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3. Oktober : „Für überzeugendere Wege offen“

  • Aktualisiert am

Der Briefwechsel Bild: AP

„Sehr geehrter Herr Bundespräsident...“ - FAZ.NET dokumentiert den Briefwechsel zwischen Bundespräsident Köhler und Bundeskanzler Schröder zur Debatte über den Tag der deutschen Einheit.

          2 Min.

          Zwei Briefe haben am Donnerstag und Freitag für Aufsehen in der Debatte über den Tag der deutschen Einheit gesorgt. Zuerst schrieb Bundespräsident Horst Köhler an Bundeskanzler Schröder und sprach sich dafür aus, den 3. Oktober als Feiertag beizubehalten. Schröder anwortete umgehend.

          Bundespräsident Horst Köhler schrieb am 4. November:

          „Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie haben mich gestern über die Absicht der Bundesregierung informiert, den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen. Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober trifft das Selbstverständnis unserer Nation. Dieser Nationalfeiertag ist wertvoll für unser Land. Wir ehren damit die demokratische Revolution von 1989 und drücken unsere Freude über die wiedergewonnene deutsche Einheit aus. Der 3. Oktober als Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit ist wichtig für die Zukunft unseres Landes und sollte erhalten bleiben. Ich sehe Ihre Entscheidung mit Sorge. Es können überzeugendere Wege gefunden werden, um auch durch einen zusätzlichen Arbeitstag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen beizutragen. In dieser Frage sollte ein breiter gesellschaftlicher Konsens hergestellt werden.

          Mit freundlichen Grüßen

          Ihr Horst Köhler“

          Bundeskanzler Gerhard Schröder schrieb am selben Tag:

          „Sehr geehrter Herr Bundespräsident, vielen Dank für Ihren Brief vom heutigen Tage. Ich stimme mit Ihnen darin überein, daß der Nationalfeiertag für unser Land ein sehr wichtiger, wertvoller Tag ist. Unser Land muß die Möglichkeit haben, seine Freude über die wiedergewonnene deutsche Einheit ausdrücken zu können und den Tag zu nutzen, an die friedliche Revolution zu erinnern. Deshalb soll dieser Feiertag auch nicht abgeschafft werden, sondern am jeweils ersten Sonntag im Oktober stattfinden. Diese Botschaft ist mir wichtig: der Nationalfeiertag bleibt bestehen.

          Gleichwohl ist es nach meiner Überzeugung notwendig, die Zahl der gesetzlichen Feiertage zu reduzieren - nicht zum Zwecke der Haushaltskonsolidierung, sondern um zusätzliche Wachstumsimpulse zu setzen. Wir alle wissen, daß es die deutsche Einigung war, die unserer Volkswirtschaft große finanzielle Lasten aufgebürdet hat. Wir dürfen in unseren Bemühungen bei der Vollendung der Einheit nicht nachlassen. Dazu bedarf es aber auch einer nationalen Kraftanstrengung. In diesem Zusammenhang stellt der zusätzlich gewonnene Werktag einen wichtigen Beitrag dar.

          Ich habe großes Verständnis für Ihren Wunsch nach einem breiten gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage. Wenn Sie auf überzeugendere Wege hinweisen, will ich mich der Diskussion darüber nicht verschließen.

          Mit freundlichen Grüßen,

          Gerhard Schröder“

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