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Privatmuseum „Agentenbrücke“ : Die Villa hinter dem Stalinrasen

  • -Aktualisiert am

Die Villa Schöningen kurz vor der Eröffnung Bild: dpa

Am Samstag wird in der Potsdamer Villa Schöningen, ganz in der Nähe der berühmten Glienicker Brücke, eine privat finanzierte Erinnerungsstätte an die deutsch-deutsche Teilung eröffnet. Der Ort, Schauplatz eines „deutschen Schicksalromans“, ist der ideale Ort dafür.

          Sie ist das erste Haus auf Potsdamer Stadtgebiet hinter der Glienicker Brücke – die Villa Schöningen, wie viele Arkadienträume Preußens weiß und grazil, in Seen sich spiegelnd, geschmiegt in Baumhaine. Von morgen an wird sie als Privatmuseum die Teilung Deutschlands in Erinnerung halten. Denn als sie noch grau und vermodert aufragte, war die Villa von West-Berlin her das erste Haus hinter der Grenze, Staatsgebiet der DDR, mit ihrem morschen Aussichtsturm ein deprimierender Spiegel der schäbig-martialischen Betontürme an der deutsch-deutschen Trennungslinie.

          Die Glienicker Brücke wiederum ist noch heute weltbekannt als Symbol und Schauplatz des Kalten Krieges, Ort für Agentenaustausch, eines der makabersten Geschäfte zwischen Ost und West. Wie zum Hohn hieß der in den letzten Kriegswochen gesprengte Bau seit seiner Reparatur 1949 auf Beschluss der SED „Brücke der Einheit“. Prompt erklärten westliche Schrifttafeln, dass es gerade die Namensgeber seien, die die Einheit zerstört hätten und weiterhin verweigerten.

          Musterbeispiel subtiler Sanierung

          Ein weißer Strich auf der Mitte der Fahrbahn war hier der Eiserne Vorhang. Er verschwand nach 1989, blieb aber längere Zeit noch die unsichtbare Demarkationslinie zwischen westdeutscher Chuzpe und ostdeutscher Naivität. Ringsum nämlich witterten westliche Investoren das große Geschäft, kauften Ufergrundstücke an Jungfernsee, Tiefem See und Glienicker Lake, die sie mit erbärmlich biederen, aber enorm lukrativen „Stadtvillen“ bebauten. Die einzigartige arkadische Landschaft mit ihren Blickbezügen wurde, trotz Protesten der Denkmalpfleger und Anlieger, zerstört – und die wiedervereinte Republik hatte ihren ersten Baukandal.

          Blick auf ein originales Mauersegment vor der sanierten Villa Schöningen

          Auch die Villa Schöningen, restituiert und an einen Investor verkauft, sollte Neubauten weichen. Ein Abrissverbot versuchte er mit gezielter Vernachlässigung zu umgehen – gegen das Niederlegen baufälliger historischer Substanz vermag meist auch der Denkmalschutz nichts. In letzter Sekunde kauften Mathias Döpfner und Leonhard Fischer dem gottlob entnervten Investor die Villa ab und ließen sie als „Symbolort der deutschen Teilung und Wiedervereinigung“ zur öffentlichen Erinnerungsstätte restaurieren.

          Entstanden ist ein Musterbeispiel subtiler Sanierung: Von außen ist das Ensemble – ein Miteinander graziler antikisierender Kuben, die einen zentralen schlanken Aussichtsturm mit schlanken Bogenöffnungen umgeben – sofort wiedererkennbar als hinreißendes Exemplar des arkadisch-zivilen, preußischen Klassizismus, den der Hofbaumeister Ludwig Persius, das Werk und die Ideen Karl Friedrich Schinkels fortführend, in und rings um Berlin und Potsdam schuf. Auch im Inneren wurde gerettet, was zu retten war – einige herrlich stuckierte Salons, Kamine, das anmutige Treppenhaus mit Sternenhimmel-Decke und einer Nische mit der Büste des eigentlichen Bauherrn, König Friedrich Wilhelm IV.; wo Neues geschaffen werden musste, beschränkte man sich auf Neutralräume in den ruhigen Proportionen und Maßen des Alten.

          Die Köchin neben der NSDAP-Bibliothek

          Stellvertretend für die wechselvolle Geschichte des Hauses steht eine zierliche Plastik der Athene, ehemals in einer Rundnische an der Schaufront postiert. Der Körper, schrundiger, teilweise geborstener Zinkguss, ist echt, der Kopf ein Gipsabguss des zerstörten originalen.

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