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Presseschau zur Atombombe : „Stärker als alles, was es vorher gab“

Die Überschrift des „Herald Tribune“ erfasste die Bedeutung des Ereignisses. Bild: Archiv

Der erste Atombombenabwurf auf Hiroshima katapultierte die Menschheit am 6. August 1945 ins Atomzeitalter. Das Ereignis fand folgerichtig auch seinen Niederschlag in der Berichterstattung der Zeitungen. Doch nicht alle erkannten die Wichtigkeit.

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          Vor 70 Jahren wurde erstmals in der Geschichte der Menschheit die Macht der Kernspaltung in einem Kriegseinsatz entfesselt. Die Besatzung des amerikanischen Bombers „Enola Gay“ klinkte die Bombe „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima aus, wo sie in 600 Metern Höhe explodierte. 80 Prozent der Innenstadt wurden sofort zerstört. Das Feuer brannte mit mehr als einer Million Grad Celsius und noch in mehr als zehn Kilometern Entfernung entflammten Bäume. Über der Stadt stieg der charakteristische Atompilz mehr als 13 Kilometer in die Höhe und sollte zum Symbol der Zerstörungskraft der Atom-Bombe werden. Die Menschheit war endgültig ins Atomzeitalter eingetreten.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das Weiße Haus war erfreut über den Erfolg des Einsatzes und gab eine Presseerklärung zusammen mit Äußerungen von Präsident Harry S. Truman heraus, die überall auf der Welt von den Medien aufgenommen wurden. So auch in der amerikanischen „New York Times“, der internationalen Ausgabe des „Herald Tribune“, sowie von der  „Berliner Zeitung“, der „Neuen Zeit“ und der „Frankfurter Rundschau“. Drei deutsche Blätter, die von den alliierten Besatzungsmächten nach dem Ende des „Dritten Reichs“ am 8. Mai 1945 eine Lizenz zur Gründung einer Zeitung erhielten.

          Bis auf die „Herald Tribune“ erfasste allerdings keine der Zeitungen die Bedeutung des Bombenabwurfs. „Die Atombombe revolutioniert die Kriegsführung“ titelte ein Schreiber in der Nacht zum 7. August 1945 in Paris, wo die europäische Ausgabe produziert wurde, wie sich der Redakteur Leslie Midgley erinnerte. Die folgende Angabe, dass diese Bombe die Wirkung von 20.000 Tonnen TNT gehabt habe und damit stärker war als jede Bombe, die jemals im Krieg über Europa abgeworfen worden war, wurde aus der Presseerklärung übernommen. Auch die Unterzeile „Geheimnis der Natur entschlüsselt, um Zerstörung auf den Feind regnen zu lassen“ stammte aus dieser Quelle.

          Die „Berliner Zeitung“ fasst sich kurz. Bilderstrecke

          Die weitere Berichterstattung auf der ersten Seite, die fast die Hälfte des Platzes einnahm, bediente sich aller Informationen, die nach dem Abwurf „über den Ticker liefen“, so Midgley. Dazu gehörte auch eine Stellungnahme des amerikanischen Präsidenten Truman. „Es ist eine Atombombe. Sie beruht auf der grundlegenden Kraft des Universums. Die Energie der Sonne hat sich nun gegen jene gerichtet, die den Krieg in den Fernen Osten gebracht haben“, sagte Truman. Die Amerikaner seien nun in der Lage, „alle Produktionskapazitäten, die Japan hat, um den Krieg zu führen, schneller und vollständiger zu zerstören, als zuvor“. Die Atombombe sei die Antwort auf die Weigerung Japans, den Krieg zu beenden. Japan „kann nun einen Regen der Zerstörung aus der Luft erwarten, wie es ihn in der Menschheitsgeschichte noch nie gab“, so Truman. Weiter heißt es in dem Bericht, dass es noch nicht möglich sei, die Wirkung der Bombe auf Hiroshima abzuschätzen, da eine undurchdringliche Staubwolke über der Stadt liege.

          Verteidigungsminister Stimson sagte laut des Artikels, dass die Bombe ein Mittel sei, den Krieg zu verkürzen. Und weiter wurde darauf eingegangen, dass die Entwicklung der Bombe im Jahr 1939 begonnen worden sei. So hätte die Anstrengung von Wissenschaftlern und Arbeitern in einer speziellen Fabrik in Santa Fe den Bau ermöglicht.

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