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25 Jahre Wiedervereinigung : Unsere alltäglich deutsche Einheit

Feierstunde des Deutschen Bundestages vor dem Reichstag in Berlin Bild: dpa

Im Inneren hat das Land zusammengefunden, Ost- und Westdeutschland sind ein erprobtes Paar. Nur im Äußeren sucht Deutschland noch immer seinen Platz. Eins dürfen wir daher nie aufgeben: den Geist der Zuversicht.

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          Die Feierlichkeiten zum Jubiläum sind diesmal etwas oberflächlich geraten. Das liegt wohl auch daran, dass voriges Jahr schon einmal groß gefeiert wurde, nämlich der 25. Jahrestag des Mauerfalls. Der 9. November war ja der eigentliche Jubeltag, als die Ostdeutschen friedlich, aber entschlossen die Mauer überwanden, die sie ein Vierteljahrhundert vom Westen getrennt hatte und Berlin bei lebendigem Leib zerschnitten. Rund ein Jahr nach der friedlichen Revolution trat der Einigungsvertrag in Kraft, Deutsche und Deutsche dürfen wieder in einem gemeinsamen Land leben. Wie einmalig günstig die welthistorischen Umstände waren, wie geschickt und verantwortungsvoll unsere oft gescholtenen Politiker, wie glücklich der Ausgang dieses großen Abenteuers – darüber kann man sich nicht nur an Feiertagen freuen, sondern immerzu.

          Graue Städte und verwahrloste Kulturlandschaften sind erblüht, die Wirtschaftskraft wächst langsam, aber stetig. Es gibt Arbeitsplätze, junge Leute finden heute auch in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern einen Job. Selbst wenn sie dort immer noch weniger verdienen als in Hessen oder Schwaben. Die Diskussionen um Ost und West sind abgeklungen. Die Kanzlerin kommt aus dem Osten, auch der Bundespräsident, viele junge Offiziere der Bundeswehr ebenso wie ambitionierte Start-up-Unternehmer oder Maschinenbauer. Die Erwartung, dass umgekehrt der Westen sich nach der Einheit fundamental ändern sollte, war wohl ein Irrtum. Ein Kommentator schrieb zum fünften Jahrestag: „Eines Tages wird die einstige DDR das modernere, das selbstbewusstere Deutschland sein.“ Darüber ging die Zeit hinweg. Denn wen interessiert heute noch, was „die einstige DDR“ so macht? Die Regierungsbeauftragte für den sogenannten Aufbau Ost kennt jedenfalls fast niemand.

          Ein erprobtes Paar

          Heute fordern neue Krisen und Ereignisse unsere Aufmerksamkeit und Kraft: Flüchtlinge, Ukraine, Syrien. In Griechenland brodelt es weiter, VW liegt im Dieseldunst. So ist ohne Glücksstimmung oder größere Sentimentalität gefeiert worden. Das ist auch der Macht der Gewohnheit geschuldet: Die Deutschen in Ost und West sind ein inzwischen ein erprobtes Paar. Das Land ist einig in Vielfalt, wir sind eine Nation, bei allen bayerischen Eigenarten, sächsischen Sonderheiten oder rheinischem Kuddelmuddel. Deutschland hat fünfundzwanzig Jahre nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik alles, was in seiner Nationalhymne besungen wird: Einigkeit und Recht und Freiheit.

          Außerdem die Fußballnationalmannschaft, eine sagenhafte Wirtschaftskraft, und nicht zuletzt lebt es in guter Nachbarschaft mit den Ländern rundherum. Unser Ansehen in der Welt ist erschreckend gut. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

          Es stimmt aber auch: Nicht alles ist gut gelungen. Der Untergang der mitteldeutschen Industrie, der Einzug einer quasikolonialen Verwaltungs- und Wirtschaftsvormundschaft in den östlichen Ländern, die drückende Arbeitslosigkeit und teilweise kriminellen Fehler der Treuhandanstalt haben Kraft gekostet und Bitterkeit ins Glück gemischt. Hart wurde um das Unrecht des sozialistischen Regimes und seines widerlichen Geheimapparats gestritten, gleichzeitig seine angeblichen Vorzüge romantisiert – Ampelmännchen, Kinderkrippe, FDJ-Hemd.

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