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Picasso in Berlin  : Als der Kubismus noch weh tat

  • -Aktualisiert am

Ende 1913 findet in der Neuen Galerie von Otto Feldmann in Berlin eine riskante Begegnung statt. Die aktuellen Bilder von Pablo Picasso stehen Werken der afrikanischen Stammeskunst gegenüber: Der Bericht über einen Schock in der Kunstwelt.

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          Vor hundert Jahren, als seine Werke in München, Köln und schließlich - im Dezember 1913 - in der Neuen Galerie in Berlin erstmals in Einzelausstellungen präsentiert wurden, begann in Deutschland der Mythos Picasso. Einzelne seiner Arbeiten waren zwar schon zuvor in Deutschland zu sehen: Bereits 1911 hatte der Wuppertaler Bankier August von der Heydt in Paris die Gouache „Akrobat und junger Harlekin“ für den Elberfelder Museumsverein erworben, und 1912 war Picasso mit sechzehn Werken auf der legendären Sonderbundausstellung in Köln vertreten. Doch erst mit der Unterzeichnung des Galerievertrags mit Daniel-Henry Kahnweiler im Dezember 1912, der dem deutsch-französischen Kunsthändler das Alleinvertretungsrecht des Künstlers einräumte, begann ein Ausstellungszyklus, der das Werk Picassos in Deutschland bekannt machte, in allen Facetten präsentierte und im Dezember 1913 in der Gegenüberstellung der jüngsten Werke des Malers mit afrikanischer Stammeskunst in Berlin kulminierte.

          Heinrich Thannhauser hatte im Februar 1913 in München den Anfang gemacht, als er dem einunddreißigjährigen Picasso in seiner Modernen Galerie im Arco-Palais an der Theatinerstraße eine erste Retrospektive widmete: Der Katalog listet 114 Werke aus den Jahren 1901 bis 1912 auf, die zum größten Teil als Kommissionsware von Kahnweiler nach München geschickt worden waren. Weitere Bilder stammten unter anderen aus den Sammlungen von Adolf Erbslöh, Alfred Flechtheim, Wilhelm Kreis, Paul Ferdinand Schmidt und Edwin Suermondt. Die frühen Werke aus der Blauen und Rosa Periode Picassos, die „ein feines, fast mädchenhaft weiches Empfinden“ zeigen, wie der Berichterstatter der „Kunstchronik“ schrieb, fanden durchaus breite Zustimmung, während die kubistischen Arbeiten demselben Autor wie „ein Sammelsurium von geometrischen Figuren, Buchstaben, Ziffern, menschlichen Körperteilen“ erschienen, die er sich nur als Anzeichen einer geistigen Erkrankung oder absichtlichen Unfug erklären konnte.

          Picassos Werke der jüngsten Zeit überforderten die meisten zeitgenössischen Betrachter. Alfred Lichtwark etwa, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, konnte in Bildern wie der 1911 entstandenen „Mandolinenspielerin“, die in Köln und München zu sehen war, nur „wirr durcheinandergeworfene Abschnitte eines puzzles“ erkennen. Die ersten Einzelausstellungen von Werken Picassos wurden somit zum umstrittenen Ausblick auf die Formensprache einer neuen Zeit.

          Der mit Kahnweiler und Flechtheim befreundete Künstler und Galerist Otto Feldmann war der Zweite, der dem Werk Picassos Einzelausstellungen in Deutschland widmete. Am Kölner Hansaring hatte er Anfang 1912 den progressiven „Rheinischen Kunstsalon“ eröffnet, in dem er Werke von van Gogh, Cézanne, Renoir, Braque, Derain und Picasso sowie Arbeiten der italienischen Futuristen, aber auch von August Macke und den Rheinischen Expressionisten präsentierte. Kahnweiler hatte Feldmann Bilder der von ihm vertretenen Künstler Braque, Derain, Picasso und Vlaminck aus Paris gesandt und in Kommission überlassen.

          Eine Ausstellung nur für Picasso

          Im Herbst 1913 weitete Feldmann seine Aktivitäten auf Berlin aus, wo er in der Lennéstraße, direkt am Tiergarten, die programmatisch der jungen Kunst gewidmete Neue Galerie eröffnete. Die Eröffnungsausstellung zeigte neben den von Kahnweiler zur Verfügung gestellten Werken Arbeiten von Matisse, Marie Laurencin und Jules Pascin sowie von Hans Purrmann, Rudolf Grossmann und Max Pechstein. Die zweite Ausstellung, vom Dezember 1913 wohl bis Januar 1914, war ganz Picasso gewidmet und machte die Reichshauptstadt unter dem Titel „Picasso - Negerplastik“ erstmals mit dem Phänomen des Kubismus bekannt.

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