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70 Jahre Kriegsende : Der Tag der Befreiung ist wichtiger

Im alliierten Hauptquartier in Reims wurde am 7. Mai 1945 um 2.41 Uhr die Kapitulationsurkunde von Generaloberst Alfred Jodl (M) im Namen der Deutschen Wehrmacht unterzeichnet. Links sein Adjutant Wilhelm Oxenius, rechts Mitunterzeichner Admiral Hans Georg von Friedeburg. Bild: Picture-Alliance

Für die Franzosen ist der 8. Mai seit 1981 wieder ein staatlicher Feiertag. Wichtiger als der Tag der deutschen Kapitulation ist vielen, besonders älteren Franzosen ein anderes Datum im vorletzten Kriegsjahr.

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          Nicht in Berlin-Karlshorst, wie Josef Stalin es wollte, sondern in Reims wurde am 7. Mai 1945 um 2.41 Uhr nachts die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet. Das Datum des 7. Mai von Reims ist lange im Schatten der Geschichte geblieben. Das soll sich zum 70. Jahrestag ändern: Der französische Premierminister Manuel Valls und Außenminister Laurent Fabius wollen der Ereignisse in der Champagnerstadt gedenken.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der amerikanische Oberkommandierende, General Dwight D. Eisenhower, hatte damals sein Hauptquartier in einer Mittelschule hinter dem Bahnhof von Reims bezogen. In einem früheren Klassenzimmer, das heute als Museum besichtigt werden kann, bestellte Eisenhower den deutschen Generaloberst Alfred Jodl ein.

          Eisenhower sah sich Jodl im Rang überlegen, deshalb ließ er seinen Stabschef Walter Bedell Smith die Kapitulationsurkunde unterzeichnen. Ein französischer General wohnte der Unterzeichnung als Zeuge bei, mit der am 8. Mai die Waffenruhe in Kraft trat. „Die Mission der Alliierten ist erfüllt“, waren damals Eisenhowers Worte. Die Lokalzeitung „L’Union“ schrieb, Reims habe „seiner gloriosen Krone ein weiteres Kleinod hinzugefügt“. In der Kathedrale von Reims wurden seit Chlodwig I. die französischen Könige gesalbt und gekrönt.

          Die eigentliche Gedenkfeier zum Kriegsende findet dann aber doch wieder in Paris statt. Präsident François Hollande wird, wie es seit Jahrzehnten Tradition ist, Kränze am Triumphbogen niederlegen und die Flamme am Grabmal des Unbekannten Soldaten entzünden.

          Hollande hat sich vorgenommen, das Schicksal der Deportierten besonders zu würdigen. Lange hatten die Präsidenten am 8. Mai hauptsächlich die Kriegsteilnehmer und Widerstandskämpfer geehrt, die dazu beigetragen hatten, dass sich Frankreich im Lager der Siegermächte wieder fand. Hollande will dieses Mal auch die 1,5 Millionen französischen Kriegsgefangenen würdigen, die den Krieg in Lagern der Nazis verbrachten. 

          Die Einladung nach Moskau am 9. Mai hat Hollande ausgeschlagen. Das ist dem französischen Präsidenten schwerer gefallen als der Bundeskanzlerin, denn Putin war im vergangenen Juni zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Anlandung der Alliierten in der Normandie gekommen. Die Linkspartei hat Hollande für seine Nicht-Teilnahme in Moskau heftig kritisiert. Der französische Präsident betreibe Geschichtsleugnung. Ohne die Siege der roten Armee wäre die Befreiung Frankreichs nicht möglich gewesen, hieß es.

          General de Gaulle begrüßt eine Gruppe Kinder auf seiner Reise durch die Normandie am 10. Juni 1945 in Bayeux, einen Monat nach dem Endes des Krieges in Europa. Bayeux war die erste französische Stadt, die nach der Invasion am 8. Juni 1944 von alliierten Truppen von den deutschen Besatzern befreit wurde.

          Auch wenn der 8. Mai seit 1981 wieder ein staatlicher Feiertag ist, prägt die Erinnerung an die „Libération“ die Franzosen viel stärker als der Tag der deutschen Kapitulation. In der Hauptstadt Paris ist der 26. August 1944 unvergessen, als General Charles de Gaulle als Befreier die Champs-Elysées entlang zog. 

          Jede Region feiert ihre „Befreiung“. Die meisten Feierlichkeiten fanden im vergangenen Jahr statt. Präsident Hollande hat den 8. Mai in einen offiziellen Erinnerungsreigen einfügen lassen, der mit dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg begonnen hat. Schon Charles de Gaulle sah die Zeit von 1914 bis 1945 als die eines 30-jährigen Krieges, nur unterbrochen von einer kurzen Friedenszeit. Am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands zum Ende des Ersten Weltkriegs, wird in Frankreich künftig aller Kriegsopfer gedacht.

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