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50 Jahre nach dem Algerien-Krieg : Weg in die Unabhängigkeit

Acht Jahre Krieg: Französische Truppen vor 50 Jahren in Algerien Bild: dapd

Am 18. März endete mit dem Waffenstillstandsabkommen der Krieg zwischen Frankreich und Algerien. Doch die Erinnerung an das Kriegsende ist auf beiden Seiten bis heute verschämt.

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          Vor 50 Jahren begann mit der Unterzeichnung der Abkommen von Évian zwischen Frankreich und der algerischen Befreiungsfront FLN der Weg Algeriens in die Unabhängigkeit. Am 19. März 1962 trat der Waffenstillstand in Kraft, der die Ablösung der zwei algerischen Départements vom französischen Mutterland vorbereiten sollte.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Unterzeichnung bilden die „Accords d’Évian“ nicht den Ausgangspunkt einer gemeinsamen Erinnerungskultur in Algier und Paris. So verzichten die algerische und die französische Staatsführung darauf, in einer bilateralen Zeremonie der Abkommen zu gedenken. Mit Verweis auf die Wahltermine haben Präsident Sarkozy und Präsident Bouteflika vereinbart, das Gedenken auf „einen späteren Zeitpunkt“ zu verschieben. Bouteflika gehörte 1962 bei der Friedenskonferenz im Alpen-Kurort Évian am Genfer See zur Verhandlungsdelegation des FLN.

          Verschämte Erinnerung

          Dass die Erinnerung an das Ende des Algerien-Krieges so verschämt ausfällt, hat auf beiden Ufern des Mittelmeers vielschichtige Gründe. In Frankreich bleibt der Algerien-Krieg, der erst seit der Verabschiedung eines Gesetzes 1999 offiziell so genannt werden darf, ein ungeliebtes Kapitel der eigenen Geschichte. Obwohl Nicolas Sarkozy die „Gnade der späten Geburt“ zuteil wurde - er war 1962 sieben Jahre alt -, behagt ihm das Thema kurz vor der Präsidentschaftswahl nicht. Denn Frankreich bleibt zutiefst gespalten.

          Bekanntgabe des Waffenstillstandes: Eine französische Familie in Paris verfolgt am 18.03.1962 die Kurzansprache des französischen Präsidenten Charles de Gaulle
          Bekanntgabe des Waffenstillstandes: Eine französische Familie in Paris verfolgt am 18.03.1962 die Kurzansprache des französischen Präsidenten Charles de Gaulle : Bild: dpa

          Die „pieds-noirs“ genannten Algerien-Franzosen erinnert der 19. März an den Exodus über das Mittelmeer und die schwierige Integration in das „Mutterland“. Für die algerischen Helfer der französischen Armee, die „Harkis“, markiert das Datum den Beginn ihrer Verfolgung durch die Befreiungsfront FLN. Algerien-Franzosen, Harkis und deren Nachfahren stellen insbesondere in den südlichen Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur und Languedoc-Roussillon wichtige Wählergruppen dar.

          Eine jüngste Studie des Forschungszentrums Cevipof von Sciences Po hat ihren Anteil auf 7,3 Prozent der Gesamtbevölkerung errechnet. Die Algerien-Franzosen und Harkis stellen demnach ein Potential von 3,2 Millionen Wählern dar. Das mag erklären, warum Nicolas Sarkozy Ende vergangenen Jahres den früheren Putsch-Führer Hélie Denoix de Saint Marc sowie den Präsidenten von mehreren Harki-Verbänden, Hocine Chieb-Bouares, mit dem Großkreuz der Ehrenlegion auszeichnete.

          Testgebiet für atomare Bewaffnung

          1961 hatten sich die Ereignisse in Algerien überstürzt, das keine Kolonie, sondern nach damals gültiger staatsrechtlicher Auffassung die Fortsetzung Frankreichs auf der anderen Seite des Mittelmeers war. Am 22. April 1961 wurde Frankreich frühmorgens von der Meldung überrascht, dass in der Nacht einige Offiziere in Algier die Macht an sich gerissen hatten - unter ihnen der jetzt mit der höchsten Auszeichnung der Légion d’honneur von Sarkozy rehabilitierte Denoix de Saint Marc.

          Präsident Bouteflika: Wiederholt verlangt, dass sich Frankreich zu seinen Kolonialverbrechen bekenne
          Präsident Bouteflika: Wiederholt verlangt, dass sich Frankreich zu seinen Kolonialverbrechen bekenne : Bild: AFP

          Staatspräsident de Gaulle reagierte sofort, ließ unter Rückgriff auf Artikel 16 der Verfassung die Bürgerrechte in Algerien aufheben und schuf Sondergerichte. Der Putsch brach rasch zusammen, überzeugte de Gaulle aber von der Notwendigkeit, den Algerien-Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Am 20. Mai 1961 begann in Evian eine Gesprächsrunde, die nach drei Wochen ergebnislos unterbrochen wurde. Haupthindernis war der Wunsch Frankreichs, die Kontrolle über die Sahara-Gebiete zu behalten, in der große Rohstoffreserven vermutet und die als Testgebiet für die atomare Bewaffnung gebraucht wurden.

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