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20 Jahre nach dem Mauerfall : „Der 19. August 1989 war ein Test Gorbatschows“

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Bild: reuters

Es war ein historischer Moment, als sich vor 20 Jahren der Eiserne Vorhang zwischen Ungarn und Österreich kurz öffnete und hunderten DDR-Urlaubern die Flucht gelang. Der damalige ungarische Regierungschef wollte die Reaktion Moskaus testen.

          Als Test Moskaus hat der damalige ungarische Regierungschef Miklós Németh die kurze Öffnung des Eisernen Vorhangs an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich am 19. August 1989 bezeichnet, die 661 DDR-Urlaubern die Flucht über Österreich in die Bundesrepublik ermöglichte.

          Das zwischen dem damaligen ungarischen Staatsminister Pozsgay sowie dem Präsidenten der Paneuropa-Union Otto von Habsburg eingefädelte „Paneuropäische Picknick“ sei „ein Versuchsballon gewesen, um herauszufinden, wie die Sowjetunion auf eine kurzzeitige Öffnung reagieren würde“, sagte Németh in Sopron (Ödenburg), wo unter anderem am Mittwoch in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Merkel, des ungarischen Staatspräsidenten Sólyom, des Regierungschefs Bajnai und des österreichischen Außenministers Spindelegger feierlich der Ereignisse vor zwanzig Jahren gedacht wurde. Er habe wissen wollen, ob er den Zusagen des damaligen sowjetischen Staatschefs Gorbatschow trauen könne oder ob Moskau den in Ungarn stationierten sowjetischen Truppen den Befehl zum Eingreifen geben würde, sagte Németh.

          Er habe gewusst, dass diejenigen DDR-Bürger, die sich in Ungarn aufhielten, auf dem Laufenden seien, wenn die Nachricht von einer – wenn auch nur zeitweiligen – Öffnung des Eisernen Vorhangs die Runde machen würde, fuhr Németh fort und gab zu, er sei „den ganzen Tag über unruhig gewesen, auch wenn er Vertrauen zu Gorbatschow gehabt“ habe. Der hatte im März 1989 versichert, er wolle in Ungarn das kommunistische Regime nicht mit militärischer Gewalt an der Macht halten. Gorbatschow habe ihm, bezogen auf die einstige Niederschlagung der ungarischen Volkserhebung, versichert, es werde „kein zweites 1956“ geben, sagte Németh.

          Anfang vom Ende der Teilung Europas

          In Brüssel würdigte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso das „friedliche Picknick an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Sopron“, das vor zwanzig Jahren „geholfen hat, den Verlauf der europäischen Geschichte zu verändern“. Dieses Ereignis habe dazu geführt, dass sich der „Eiserne Vorhang kurz öffnete“, und damit zu dessen „endgültigem Fall und der Wiedervereinigung Deutschlands“ beigetragen.

          Damit stehe es für den Anfang vom Ende der Teilung Europas durch den Kalten Krieg. Barroso sprach „all jenen meine Anerkennung aus, die jenen Durchbruch ermöglicht haben“, der „Millionen Bürgern Hoffnung auf ein geeintes und freies Europa gab“, das schließlich Wirklichkeit geworden sei, „als zehn Länder Mittel- und Osteuropas 2004 und 2007 der EU beitraten“. Er hoffe, dass der „europäische Geist des Picknicks von Sopron kommenden Generationen als Inspiration dienen wird“, schloss Barroso.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf am Mittwoch zu einem Kurzbesuch in Ungarn ein. Sie würdigte die Leistungen der Regierung in Budapest für die deutsche Einheit. Ihre Reise nach Sopron sei ein Dankeschön an Ungarn, an die Menschen, die dort leben, aber auch an die damaligen Verantwortlichen, sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Die Kanzlerin traf am Mittwoch zu einem Kurzbesuch in Ungarn eingetroffen.

          Im Anschluss an die offizielle Begrüßung im Gedächtnispark von Sopron durch Ungarns Staatspräsident Lázló Sólyom und Bürgermeister Tamás Fodor, wollte Frau Merkel zunächst einen Kranz an der Gedenksäule niederlegen. Danach war die Kanzlerin im Begegnungszelt zu Gesprächen mit Zeitzeugen und jungen Europäern verabredet. Gemeinsam mit Staatspräsident Sólyom war für den Abend ein Besuch des Europakonzertes im Felsentheater von Fertörákos geplant. Außerdem trifft Merkel während ihrer Stippvisite mit Ministerpräsident Gordon Bajnai zu politischen Gesprächen zusammen.

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