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Presseschau zur Atombombe : „Stärker als alles, was es vorher gab“

Drei verschiedene Namen

Berichtet wurde auch über die Versuche der Nazis eine Atombombe zu entwickeln, über die Zerstörung einer norwegischen Fabrik, die schweres Wasser herstellte, das gebraucht wurde, um die Kettenreaktion unter Kontrolle zu halten und über die Wissenschaftler, die sich mit der Kernspaltung befassten. So wurde die österreichische Physikerin Lise Meitner genannt, die vor den Nazis nach Schweden geflüchtet war, jedoch fälschlich als Lize Neitner bezeichnet.

Außerdem gab es einen kurzen Bericht über den ersten Test der Bombe, den sogenannten „Trinity-Test“ in der Wüste des amerikanischen Bundesstaats New Mexico. So habe die Explosion einen Stahlturm pulverisiert und eine Staubwolke mehr als zehn Kilometer in die Atmosphäre gewirbelt. Die Explosion sei „heller als das hellste Tageslicht“ gewesen.

Auch die deutsche Presse berichtete groß über den Abwurf. So hatten die „Berliner Zeitung“ und die „Neue Zeit“ in ihren Ausgaben vom 8. August 1945 jeweils einen großen Bericht auf der Titelseite. Beide stützen sich ebenfalls auf das Material, das auch den amerikanischen Zeitungen zur Verfügung stand. Bemerkenswert ist in der „Berliner Zeitung“, dass es drei verschiedene Namen des Ziels gab. So war neben dem richtigen „Hiroshima“ auch noch von „Kiroshima“ und „Hiroshiwa“ die Rede. Die „Neue Zeit“, die sich auf den gleichen Bericht der „Allied Press“ nutzte, verwendete den richtigen Namen. Die „Berliner Zeitung“ hatte darüber hinaus noch eine Stellungnahme des Briten John Anderson, der in Großbritannien für Atomforschung verantwortlich war. Er schaute schon voraus und sprach von den großen Möglichkeiten, die es gebe, wenn man diese Kraft dafür verwenden könne „Maschinen anzutreiben“.

Die „Frankfurter Rundschau“ hatte den Atombombenabwurf ebenfalls auf der Titelseite der Ausgabe vom 8. August 1945, jedoch nur als kurze Meldung. Wichtiger war für die Redaktion an dem Tag eine Botschaft von General Eisenhower an das deutsche Volk. Die Meldung über Hiroshima speiste sich ebenfalls aus dem Agentur-Material, das die anderen Zeitungen verwendeten.

In der „New York Times“ (NYT) war Hiroshima am 7. August 1945 ebenfalls der Aufmacher, und auch sie stützte sich auf die Pressemitteilungen und Agenturberichte, die die „Herald Tribune“ auf ihrer Seite eins hatte. Die 20.000 Tonnen TNT fanden sich dort wieder und Trumans Warnung vor einem „Regen der Zerstörung“. Ansonsten gab es die Berichte über die Entwicklung der Bombe, den ersten Test und die deutschen Wissenschaftler, wobei Lise Meitner dort richtig geschrieben war. Im Gegensatz zur „Herald Tribune“ beließ es die NYT bei einer nachrichtlichen Überschrift: „Erste Atombombe über Japan abgeworfen“ hieß sie. Die Aufmachung sprach in diesem Fall schon für die Wichtigkeit des Ereignisses. Der zweite Abwurf einer Atombombe, diesmal über Nagasaki, wurde hingegen nicht mehr für so wichtig gehalten. Die Zerstörung der zweiten japanischen Großstadt stand nur in der dritten Zeile der Überschrift am 9. August 1945.

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