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Klimawandel : Pakistan vereint Kampf gegen Corona und Klimakrise

Wanderweg in Margalla Hill in Pakistan. Bild: AFP

Die Armen dürfen in Virus-Zeiten nicht arbeiten. Nun bekommen sie Geld, weil sie Millionen von Bäumen pflanzen sollen.

          2 Min.

          Pakistan will aus der Not eine Tugend machen: Das Corona-Virus hat Hunderte von Tagelöhnern ihr Einkommen gekostet. Nun sollen sie Bäume pflanzen, um damit dem Klimaschutz zu dienen. Der World Wildlife Fund in Pakistan lobt den Ansatz.  

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die pakistanische Regierung hat das Land seit dem 23. März ins künstliche Koma versetzt. Damit wollte sie verhindern, dass das Virus sich schneller ausbreitet. Besonders gefährdet sind, wie in den benachbarten Ländern Bangladesch oder Indien, die Armen. Für Tagelöhner und Arbeiter  gibt es keine Versicherung, keine Verträge, und die meisten Fabriken haben zwangsweise geschlossen. Sie müssen ihre Hütten verlassen, wollen sie überleben. Mehr als 20 Millionen Menschen sind offiziell ohne Arbeit, inoffiziell wird die Zahl wesentlich höher liegen. 

          Schon lange zählt Pakistan mit seinen mehr als 212 Millionen Menschen zu denjenigen Ländern, die am meisten unter dem Klimawandel leiden. Auf der Liste der am stärksten betroffenen Länder steht Pakistan an fünfter Stelle. Um die Energieversorgung zu sichern, setzt das südasiatische Land nun auch stärker auf Kohlekraftwerke, oft von Chinesen gebaut werden. Mit dem Aufruf zum Pflanzen von zehn Milliarden Bäumen innerhalb von fünf Jahren, dass Ministerpräsident Imran Khan 2018 als „10 Billion Tree Tsunami“ vorantrieb, will er steigende Temperaturen, Überflutungen und Dürren bekämpfen. Natürlich soll die Aufforstung auch den Ruf Pakistans bessern. In den frühen Tagen des Projektes schafften es Pflanzer, durchaus 2,5 Millionen Setzlinge an einem einzigen Tag auszubringen. Die Pflanz-Aktion findet in den sozialen Medien großen Zuspruch und scheint eines der wenigen Projekte, dass die tief zerrissene Gesellschaft in Maßen eint.  

          Saison soll verlängert werden

          Nun sahen Khan und das Militär, das immer noch die Fäden im Hintergrund zieht, die Möglichkeit, den Kampf gegen beide Herausforderungen zu verbinden. Pakistan steuert offiziell auf 15.000 Corona-Kranke zu – inoffiziell liegt die Zahl wesentlich höher. Denn das Land kann nur wenige Tests durchführen. Oft heißt es, die auch von seinem Partner China gelieferten Test-Kits seien fehlerhaft. Viele verbleiben in den Reihen des Militärs und erreichten das Volk nie. Zunächst hatte die Regierung das Pflanzprogramm unterbrochen, um die Ansteckungen mit dem Virus zu verringern.  

          Inzwischen aber sollen schon fast 70.000 Menschen zusätzlich als Pflanzer in Corona-Zeiten arbeiten, berichtet die Agentur Reuters. Die Pflanz-Saison soll bis Ende Juni verlängert werden, um den Armen länger Arbeit zu geben. Die Dorfverwaltungen sind angewiesen, ihnen eine besondere Ausgangsgenehmigung zu erteilen. Einen ähnlichen Schein erhalten Lastwagenfahrer, die die Setzlinge in die Orte bringen. Ein Großteil der Pflanzungen geht rund um die Hauptstadt Islamabad voran. Besonders berücksichtigt sollen Frauen werden und Wanderarbeiter, die in der Krise zurück in ihre Dörfer gezogen sind. Alle Arbeiter sollen Masken tragen und Abstand voneinander halten – für manche dürfte es das erste Mal sein, dass sie überhaupt eine Maske bekommen. Für die Arbeit als Pflanzer, als Waldwächter, oder als Feuerwehrmann bei Waldbränden sollen sie rund 500 Rupien (2,83 Euro) am Tag erhalten – das entspricht in etwa dem gesetzlichen Mindestlohn ohne alle üblichen Zulagen und reicht gerade zum Überleben.  

          Zu Beginn des Programms kam es durchaus zu Morden an Waldwächtern, weil das illegale Holzschlagen in Südasien verbreitet ist. Rund 40 Prozent der staatlichen Landflächen sollen von Landräubern, oft einflussreichen Lokalpolitikern, erobert worden sein. Umweltaktivisten aber berichten, dass Regierungsprogramm habe bei vielen Menschen ein neues Bewusstsein für die Klimaprobleme geweckt. An vielen Stellen im Land verweisen inzwischen große grüne Hinweistafeln auf die neuen Pflanzungen. 

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