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25 Jahre Mauerfall : Verdammt lang her?

  • -Aktualisiert am

Porsche in Leipzig ist eine Ausnahme: Im Osten fehlen große Unternehmen, die als Leuchttürme für Attraktivität, Arbeitsplätze, prosperierende Zuliefererstrukturen und ein höheres Steueraufkommen sorgen Bild: Picture-Alliance

Vor 25 Jahren fiel die Mauer, die Deutschland in Ost und West teilte. Heute ist sie stückchenweise in den Vitrinen der Souvenirhändler zu finden – aber auch in manchen Köpfen und vielen Statistiken.

          Die Produktbeschreibung ist so nüchtern, dass eher Komik mitschwingt als der Hauch der Geschichte: „Das Mauersegment ist 360 Zentimeter hoch, 120 Zentimeter breit und der L-förmige Fuß 210 Zentimeter lang“, heißt es auf der Internetseite von „Berlin Story“ über den Neuzugang im Onlineshop. „Das Gewicht beträgt etwa 2.800 Kilogramm. Das Mauersegment hat im oberen Teil zwei (vorgesehene) Löcher zum Transport. Das Segment befindet sich in gutem Zustand. Es gehört zur Generation Grenzmauer 75.“

          Wieland Giebel, Gründer der Buchhandlung und des Verlags Berlin Story, hat sie gefunden: Komplett erhaltene Original-Mauerteile, die früher Ost- von West-Berlin trennten. Jetzt kann man sie bei ihm im Onlineshop und auf Ebay kaufen. Vor 25 Jahren, erzählt er, seien sie nach dem Mauerfall einfach abtransportiert worden. Eine Autowerkstatt habe seither ihren Hof mit den geschichtsträchtigen Betonkolossen unterteilt.

          So ist das also, ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall: Spuren aus jener Zeit, als Deutschland ein geteiltes Land war und Berlin eine geteilte Stadt, sind bis heute leicht zu entdecken. Gleichzeitig aber ist offenbar genug Zeit vergangen, als dass die Scheu vor einer Zweckentfremdung dieser Zeugnisse schwindet. Manches, das einst für das Überwachungs- und Unterdrückungssystem der DDR stand, geht heute als Souvenir durch, als ironisches Zitat der Geschichte. Die Mauersegmente, die der Verleger, Buchhändler und Mauerexperte Wieland Giebel heute übers Internet verkauft, taugen als Sinnbild: Es ist noch da, das Trennende zwischen Ost und West, auch wenn es anders daherkommt.

          Die Menschen gehen, die Wölfe kommen

          Gerade aus wirtschaftlicher Sicht sind die vergangenen 25 Jahre eine „Ja, aber...“-Geschichte. Das zeigte auch der aktuelle Bericht zum Stand der Deutschen Einheit. Die Wirtschaftsleistung je Einwohner hat sich demnach in Ostdeutschland seit der Wende mehr als verdoppelt. Aber: Noch immer liegt sie nur bei zwei Dritteln des Westniveaus. Eine komplette Angleichung liegt in weiter Ferne; zuletzt hat sich der Aufholprozess sogar noch verlangsamt.

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          Ein weiteres Beispiel: Die auf dem freien Markt nicht überlebensfähigen Kombinate und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften sind verschwunden, auch im Osten gibt es heute den berühmten deutschen Mittelstand. Aber: Es fehlen große Unternehmen, Konzerne, die als Leuchttürme für Attraktivität, Arbeitsplätze, prosperierende Zuliefererstrukturen und ein höheres Steueraufkommen sorgen.

          Von Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen hat kein einziger Dax-30-Konzern seinen Hauptsitz im Osten, und auch sonst gibt es nur wenige bekannte Namen: die Deutsche Bahn in Berlin, Bombardier in Brandenburg oder Carl Zeiss Jena und Jenoptik in Thüringen gehören sicher dazu. Hinzu kommen die Autofabriken der westdeutschen Konzerne in Sachsen und Thüringen. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, die SPD-Politikerin Iris Gleicke aus Thüringen, sieht im Fehlen der Großen einen der wesentlichen Faktoren für die niedrige Arbeitsproduktivität in Ostdeutschland.

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