https://www.faz.net/-gpf-8284v

Russische Motorradgang : „Nachtwölfe“ sollen nicht durch Berlin rollen

  • Aktualisiert am

Leitwolf auf zwei Rädern: Alexander Saldastanow, Chef der „Nachtwölfe“ Bild: AFP

Provokation oder Gedenkveranstaltung? Zum 9. Mai planen die Putin-nahen Biker einen Konvoi in Berlin. Das wollen die Behörden nun wohl verhindern.

          2 Min.

          Der umstrittene Motorradclub "Nachtwölfe" soll offenbar daran gehindert werden, am 70. Jahrestag des Kriegsendes im Konvoi durch Berlin zu fahren. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" liege bislang kein Antrag auf Genehmigung der Sternfahrt vor, die am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park enden sollte. Wenn noch ein Antrag gestellt werde, werde er umgehend abgelehnt, heißt es unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise.

          „Diese Leute werden definitiv nicht als Konvoi durch Berlin fahren und Effekte haschen“, zitiert die Zeitung eine mit dem Vorgang vertraute Person. Außerdem gebe es Gespräche mit polnischen Behörden darüber, ob die russischen Biker überhaupt die Grenze nach Deutschland passieren dürfen.

          Kritik auch aus Polen

          Polens Regierungschefin Ewa Kopacz hatte die geplante Tour des Motorradclubs zum 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland, als Provokation kritisiert. Die Entscheidung, ob die kremlnahen Biker auf ihrer Fahrt von Moskau nach Berlin die polnische Grenze überqueren dürften, werde von den zuständigen Beamten entschieden, sagte sie am Mittwoch im Rundfunksender TOK FM. Es gebe Gesetze, sollten die Russen die Sicherheit gefährden oder Polen beleidigen, betonte Kopacz.

          Anführer der Nachtwölfe ist Alexander Saldastanow - genannt „Chirurg“, der auch ein Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist. Der „Leitwolf“ sagte am Mittwoch in Moskau, dass er aller Voraussicht nach selbst nicht an der Tour teilnehme.

          Saldastanow ist nach eigenen Angaben von Sanktionen des Westens betroffen, weil er die Separatisten im ukrainischen Konfliktgebiet Donbass unterstützt. „Ich denke, das wird eine freundschaftliche und brüderliche Reise“, sagte er der Agentur Interfax zufolge über die Tour der rund 20 Biker. Geplant ist auf der Reise, die am 25. April beginnen und am 9. Mai in Berlin enden soll, auch ein Stopp im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz. Dort wollen die Rocker Ende April die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung des Lagers würdigen.

          Weiterer Autokorso geplant

          Zudem plant die russische Organisation Bojewoje Bratstwo (Kämpferische Brüderschaft) eine Autotour von Moskau in die sächsische Stadt Torgau. Dort waren am 25. April 1945 an der Elbe erstmals russische und amerikanische Soldaten aufeinandergetroffen. „Unsere Autos werden mit russischen Fahnen geschmückt. Aus Lautsprechern werden Kampflieder tönen“, sagte der Generaloberst Waleri Wostrotin.

          „Wir haben 70 Jahre lang Rosa-Brillen aufgehabt, dachten, dass mit uns alle in ganz Europa den Tag des Sieges feiern, dass alle singen und weinen vor Glück, dass wir die Welt vom Faschismus befreit haben“, sagte Wostrotin. Doch dazu sei es nicht gekommen. Deshalb solle die Autokolonne die Europäer noch einmal an „unseren Ruhm und unsere Gerechtigkeit“ erinnern, betonte er.

          Die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg mit etwa 27 Millionen Toten die mit Abstand größten Opferzahlen zu verzeichnen. Der Jahrestag des Sieges über Deutschland wird jedes Jahr am 9. Mai mit Militärparaden in vielen russischen Städten gefeiert. Die größte Siegesfeier gibt es wie jedes Jahr auf dem Roten Platz. Aus Protest gegen Russlands Ukraine-Politik haben viele westliche Politiker ihre Teilnahme an den Feiern zum 70. Jahrestag abgesagt.

          Weitere Themen

          Greta rechnet mit Politikern ab Video-Seite öffnen

          Klimagipfel in Madrid : Greta rechnet mit Politikern ab

          Viele Staats- und Regierungschefs würden nur so tun, als ob sie etwas gegen die Klimakrise tun würden, sagte die 16-jährige Klimaaktivistin auf der UN-Klimakonferenz in Madrid.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.