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Maueröffnung im Film : Des Zettels Traum

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung: Ost-West-Begegnung an der Berliner Mauer Bild: AFP

Als der Schlagbaum zur Seite ging und die Mauer sich öffnete, hatten die Verantwortlichen noch keine Ahnung, dass damit das Ende der DDR besiegelt war: Das Erste zeigt ein filmisches Protokoll des 9. November 1989, als Günter Schabowski am Abend fast beiläufig die Ausreiseregelung erklärte.

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          Große Dinge haben oft kleine Ursachen. Im Fall des Falles der Mauer hatte sie das Format DIN A 4 und war untergekramt in einem Bündel Drucksachen aus dem Politbüro der SED. Fein säuberlich getippt stand auf diesem Papier die neue Reiseregelung für DDR-Bürger. Pressesprecher Günter Schabowski verlas das Dokument auf Anfrage eines Journalisten eher beiläufig am Ende einer Pressekonferenz. Die Bilder des gelangweilt stammelnden SED-Funktionärs sind in die Geschichte eingegangen: als Signal für einen unkontrollierten Ansturm der republikmüden DDR-Bürger auf die Mauer. In der Bornholmer Straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg brach der Damm zuerst.

          Aus dokumentarischen Aufnahmen, Interviews und Spielszenen haben Marc Brasse und Florian Huber ein akribisches Protokoll dieser Nacht der Nächte konstruiert, ein grandioses zeitgeschichtliches Dokument, spannend wie die Wirklichkeit der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989.

          Der Schlagbaum öffnet sich

          Möglich wurde diese Rekonstruktion der Ereignisse, die zum abrupten Fall der Mauer führten, durch die Bilder eines anonymen „Fernsehteams aus dem Westen“, das durch den Film geistert. Nur dieses Team filmte über Stunden den Aufmarsch von Tausenden Ost-Berlinern am Schlagbaum des Grenzüberganges Bornholmer Straße, ihre Sprechchöre „Tor auf, Tor auf“ und „Wir kommen zurück, wir kommen zurück“, ihre Empörung über die schleppende Umsetzung des ZK-Beschlusses über die neue Reisefreiheit, die laut Schabowski „unverzüglich, sofort“ gelten sollte, den immer stärker werdenden Druck auf die DDR-Grenzer und schließlich den Moment, in dem die Stasi-Offiziere gegen Befehl von oben den Schlagbaum öffneten.

          Günter Schabowski auf der Pressekonferenz am 9. November 1989
          Günter Schabowski auf der Pressekonferenz am 9. November 1989 : Bild: dpa

          Die im ARD-Film des Spiegel-TV-Mitarbeiters Marc Brasse und seines Koautors Florian Huber diskret als „Kamerateam aus dem Westen“ bezeichneten Reporter waren von Spiegel TV. Georg Mascolo, heute einer der beiden Chefredakteure des „Spiegels“, und Kameramann Rainer März waren die Einzigen, die über mehrere Stunden aufzeichneten, was sich am Grenzübergang Bornholmer Straße abspielte, bis hin zu dem Moment, in dem die Grenzer die Kontrolle aufgaben, der Schlagbaum zur Seite ging und die Menge in den Westen strömte, unter den Augen der fassungslosen Mauerwächter.

          Was trieb Schabowski?

          Diese einmaligen historischen Aufnahmen haben Brasse und Huber durch inszenierte Szenen ergänzt, die zeigen, was das Kamerateam damals nicht einfangen konnte: die Ereignisse hinter den Kulissen. Täuschend echt wirkende Spielszenen, abwechselnd und geschickt verwoben mit dokumentarischem Material und Interviews der handelnden Personen, Schabowski heute, kombiniert mit dem echten Schabowski von damals und dem Schauspieler, der den Schabowski von 1989 spielt. Eine in ihrer Perfektion fast perfide Vermischung von Realität und Fiktion. Doch die filmisch dargestellten Ereignisse sind sauber und detailreich recherchiert, so dass der Film einen tiefen Einblick in die Kette von Entwicklungen, Entscheidungen, Fehlern und Zufällen gibt, die zum Fall der Mauer in dieser Nacht führten.

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