von Berlin General Helmut Weidling.


25. April 1945

Treffen bei Torgau

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Das erste Treffen zwischen amerikanischen und sowjetischen Soldaten fand nicht, wie oft angenommen, auf der Brücke in Torgau statt, sondern schon vorher, weiter südlich bei Lorenzkirch in der Nähe von Riesa. Da dem kommandierenden sowjetischen Offizier das Gelände für ein offizielles Foto allerdings nicht behagte, schickte er die Amerikaner wieder zurück über die Elbe. Das zweite Treffen gab es zwischen denselben Truppen nur eine halbe Stunde später, wurde auch protokolliert und am nächsten Tag für Bilder nachgestellt. Das berühmte Treffen auf der Brücke in Torgau fand gegen 15 Uhr statt. Sowjetische und amerikanische Soldaten begrüßten sich freudig. Es waren jedoch nicht dieselben wie auf dem bekannten Bild. Das wurde am folgenden Tag für den Fotografen nachgestellt.


28. April 1945

Tod Benito Mussolinis

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Benito Mussolini, der faschistische Diktator Italiens, wurde nach seiner Entmachtung durch Marschall Badoglio und seiner Festnahme im Juli 1943 auf dem Gran Sasso-Bergmassiv festgehalten. Nachdem er von deutschen Fallschirmjägern befreit worden war, wurde er als Führer einer „Sozialen Republik“ von deutschen Gnaden in Salo am Gardasee installiert. Als die alliierten Streitkräfte die deutschen Verteidigungslinien in Italien durchbrachen, kam es zu einem Aufstand der Partisanen in Norditalien. Mussolini versuchte am 25. April mit seiner Geliebten Clara Petacci in die Schweiz zu fliehen. Am 27. April wurden die beiden jedoch von Partisanen gefangen genommen und am nächsten Tag erschossen. Ihre Leichen wurden nach Mailand gebracht, öffentlich geschändet und neben anderen getöteten Faschisten an einem öffentlichen Ort an den Füßen aufgehängt.


29. April 1945

Kapitulation der Heeresgruppe C in Italien

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Nach dem Sturz Mussolinis und der Machtübernahme durch Marschall Badoglio, kündigte Italien das Bündnis mit dem Deutschen Reich auf, kapitulierte am 3. September 1943 und trat kurz danach an der Seite der Alliierten wieder in den Krieg ein. Der Teil Italiens, der noch nicht von den Alliierten befreit worden war, wurde von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die alliierten Truppen kämpften sich in der folgenden Zeit durch Italien nach Norden. Im November 1943 wurde die Heeresgruppe C mit dem Auftrag in Italien zu kämpfen, neu aufgestellt. Doch auch sie konnte den Vormarsch der Alliierten nicht aufhalten. Am 29. April 1945 kapitulierte sie vor dem britischen Feldmarschall Harold Alexander in Caserta.


30. April 1945

Tod Adolf Hitlers

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Am 28. April diktierte Hitler seiner Sekretärin sein Testament und am 30. April zog er sich gegen 14.30 Uhr mit Eva Braun, die er kurz zuvor noch geheiratet hatte, in seine Privaträume im „Führerbunker“ zurück. Gegen 15.30 Uhr hörten Zeugen einen Schuss. Kurz darauf betraten Hitlers Diener und der „Sekretär des Führers“ Martin Bormann das Zimmer. Hitler und Braun saßen auf dem Sofa. Braun hatte Zyankali genommen und Hitler sich erschossen. Die Leichen wurden im Garten der Reichskanzlei verbrannt und die Überreste in einem Granattrichter beigesetzt. Sein Tod wurde am 1. Mai 1945 bekannt gegeben. Von Selbstmord war in der Nachricht nicht die Rede, vielmehr hieß es: „An der Spitze der heldenmütigen Verteidiger der Reichshauptstadt ist der Führer gefallen. Von dem Willen beseelt, sein Volk und Europa vor der Vernichtung durch den Bolschewismus zu erretten, hat er sein Leben geopfert.“


1. Mai 1945

Tod Joseph Goebbels`

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Nur einen Tag nach dem Tod seines „Führers“, der ihn zu seinem Nachfolger ernannt hatte, beging auch der Propagandaminister Joseph Goebbels Selbstmord. Wie er sich umbrachte, ist ungeklärt. Belegt ist, dass das Ehepaar Goebbels am Nachmittag seine sechs Kinder mit Morphium-Injektionen und anschließender Zyankali-Vergiftung ermorden ließ. Zeugen sahen die Eheleute den Bunker verlassen. Im Garten begingen sie Suizid, ob durch Erschießen oder Zyankali-Vergiftung, ist unklar. Die Leichen wurden mit Benzin übergossen und angezündet. Sowjetsoldaten fanden jedoch noch Überreste, die vom sowjetischen Geheimdienst bis 1970 aufbewahrt, dann verbrannt und in der Elbe verstreut wurden.


7. Mai 1945

Kapitulation der Wehrmacht

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In den frühen Stunden des 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Jodl, der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, im alliierten Hauptquartier in Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen. Diese sollte am 8. Mai in Kraft treten, der deshalb als „Tag der Befreiung“ gilt. Da die Kapitulationsurkunde nicht von Vertretern der Teilstreitkräfte unterzeichnet worden war, wurde ein weitere Unterzeichnung in der Nacht des 8. Mai in Berlin-Karlshorst unter anderem von Generalfeldmarschall Keitel vorgenommen. Da es nach Moskauer Zeit schon der 9. Mai war, galt der Sowjetunion dieser Tag als Tag des Sieges.


17. Juli bis 2. August 1945

Potsdamer Konferenz

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Die Konferenz in Potsdam sollte in Verhandlungen zwischen den Alliierten - vor allem den großen Drei: England, Amerika und Sowjetunion - die Zukunft Deutschlands bestimmt werden. Am Ende der Konferenz waren nur noch einer der ursprünglichen Führer der großen Drei dabei. Der amerikanische Präsident Roosevelt war am 12. April gestorben und der britische Premierminister Churchill wurde während der Konferenz abgewählt. Stalin verhandelte also mit Harry Truman und Clement Atlee. Das Ergebnis der Konferenz war das Potsdamer Abkommen. Darin wurden die Gebietsabtretungen, Reparationen und die gesamte Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland festgehalten.


6. und 9. August 1945

Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

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Japan führte auch nach der deutschen Kapitulation den Krieg fort. Um den japanischen Kampfeswillen zu brechen, bereiteten die Vereinigten Staaten den Einsatz ihrer, in geheimer Arbeit entwickelten, Atombomben vor. Das erste Ziel sollte Hiroshima sein. Die Stadt war bis dahin relativ unzerstört geblieben und ein wichtiger Umschlagplatz für Kriegsgüter. Kurz nach acht Uhr am 6. August explodierte die Bombe „Little Boy“ 600 Meter über der Stadt. Zehntausende Menschen waren sofort tot und die Stadt zum größten Teil zerstört. Zum ersten Mal wölbte sich in einem Krieg ein Atompilz in den Himmel. Der Einsatz der zweiten Bombe - „Fat Man“ - wurde von den Befehlshabern vor Ort eigenmächtig entschieden. Ohne Washington zu konsultieren wurde die Bombe am 9. August gegen elf Uhr in rund 450 Metern Höhe über Nagasaki gezündet. Auch hier starben zehntausende Menschen sofort und die Stadt wurde fast komplett dem Erdboden gleichgemacht.


2. September 1945

Kapitulation Japans

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Nach den Atombombeneinsätzen setzte sich der japanische Kaiser gegen seine Militärs durch und befahl eine Kapitulation. Am 15. August wurde eine Erklärung des Tennos im Radio gesendet, worin viele Japaner zum ersten Mal die Wahrheit über die tatsächliche Kriegslage erfuhren. Am 2. August wurde die Kapitulationsurkunde auf dem amerikanischen Schlachtschiff „USS Missouri“, das vor Tokio ankerte, unterzeichnet. Teile der Armee kämpften jedoch noch mehrere Tage weiter.




Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 16.04.2015 14:37 Uhr