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70 Jahre Jalta-Konferenz : Befreites Europa vor Eisernem Vorhang

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Dafür zahlte der Westen einen hohen Preis in Form von territorialen Konzessionen: Die Halbinsel Sachalin und die Kurilen sollten an Moskau fallen, darüber hinaus der 1905 an Japan abgetretene Hafen Port Arthur, den das Zarenreich nur sieben Jahre vorher besetzt hatte. In Jalta verlor Churchill den Kampf um Polen, für dessen Unabhängigkeit Großbritannien im September 1939 in den Krieg gezogen war. „Jalta“ war - so sehen es im Nachhinein viele - sein „München“. Der Diplomat Harold Nicolson notierte sich im Februar 1945 nach einer Unterredung mit Churchill, der 1938 das Münchener Abkommen und den Appeasement-Kurs scharf kritisiert hatte: „Winston ist so amüsiert wie ich, dass die Kriegstreiber von einst jetzt die Appeaser geworden sind und die Appeaser von damals heute die Kriegstreiber.“

Am 25. Februar 1945 deutete Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Jalta-Vereinbarungen der Anti-Hitler-Koalition als Ausverkauf der westlichen Positionen in Ostmitteleuropa an die Sowjetunion; dort begänne „die Massenabschlachtung der Völker, wahrscheinlich noch unter dem Beifall der Londoner und New Yorker Judenpresse“. Er sprach in jenen Tagen sogar davon, dass sich vor dem schließlich sowjetisch besetzten Territorium „sofort ein eiserner Vorhang heruntersenken“ würde. Dieses Bild vom „Eisernen Vorhang“ sollte knapp ein Jahr später - am 9. Februar 1946 - auch der mittlerweile als Regierungschef abgewählte Churchill in Fulton/Missouri benutzen, um eine Linie von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria zu kennzeichnen, hinter der „alle Hauptstädte der alten Staaten Zentral- und Osteuropas: Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia“ in der „Sowjetsphäre“ lägen - „nicht nur dem sowjetischen Einfluss ausgesetzt, sondern auch in ständig zunehmendem Maße der Moskauer Kontrolle unterworfen“.

Hochpolitische Chiffre „Jalta“

Churchill stellte in Fulton keine direkte Verbindung mit Jalta her. Dennoch verfestigte sich im Laufe der Jahre immer stärker die Vorstellung, dass die Teilung der Welt in Jalta den Ursprungsort habe, der „Eiserne Vorhang“ im Einvernehmen der Krim-Konferenz-Teilnehmer heruntergelassen worden sei. So stieg der geographische Begriff Jalta zur hochpolitischen Chiffre „Jalta“ auf, die zum einen für die Auslieferung von halb Europa an Stalin, andererseits für die gegenseitige Anerkennung der Macht- und Einflusssphären beider Supermächte in Europa stehen sollte.

Die Realität von Jalta war, dass Churchill und Roosevelt mit der „Erklärung über das befreite Europa“ zu retten versuchten, was vielleicht noch zu retten war. In der Folgezeit setzte sich die sowjetische Interpretation über die gegenseitige Anerkennung von Macht- und Interessensphären in Jalta auch im Westen durch, weil sich daraus eine resignative Haltung gegenüber der Spaltung Europas ableiten ließ, die über Jahrzehnte hinweg eine pseudohistorische Rechtfertigung bot für das Stillhalten bei allem Aufbegehren der Völker hinter dem „Eisernen Vorhang“ gegen Moskaus Führungsmacht.

Seit mit der Annexion der Krim durch Russland im März vergangenen Jahres eine neue Konfrontation zwischen dem Westen und Moskau begonnen hat, haben die Unterschiede in der Sicht der Westeuropäer und der Ostmitteleuropäer in der Sicht auf „Jalta“ wieder eine politische Rolle. Bei den nun zur freien Welt gehörenden einstigen Ostblock-Untertanen ist die Bereitschaft zu Kompromissen gegenüber Putins Russland deutlich geringer als im Westen.

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