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Pharrell Williams : Er kennt den Rhythmus des Glücks

  • -Aktualisiert am

Unterdrückung kommentiert er mit sichtlichem Unbehagen: Er kenne die Gesetze und Gepflogenheiten der iranischen Gesellschaft nicht, dazu könne er nichts sagen, aber er wünsche doch jedem „Girl“, dass es „happy“ sei. Und schnell wird klar: Pharrell Williams steuert mit seinem Auftritt, mit seinem neuen Album und der Schau bewusst gegen die Rolle des Verkünders des Guten an, wie sie etwa Sting und Bono lieben. Es geht in seinen neuen Liedern um sein eigenes Verhältnis zu Mädchen, zu Frauen. Er hat sich bei diesem Thema zuletzt missverstanden gefühlt – als „böser Sexist“. Pharrell Williams’ Stärke aber ist Pop ohne moralische Appelle: die schlichte Ablehnung von Armut, ohne Kritik an irgendetwas.

Williams neues Album „Girl“ ist die Vereinigung vieler Pop-Sekten.

Bei ihm klingt alles nach Selbstbestimmung. Sein Sohn, 5, wird Rocket Man genannt. Wer nicht glücklich damit ist, wie eine Journalistin vom „Guardian“, die die lasziven Aktbilder von Terry Richardson in seiner Ausstellung fragwürdig findet, wird von ihm mit missionarischer Freundlichkeit in die Zange genommen – im Vieraugengespräch: „Ich habe den kritischen Ton in ihrer Stimme gehört“, sagt er. Sein Glücksversprechen hat nichts wacker Aufmunterndes wie bei Bobby McFerrins „Don’t worry be happy“, es hat vielmehr mit harter Arbeit zu tun. Wer da nicht mitmacht, muss mit Glücksentzug rechnen.

Die Aufmerksamkeit bekommen die, die sowieso schon mitmachen: Der „beste Künstler der Welt“ sei Takashi Murakami, sagt Williams. Der Japaner hat in der Schau Fotos von, ja: von wem? – Pharrell Williams und seiner Frau Helen Lasichanh auf seine charakteristische Tapeten-Manga-Ornamentik projiziert, beim Kuss, beim Tanz, im Glück. Die Fotos hat Terry Richardson gemacht.

Immer dasselbe, immer anders

Mit Takashi Murakami und Pharrell Williams haben sich zwei gefunden, die alle wichtigen Eigenschaften des kommerziellen Erfolgs erfüllen: Sie haben Talent als Feel-Good-Künstler wie als Unternehmer, sind Kenner ihrer Kundendaten mit der ganzen Reichweite des globalen Googleblicks – und Netzwerker. Das Album „Girl“ wirkt wie die Vereinigung vieler Pop-Sekten auf höchstem Niveau – mitgewirkt haben Justin Timberlake, Miley Cyrus oder Alicia Keys. Das Lied „Marilyn Monroe“ macht auf dem Album den Anfang, das R’n’B-Stück beginnt mit einem Streichakkord-Intro von der Violinistin Anne Marie Calhoun. Und Kelly Osbourne singt mit: „This one goes out to all the lovers / What can we do? / We’re helpless romantics / We can not help who we’re attracted to / So let’s all dance, and elevate each other.“

Die Künstler schließen sich bei solchen Großereignissen wie Konzerne bei Fusionen zu immer mächtigeren Gruppen zusammen, verbinden ihre medienwirksamen Namen miteinander, um den möglichst größten Effekt zu erzielen. Die Vernetzung zählt. Auch das bedeutet Selbstbestimmung für ihn.

Pharrell Williams glaubt von sich selbst, Feminist zu sein. Irgendwie zumindest, sagt er. Eigentlich gehe es ja nicht, er sei ja ein Mann. Wenn er am späten Abend mit Falsettstimme über die Bühne hüpft und seinen tanzenden Frauen in Jacken mit Damien-Hirst-Punkten bei ihrer Schüttelperformance „I am a hunter“ zuruft, taucht man am tiefsten in die Welt des kleinen Jungens mit Zaubertuch ein, der die Frauen bestaunt und gerne ein kleines bisschen so wäre wie sie: „Mädchen denken auch böse Dinge“, wispert er, als wäre das die Erklärung für alles, was er macht.

Ein Musikblog hat sich die Mühe gemacht, Intros von Pharrell Williams zu vergleichen, und hat herausgefunden, dass sie stets mit dem identischen Trick beginnen, einem schnellen Vier-Schläge-Loop vom ersten Beat. Immer dasselbe, immer anders, immer happy.

Tourneedaten im deutschsprachigen Raum

16.09. Berlin, Max-Schmeling-Halle
18.09. Wien, Marx Halle
21.09. Zürich, Hallenstadion
26.09. Frankfurt, Festhalle
27.09. Düsseldorf, ISS Dome
28.09. Stuttgart, Schleyer-Halle

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