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Militärparade in Moskau : Im Rausch der russischen Raketen

Parade nach Plan: Bei einer Probe war ausgerechnet einer der neuen T-14 „Armata“-Panzer liegengeblieben. Am Samstag gelang die gigantische Waffenschau dann perfekt. Bild: dpa

Der 9. Mai, der „Tag des Sieges“, ist ein Fest „mit Tränen in den Augen“, heißt es in einem russischen Lied. Auf der Siegesparade in Moskau überwiegt aber der Siegestaumel. Weltkriegs- und Ukrainepropaganda gehen Hand in Hand.

          Links Panzer, rechts Panzer. Einer nach dem anderen rattert über den Leningradskij Prospekt, eine breite Einfallstraße, die von Nordwesten ins Zentrum von Moskau führt und weiterhin den früheren Namen Sankt Petersburgs trägt. Es ist noch nicht sieben Uhr morgens, als die Kolonne das Dynamo-Stadion passiert. Noch mehr als drei Stunden bis zum Beginn der Parade auf dem Roten Platz. Alles muss nach Plan laufen. Bei einer Probe war ausgerechnet einer der neuen T-14 „Armata“-Panzer liegengeblieben, die der Stolz des russischen Verteidigungsministeriums sind – man lobt Reichweite, Geschwindigkeit, eine Schutzkapsel für die Besatzung.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Auch die T-14 fahren vorbei, die Geschützrohre schräg nach oben gestellt, als salutierten sie. Keiner versagt. Vom Rand der Straße filmen Leute, die früh aufgestanden sind. Sie haben sich und ihre Kinder mit dem schwarzorangefarbenen Georgsband geschmückt. Es feiert den Sieg über den Faschismus. Ebensolche Streifen tragen auch alle Militärfahrzeuge. Eine alte Frau schwenkt die russische Trikolore mit dem Doppeladler.

          Sieg mehr denn je im Vordergrund

          Der 9. Mai, der „Tag des Sieges“, ist ein Fest „mit Tränen in den Augen“, wie es in einem russischen Lied heißt. Tränen über die geschätzt 26,6 Millionen im deutschen Vernichtungskrieg gefallenen und ermordeten Soldaten und Bürger der Sowjetunion. Doch steht in diesem Jubiläumsjahr mehr denn je der Sieg im Vordergrund. Gefeiert wird er mit mehr als 16.000 Soldaten, 143 Flugzeugen und Hubschraubern, fast 200 Einheiten „Militärtechnik“, von Transportwagen und Haubitzen bis zu gewaltigen Interkontinentalraketen. Vor einer solchen Rakete, Typ „Jars“, lässt sich ein Mann, über dessen Bauch sich ein Porträt von Präsident Wladimir Putin in Matrosenanzug wölbt, von einem Polizisten fotografieren. Aus dem Führerhaus grüßen Soldaten. Die Leute am Straßenrand winken. Als die Kolonne vorbeigezogen ist, spritzen Reinigungsfahrzeuge den Asphalt sauber.

          Einige Kilometer weiter, im Stadtzentrum am Puschkin-Platz, steht kurz darauf alles. Für das Publikum hinter den Absperrungen werden die Plätze knapp. Händler verkaufen olivgrüne Schiffchenmützen mit rotem Stern. Die Kassiererinnen der U-Bahn müssen solche schon seit Tagen tragen. Auch ist die Hauptstadt schon längst in blauweißrot, sowjetrot, schwarzorange getaucht: Der Sieg begegnet einem auf Schritt und Tritt. Verwegene Zuschauer klettern auf Verkaufsbuden, deren Giebel Plastikgeranien und weiße Plastiktauben zieren, um von dort besser die „Jars“ sehen zu können. Sie ruhen gegenüber der ebenfalls von roten Fahnen umrahmten Puschkin-Statue in der Sonne, flankiert von gepanzerten Fahrzeugen.

          Viele Absagen wegen Ukraine-Krise

          Im Staatsfernsehen liest eine Moderatorin, um die Zeit bis zum Beginn der Parade zu überbrücken, vor, welche Staats- und Regierungschefs nach Moskau gekommen ist. 68 waren eingeladen, „rund 30 Delegationen“ seien gekommen. Unter anderen aus Abchasien, Ägypten, Armenien, Aserbaidschan. Nordkorea hat statt dem Machthaber Kim Jong-un das nominale Staatsoberhaupt Kim Jong-nam geschickt. Vor zehn Jahren, zum 60. Jahrestag des Sieges, empfing Putin in Moskau unter anderen den amerikanischen Präsidenten George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die martialische Militärschau gab es erst wieder vor sieben Jahren.

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