https://www.faz.net/-gpf-14d0s

Mauerstücke in aller Welt : Where is the Schutzwall?

  • -Aktualisiert am

Der schnellste Mann der Welt, der jamaikanische Sprinter Usain Bolt, bekam nach der Leichtathletik-WM in Berlin ein Stück Mauer für seinen Rekordlauf geschenkt Bild: picture-alliance/ dpa

Wir sind ein Geschäftsvolk: Die Mauer steht heute nicht mehr in Berlin, sondern überall. Splitter- und meterweise wanderte sie in Souvenirläden, Museen und oft nach Amerika. Eine Spurensuche nach mehr als 100 Kilometern Beton.

          5 Min.

          Hinweise auf sie existieren sogar auf dem Roten Planeten, viele Millionen Kilometer von Berlin entfernt. Seit 1997 die Sonde der "Pathfinder"-Mission die Marsoberfläche kartographierte, trägt ein etwa 85 Zentimeter großer Felsbrocken den Namen "Broken Wall". An der Marsmission beteiligte deutsche Wissenschaftler haben dafür gesorgt, dass ein Stück deutscher Geschichte auf dem Mars verewigt wurde. Auch wenn es nur der Name ist, kann diese Anekdote aus dem Weltall stellvertretend dafür stehen, was nach 1989 mit der Grenzbefestigung auf der Erde passiert ist: Rund um den Globus verteilt steht mehr Berliner Mauer als in Berlin selbst.

          Die Parole "Die Mauer muss weg!" erfüllte sich nach dem 9. November 1989 innerhalb kurzer Zeit buchstäblich. Schon bevor die noch amtierende DDR-Regierung sie systematisch abräumen ließ und der Mauerbeton größtenteils als Bauschutt endete, wurde sie von "Mauerspechten" zerklopft und in Einzelteilen zerlegt millionenfach als Souvenir verkauft; sie wurde in alle Welt verschifft und als Denkmal wieder aufgestellt. Die Mauer steht heute in Korea, in Israel, in Südafrika, Bolivien, Usbekistan oder Kalifornien. Praktisch über Nacht wurde sie vom Monument der Unterdrückung und des Kalten Krieges zum Symbol der Freiheit und des Friedens - oder auch zum Zeichen, dass der American Way of Life über den Kommunismus gesiegt hatte.

          Die Idee seines Lebens

          Volker Pawlowski hat sich für die Mauer nie besonders interessiert. Geboren wurde er in West-Berlin, aufgewachsen ist er im Märkischen Viertel. Die Mauer hatte er jeden Tag "vor der Nase", wie er sagt, sie war nichts Besonderes. Dann fiel sie, und Pawlowski, damals seit 18 Jahren auf dem Bau beschäftigt, sah zu, wie Leute Bröckchen für Bröckchen davon abklopften. Und er sah die Stände der fliegenden Händler, die die Steine noch als Souvenirs verkauften, als die Mauer schon gar nicht mehr stand.

          Ein Geschenk aus Deutschland vor dem Europäischen Parlament in Brüssel
          Ein Geschenk aus Deutschland vor dem Europäischen Parlament in Brüssel : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Da kam Volker Pawlowski die Idee seines Lebens: Er stieg in den Souvenirhandel ein und wurde zum wichtigsten Lieferanten und Verkäufer von Mauerstücken in Berlin. "Die Mauerteile lagen damals eben rum in den Recyclinghöfen, und ich bin dorthin gefahren und hab' gefragt: ,Hey, verkauft ihr?' Und so hab' ich die Teile bekommen." 90 Prozent der in Berlin verkauften Mauerstücke stammen nach seiner eigenen Aussage aus Pawlowskis Betrieb. Der heute Zweiundfünfzigjährige beliefert Souvenirläden, Museen und immer wieder Kunden im Ausland. Vorräte hat Volker Pawlowski immer noch genug, und im Notfall weiß er, wo sie aufzufüllen wären: "Ich kenne die Höfe, wo sie noch rumliegen", sagt er. "Wir könnten ad hoc hundert Mauerelemente liefern."

          106 Kilometer Mauer

          Der "Antifaschistische Schutzwall" der DDR bestand 1989 aus 127 Kilometern Zäunen, 302 Wachtürmen und 106 Kilometern geschlossener Mauer: rund 45.000 aneinandergereihte L-förmige Beton-Elemente, 3,60 Meter hoch und 1,20 Meter breit. Noch in der Nacht des 9. November begann sich diese "Grenzmauer 75" aufzulösen. Die ersten Mauerspechte rückten mit Hammer und Meißel an. Hilflos mussten DDR-Grenztruppen zusehen, wie die Grenze, die sie jahrelang bewacht hatten, durchlöchert wurde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Laschets Gratwanderung : Der Kampf um den Kurs geht weiter

          Die CDU glaubt nicht ohne Grund, dass Armin Laschet besser als Friedrich Merz die innerparteiliche Spaltung überwinden kann. Dazu muss aber auch der neue Vorsitzende über sich hinauswachsen.

          Pläne der Bahn : Zugfahren nur noch mit FFP2-Maske?

          Die Deutsche Bahn denkt über eine FFP2-Maskenpflicht in sämtlichen Regional- und Fernzügen nach. Das würde einen Bedarf von Millionen Masken täglich bedeuten. Und es gibt noch weitere Probleme.
          Bleibt schlank und pflegt dabei ihre Zähne: Gitta Saxx

          Herzblatt-Geschichten : Mach es wie der Honigdachs

          Warum Wladimir Klitschko ein seltsames Tier verehrt, was Dana Schweiger von Tils Neuer hält und wie Bohlen von den Malediven grüßt: Die Herzblatt-Geschichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.