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70 Jahre Kriegsende : Victory Day in einem kriegsmüden Land

Churchills Triumph über Hitler-Deutschland: Der britische Kriegspremier lässt sich vor Whitehall in London am 8. Mai 1945 von einer begeisterten Menschenmenge feiern Bild: Picture-Alliance

Für das geschichtsbewusste Großbritannien ist der 8. Mai 1945 ein Tag von besonderer Größe. Zunächst im Alleingang hatte das Vereinigte Königreich bis 1941 dem Aggressor Hitler widerstanden. Wie wird in dem stolzen Land das siegreiche Ende des Krieges in Europa gefeiert?

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          In einem so geschichtsbewussten Land wie Großbritannien sollte der Tag, an dem das Ende des Zweiten Weltkriegs gefeiert wird, alles andere dominieren. Doch in diesem 70. Gedenkjahr hat er ernsthafte Konkurrenz: Am Tag zuvor, dem 7. Mai, wählt das Königreich ein neues Unterhaus, und das Ergebnis droht diesmal so knapp auszufallen, dass es möglicherweise erst am 8. Mai bekanntgegeben werden kann.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Den Zusammenprall der beiden Ereignisse haben sich die Parlamentarier selber zuzuschreiben: Vor vier Jahren verabschiedeten sie den „Fixed-term Parliaments Act”, der ein unverrückbares Wahldatum vorschreibt: alle fünf Jahre, am ersten Donnerstag im Mai. Damit könnten die Feierlichkeiten zum Kriegsende auch in den kommenden Jahrzehnten immer mal wieder mit den Unterhauswahlen kollidieren.

          Die Organisatoren hat das nicht verzagen lassen. Der frühere Außenminister und derzeitige Fraktionschef der Konservativen, William Hague, stellte im vergangenen Monat das stattliche Programm vor, das sich über drei Tage erstrecken wird.

          Freitag, der 8. Mai, soll zum „Tag der Erinnerung“ werden. Die Spitzen des Staates sowie Veteranen wollen sich am „Cenotaph“ treffen, dem Kriegsdenkmal, das Edwin Lutyens 1920 auf der Londoner Regierungsmeile Whitehall errichtet hat. Zur selben Zeit, um drei Uhr am Nachmittag, soll in einer nationalen Schweigeminute der historischen Rede gedacht werden, in der Winston Churchill am 8. Mai in Whitehall das Ende des Krieges in Europa verkündete. Am Abend sollen dann im ganzen Land 100 Leuchtfeuer angezündet werden.

          Piloten der Royal Air Force rennen zu ihren Flugzeugen während der Luftschlacht um England. Zwischen dem 10. Juli und 31. Oktober 1940 besiegten die britischen Piloten die deutsche Luftwaffe und verhinderten so die Invasion der Insel. Bilderstrecke
          Piloten der Royal Air Force rennen zu ihren Flugzeugen während der Luftschlacht um England. Zwischen dem 10. Juli und 31. Oktober 1940 besiegten die britischen Piloten die deutsche Luftwaffe und verhinderten so die Invasion der Insel. :

          Der 9. Mai wurde zum „Tag des Feierns“ ausgerufen. Um elf Uhr morgens sind die Kathedralen des Landes aufgefordert, ihre Glocken läuten zu lassen. Höhepunkt soll am Abend ein Konzert auf dem „Horse Guards“-Paradeplatz im Londoner Regierungsviertel werden. Das live von der BBC übertragene Musikereignis wird sich am „Thema der 40er Jahre“ orientieren und (laut Gerüchten) mit Pop-Stars wie Paul McCartney, Elton John und Kylie Minogue aufwarten.

          Der Sonntag gehört vor allem der Armee. Er beginnt mit einem Gottesdienst in Westminister Abbey, an dem Kriegsveteranen, die Queen und ihre Familie sowie Vertreter der Alliierten und verbündeter Commonwealth-Staaten teilnehmen.

          Im Anschluss wollen die Veteranen zusammen mit aktiven Soldaten über die Regierungsmeile paradieren. Am Nachmittag werden in Flugschauen alte Bomber zu sehen sein, darunter „Spitfires“, die in der „Luftschlacht um England“ die Luftwaffe abgewehrt, und „Lancaster“-Bomber die Deutschlands Städte in Schutt und Asche gelegt haben. Auch am Boden geht es nostalgisch zu: Im St. James Park werden Automodelle der vierziger Jahre präsentiert.

          Premierminister David Cameron hat den bevorstehenden Jahrestag zum Kriegsende als „einen der wichtigsten Momente in der stolzen Geschichte unserer Nation“ bezeichnet. Der immer noch offen zur Schau gestellten Faszination für das Militärische steht im Vereinigten Königreich allerdings eine wachsende Kriegsmüdigkeit gegenüber.

          Das britische Engagement im Irak und in Afghanistan wird in der Bevölkerung überwiegend kritisch gesehen. Parlamentsmehrheiten für militärische Einsätze im Ausland sind nur noch schwer zu organisieren. Damit erhalten Tage, an denen der heroischen Vergangenheit der britischen Armee gedacht wird, eine neue Bedeutung.

          Schon am 15. August – drei Monate nach „VE Day“ (Victory in Europe) – sind die Briten abermals zum Feiern aufgerufen. Dann jährt sich „VJ Day” zum 70. mal, jener Tag, an dem Japan kapitulierte und der Krieg auch im Pazifik sein Ende fand.

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