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Militärparade in Moskau : Putin fordert weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke

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„Immer mehr Versuche, eine unipolare Welt zu schaffen“: der russische Präsident Putin am Samstag während seiner Rede auf dem Roten Platz in Moskau Bild: Reuters

In seiner Rede zum 70. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland hat der russische Präsident dafür plädiert, die militärischen Blöcke zu überwinden. Putin nutzte die größte Militärparade in der Geschichte seines Landes dafür, den neuen Super-Panzer T-14 Armata öffentlich in Szene zu setzen.

          Der russische Präsident Putin hat sich zum 70. Jahrestag des Triumphs der Sowjetunion über Hitler-Deutschland für ein weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke ausgesprochen. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger verletzt worden, sagte der russische Präsident am Samstag in einer Rede auf dem Roten Platz in Moskau. Versuche, eine unipolare Welt zu schaffen, nähmen zu. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. „Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten“, betonte Putin.

          Er erinnerte in seiner Rede auch an das historische Treffen sowjetischer und amerikanischer Soldaten Ende April 1945 in der Elbe-Stadt Torgau. Diese Geschlossenheit und dieses Vertrauen gelte es zu hüten – zur Bewahrung der internationalen Sicherheit. Putin würdigte den „grandiosen Sieg“ der Sowjetunion im Jahr 1945. Mit der Erstürmung Berlins habe die Rote Armee dem Nazismus den Todesstoß versetzt. Alle Sowjetvölker hätten mit großem Heldenmut gekämpft. Putin hob auch die Rolle der westlichen Alliierten in der Koalition gegen Hitler hervor. Das russische Volk sei Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten dankbar. Auch den Antifaschisten in vielen Ländern, darunter im damaligen Deutschland, gebühre großer Respekt.

          Superpanzer T-14 Armata vorgestellt

          Anlässlich der Parade wurde erstmals auch der neue Superpanzer T-14 Armata präsentiert. Der Panzer aus der Rüstungsschmiede Uralvagonzavod bei Jekaterinburg wird von den Streitkräften als Inbegriff einer neuen Panzer-Generation angepriesen. Experten loben den rund 50 Tonnen schweren Koloss als „erste echte Innovation Russlands seit dem Zerfall der Soweiner Hightechausrüstung und einer Geschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern sowie etwa 500 Kilometern Reichweite mit einer Tankfüllung.

          Als wichtigste Neuerung im Vergleich zu herkömmlichen Panzern gilt eine mit speziellem Material geschützte Kapsel für die zweiköpfige Besatzung im vorderen Fahrzeugbereich. Es gebe praktisch einen „Panzer im Panzer“. Die verschiedenen Kanonen mit Kalibern zwischen 12,7 und 125 Millimetern werden aus der Kapsel heraus ferngesteuert. Dadurch bleibt der Gefechtsturm unbemannt. Über Sensoren und ein Radargerät behalten die Soldaten im Inneren ihr Umfeld im Blick. Das gepanzerte Fahrgestell Armata ist zudem vielseitig einsetzbar, etwa als Transporter oder Raketenwerfer. Nach der Parade soll die „Superwaffe“ nun vom Militär intensiv getestet werden. Für 2016/2017 ist die Serienproduktion vorgesehen.

          Massive Sicherheitsvorkehrungen in Moskau

          Die Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau, die größte, die es je in der russischen Geschichte gab, wurde von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Zum 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland nahm Putin die pompöse Waffenschau ab. Neben ihm stand der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping teil. Zu Beginn marschierten Fahnenträger auf dem Roten Platz mit dem „Siegesbanner“, der 1945 auf dem Reichstag in Berlin gehissten Flagge der Roten Armee. Auf einer Ehrentribüne verfolgten hunderte Veteranen des Zweiten Weltkrieges sowie Staats- und Regierungschefs aus etwa 20 Ländern das Ereignis.

          Bei der im Westen umstrittenen Parade ziehen mehr als 1. 000 Soldaten sowie 200 Militärfahrzeuge, darunter Panzer und Raketenträger, über den Roten Platz. Zum Finale gibt es eine Show mit etwa 140 Flugzeugen. Dafür wurde für knapp eine Stunde der Luftraum über Moskau gesperrt. Auf den Flughäfen Wnukowo, Scheremetjewo und Domodedowo gab es am Samstag zwischen 10.30 Uhr und 11.20 Uhr Ortszeit aus Sicherheitsgründen keine Starts und Landungen. Der Himmel über der Millionenstadt sei bis zu einer Höhe von neun Kilometern nur für Militärflugzeuge freigegeben, teilte die Flugaufsicht mit. Fluggesellschaften seien vorab über die Sicherheitsvorkehrungen informiert worden, hieß es.

          Die Spitzen der EU sowie der amerikanische Barack Obama boykottieren aus Protest gegen die russische Politik im Ukraine-Konflikt diesen wichtigsten Feiertag Russlands. Bundeskanzlerin Angela Merkel will stattdessen am Sonntag in Moskau mit Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen.

          Die Sowjetunion zählte im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland mit mehr als 27 Millionen Toten die größte Zahl der Opfer. Viele Staatschefs früherer Sowjetrepubliken reisten zur Jubliläumsparade an.

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