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Gedenken in Hiroshima : Japan fordert Abschaffung der Atomwaffen

Die Menschen in Hiroshima verneigen sich vor den Opfern. Bild: dpa

Japans Premierminister hat bei Gedenkfeierlichkeiten den Ruf nach Abschaffung von Nuklearwaffen erneuert. Am Ort des Schreckens verneigten sich zehntausende Menschen in einer Schweigeminute vor den Opfern.

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          Der japanische Premierminister Shinzo Abe hat den Ruf Japans nach Abschaffung aller Atomwaffen unterstrichen. Eine einzige Atombombe hier in Hiroshima habe ungefähr 140.000 Menschen das kostbare Leben genommen und die Stadt in Ruinen verwandelt, sagte Abe in einer Ansprache zum 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs in Hiroshima.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Als das einzige Land, das jemals die Schrecken nuklearer Zerstörung im Krieg erlebt habe, habe Japan die wichtige Mission, mit einer steten Folge realistischer und praktischer Maßnahmen eine Welt frei von Nuklearwaffen zu erreichen. Er kündigte an, dass die Regierung im Herbst der Vollversammlung der Vereinten Nationen einen neuen Entwurf zur Abschaffung aller Atomwaffen vorlegen werde.

          Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, erinnerte daran, dass unter den Opfern auch Koreaner, Chinesen, Südostasiaten und amerikanische Kriegsgefangene gewesen seien. Er rief den amerikanischen Präsidenten Barack Obama und Regierungsvertreter anderen Länder dazu auf, in Hiroshima und Nagasaki von den Überlebenden mit eigenen Ohren von den Schrecken der Bombenabwürfe zu hören.

          Im Friedenspark von Hiroshima verneigten sich um 8:15 Uhr, dem Zeitpunkt der Atombombenexplosion, tausende von Besuchern zu einer Schweigeminute, während zwei Jugendliche die Friedensglocke schlugen. Erstmals nahmen Vertreter von 100 Ländern an der Gedenkfeier teil, darunter der Vereinigten Staaten, die 1945 mit dem Atombombenabwurf Japan zur Kapitulation zwingen wollten. Die Stadt Hiroshima sprach von 55.000 Besuchern.

          Bei dem Atombombenangriff der Amerikaner auf Hiroshima vor 70 Jahren starben direkt etwa 70.000 Menschen, bis Jahresende wurden 140.000 Opfer gezählt. Drei Tage später warfen die Amerikaner eine zweite Atombombe auf Nagasaki, die bis Jahresende 1946 rund 74.000 Leben kostete. Am 15. August kapitulierten die Japaner und der Zweite Weltkrieg war auch im Pazifik beendet.

          Diskussion über Sicherheitsgesetze

          Unter den Besuchern waren zahlreiche Überlebende der Atombombenabwürfe, die in Japan Hibakusha – wörtlich übersetzt: die von der Explosion Betroffenen – genannt werden. Ende März zählte Japan noch 183.519 Überlebende, in etwa die Hälfte der 372.000, die 1980 vom Staat als Atombombenopfer anerkannt waren. Erstmals liegt das Durchschnittsalter der Überlebenden in diesem Jahr bei mehr als 80 Jahren. Die Anreise zu der Gedenkfeier bezahlt für die Hibakusha der Staat.

          Während der Schweigeminute wurde die Friedensglocke in Hiroshima geläutet. Bilderstrecke

          Der 70. Jahrestag der Atombombenexplosion trifft in Japan mit einer hitzigen Diskussion über neue Sicherheitsgesetze zusammen, mit denen Ministerpräsident Abe die internationalen Einsatzmöglichkeiten der Selbstverteidigungskräfte für Friedenseinsätze und zur kollektiven Verteidigung weiten möchte. Die Gesetzentwürfe, die zur Zeit im Oberhaus beraten werden, stoßen bei der Mehrzahl der Hibakusha auf schroffe Ablehnung. Viele der Überlebenden forderten auch am Donnerstag in Hiroshima, dass Japan seine pazifistische Verfassung bewahren und ernst nehmen solle.

          Zur Abschaffung der Atombomben sei es „notwendig, dass wir überall auf der Welt für den Weg zum, Frieden werben, den der Pazifismus der japanischen Verfassung offenlege“, sagte Matsui, der Bürgermeister von Hiroshima, in seiner Friedensbotschaft.

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