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Weltkriegsgedenken in Rumänien : Kein Grund zur Freude

  • -Aktualisiert am

Amerikanische B24-Bomber über den rumänischen Ölfeldern von Ploesti, die für Deutschland kriegswichtig waren. Bild: Picture-Alliance

Für Rumänien ist das Ende des Zweiten Weltkrieges kein Anlass zur Freude. Das Land, das an der Seite des Dritten Reiches gekämpft hatte, wurde von der Sowjetunion besetzt und bekam ein kommunistisches System übergestülpt.

          In Rumänien ist der 8. Mai 1945 kein Anlass für große Feierlichkeiten. Und erst Recht würde es kein Politiker wagen, am 9. Mai nach Moskau zu pilgern. Das liegt nicht nur daran, dass die Rumänen durch die gemeinsame Grenze mit der Ukraine, durch ihre engen Beziehungen zu den ehemaligen Landsleuten in der Republik Moldau und die Lage am Schwarzen Meer den russischen Expansionismus als direkte Bedrohung empfinden. Die Erfahrungen mit der sowjetische Besetzung im August 1944, mit der Ohnmacht der Westmächte und der jahrzehntelangen kommunistischen Herrschaft hindern sie daran, das Kriegsende als „Befreiung“ zu erinnern.

          Neun Monate vor der Kapitulation Deutschlands und sechs Monate vor der Konferenz in Jalta, auf der die sowjetische Hegemonie über Südosteuropa nicht einmal mehr in Frage gestellt wurde, befanden sich Rumänien und Bulgarien bereits auf dem Weg, auf dem ihnen Polen und Ungarn, Jugoslawien und Albanien, schließlich auch die Tschechoslowakei folgen sollten. Als erstes ging der Eiserne Vorhang auf dem Balkan nieder, nur Griechenland blieb dank der britischen Intervention ausgespart.

          Marschall Antonescu (links) im Jahr 1943 zu Besuch bei Adolf Hitler.

          Das „Neue Europa“ entstand in einer düsteren Atmosphäre der Intrige und der Gewalt, wie sie Eric Ambler 1952 in seinem meisterhaften Thriller „Der Fall Deltschev“ beschrieb. Ambler ließ sich in der Schilderung eines fiktiven Balkanlandes von der Ausschaltung der politischen Opposition der beiden Balkanländer inspirieren, die im Sommer 1944 von der Roten Armee besetzt wurden. In Rumänien und in Bulgarien erprobte Stalin zum ersten Mal die Strategie, die er jugoslawischen Kommunisten im April 1945 so erklärte: „Dieser Krieg ist nicht wie frühere. Wer immer ein Gebiet besetzt, erlegt ihm auch sein eigenes gesellschaftliches System auf. Jeder führt sein eigenes System ein, so weit seine Armeen kommen. Es kann gar nicht anders sein.“

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          Während die bulgarischen Kommunisten mit sowjetischer Unterstützung in den „Tagen des roten Terrors“ sofort Hunderte führende Persönlichkeiten des Landes verhafteten oder liquidierten und fast widerstandslos die Macht übernahmen, stießen die rumänischen Kommunisten auf intakte Institutionen, die sich zur Wehr setzten. Am 23. August 1944, noch vor dem sowjetischen Einmarsch, ließ der junge König Mihai I. den mit Hitler verbündeten Diktator Ion Antonescu verhaften und setzte eine neue Regierung ein. Der Putsch öffnete Rumänien zwar der Roten Armee, aber sie traf dort auf eine bürgerliche Regierung.

          Die kommunistische Partei hatte damals gerade mal 2000 Mitglieder. Deren Aufgabe war es nun, durch massiven Terror die soziale Ordnung zu erschüttern, Polizei und Armee zu schwächen und die „Unterstützung der Massen“ gegen den König und die bürgerlichen Politiker zu erlangen, die zu „Faschisten“ erklärt wurden. Eine „Patriotische Garde“ von Agenten und Kriminellen unter der Führung des KGB infiltrierte Polizei und Innenministerium. Stalin entsandte Andrej Wyschinskij, den ehemaligen Chefankläger der Moskauer Schauprozesse, nach Bukarest, der dem König mit der Auslöschung Rumäniens als Staat drohte. Am 5. März 1945 wich König Mihai dem Druck und ernannte den kommunistischen Quisling Petru Groza zum Ministerpräsidenten. In der neuen Regierung erhielten die Kommunisten 14 der 18 Ressorts. Dem Weg in den Totalitarismus stand nun kein Hindernis mehr im Wege. Am 30. Dezember 1947 wurde der König zur Abdankung gezwungen und ging ins Exil.

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