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11. September : Schweigeminute in New York, Gedenken in der ganzen Welt

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Von den Bergen Afghanistans bis zur australischen Pazifikküste gedenken die Menschen der Opfer der Anschläge vom 11. September. In den USA gilt erstmals die Alarmstufe „Orange“.

          3 Min.

          Mit einer Schweigeminute ist in New York am Mittwoch der Terrorangriffe auf das World Trade Center gedacht worden. Genau um 8.46 Uhr Ortszeit (14.46 Uhr MESZ), dem Zeitpunkt des Einschlags des ersten entführten Passagierflugzeugs in den Nordturm des WTC, herrschte Ruhe am „Ground Zero“. Der New Yorker Gouverneur George Pataki verlas vor Tausenden Menschen eine Ansprache, die Abraham Lincoln 1863 nach der Schlacht von Gettysburg gehalten hatte. Dann begann der ehemalige Bürgermeister Rudolf Giuliani damit, die 2801 Namen der Opfer zu verlesen. „Gordon M. Aamoth. Edelmiro Abad. Maria Rose Abad. Andrew Anthony Abate . . .“

          Nach 102 Minuten war die Hauptgedenkveranstaltung an Ground Zero beendet - zu dem Zeitpunkt, als der zweite Zwillingsturm zusammenstürzte und tausende Menschen unter sich begrub. Anschließend bekundeten die Vertreter der 190 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen bei einer Zeremonie im UN-Hauptquartier ihre Anteilnahme sowie die Entschlossenheit, gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen.

          Weitere Gedenkkundgebungen fanden am Pentagon in Washington und in Pennsylvania statt, wo zwei weitere der insgesamt vier von Terroristen gelenkten Passagierflugzeuge abstürzten. Präsident George W. Bush bekräftigte vor dem Pentagon, dass der Angriff des internationalen Terrorismus auf die USA gescheitert sei. „Wir erneuern unsere Verpflichtung, den Krieg zu gewinnen, der hier begann.“ Den Irak nannte Bush nicht namentlich. Am Abend wandte sich der Präsident in einer Rede an die Nation Bush kündigt Kampf gegen „Tyrannen“ an. Zur Gedenkveranstaltung im Battery Park in Manhattan am Abend wurde auch Bundesaußenminister Joschka Fischer erwartet.

          Blick auf New York am 11.09.2002

          Zentrale Feier im Berliner Dom

          Auch Deutschland trauert. Die zentrale Feier fand im Berliner Dom statt (Berliner legen Blumen vor der Botschaft nieder). An dem ökumenischen Gottesdienst nahmen Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sowie der amerikanische Botschafter Daniel Coats teil. Im Mainzer Dom fand am späten Nachmittag eine Gedenkfeier mit führenden Repräsentanten der beiden christlichen Kirchen sowie der jüdischen und der muslimischen Gemeinde in Deutschland statt.

          Zeitgleich zur landesweiten Schweigeminute in den Vereinigten Staaten hielten auch in ganz Großbritannien viele Menschen für eine Minute inne. Der britische Premierminister Tony Blair und Kronprinz Charles gehörten zu den mehr als 2000 Teilnehmern eines Gedenkgottesdienstes in der St.-Pauls-Kathedrale in London.

          Bei den ersten Gedenkveranstaltungen in Australien und Neuseeland hatten zuvor zahlreiche Menschen Kränze für die Opfer niedergelegt. Im Ferienort Surfer's Paradise nördlich von Sydney waren Tausende Urlauber und Einheimische an den Strand geströmt, um dort mit ihren Körpern eine amerikanische Flagge zu bilden. Im neuseeländischen Auckland bildeten Christen und Muslime eine Menschenkette als Symbol der Gemeinschaft. Über die Bildschirme in der Börse von Tokio liefen Worte des Gedenkens.

          Furcht vor neuen Anschlägen

          Gleichzeitig herrscht weltweit Furcht vor neuen Anschlägen. Sensible Ziele wurden unter besonderen Schutz gestellt: von der Synagoge in Frankfurt bis zur Golden Gate Bridge in San Francisco.

          Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) rief zu „höchster Wachsamkeit“ nicht nur am 11. September auf. Er sei aber skeptisch, dass es so etwas gibt wie Jubiläumsterrorismus gebe. Man müsse auf Anschläge auch an anderen Tagen vorbereitet sein. Sicherheitskräfte in Hessen riefen „Alarmstufe rot“ aus. Auf Bahnhöfen und am Frankfurter Flughafen, vor amerikanischen Einrichtungen und den Hochhäusern in Frankfurt wird noch schärfer als sonst kontrolliert.

          Für den amerikanischen Vizepräsident Dick Cheney gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, in Washington mitteilte, verbrachte Cheney bereits die Nacht zum Dienstag an einem geheimen Ort.

          Das Pentagon stationierte an strategischen Stellen in und um Washington Luftabwehrraketen. Wo die Raketenstellungen sich befinden, wurde „aus Gründen der Sicherheit und Abschreckung“ nicht mitgeteilt. Nach Medienberichten wurden bereits am Montag am Pentagon und auf mehreren Militärstützpunkten in der Hauptstadt Avenger-Systeme mit Stinger-Raketen stationiert.

          Von Alarmstufe Gelb auf Orange

          In den USA gilt erstmals die Alarmstufe „Orange“ („sehr erhöhte“ Alarmstufe) nach der im März eingeführten Farbskala des Justizministeriums. Die neue Alarmstufe bedeutet, dass die Sicherheitsbehörden weitere Vorsichtsmaßnahmen in Kraft setzen. Dazu gehört eine noch intensivere Bewachung aller geplanten öffentlichen Veranstaltungen. An den Flughäfen werden die Kontrollen verstärkt. Nach Medienberichten wurde auch die Küstenwache in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Bisher galt konstant die gelbe Stufe - also eine „erhöhte“ Alarmstufe.

          Amerikanische Botschaften geschlossen

          Es gebe aber keine gezielten Hinweise auf die Gefahr von Anschlägen in den USA selbst, teilte Justizminister John Ashcroft mit. Die Bedrohung gelte vor allem für Einrichtungen in Übersee. Die amerikanischen Geheimdienste haben nach Angaben Ashcrofts in den vergangenen Tagen eine intensive Kommunikation unter verdächtigen Terroristen und Sympathisanten aufgefangen, die an die Tage vor den Angriffen des 11. September vor einem Jahr erinnere.

          Eine wichtige Quelle der Warnungen sei „ein führendes Al-Qaida-Mitglied“, dessen Namen der Minister nicht nannte. Es soll sich nach Informationen des Nachrichtensenders CNN im Gewahrsam eines befreundeten Landes befinden. Besonders Besorgnis erregend seien Hinweise auf mögliche Attacken in Südostasien und auf Selbstmordanschläge im Nahen Osten, sagte Ashcroft.

          Nach Angaben des Außenministeriums wurden amerikanische Botschaften und Konsulate in Malaysia, Indonesien, Bahrain, Vietnam, Kambodscha, Tadschikistan, Pakistan, Malawi und Abu Dhabi geschlossen.

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