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Otto Rehhagel wird 75 : Der Fußball-Extremist

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Respekt und Zuneigung

Mit seiner Beate ist Otto noch immer glücklich verheiratet. Und die Griechen haben ihn auch nicht aus dem Land gejagt, sondern zum Volkshelden erkoren. Nicht nur, weil er 2004 deren Nationalmannschaft zum Europameistertitel führte, sondern weil sie von der Herzensgüte, der Ehrlichkeit, Loyalität und Solidarität des Deutschen betört waren. Rehhagel ist Ehrenbürger Athens und begleitete eine Delegation des deutschen Parlaments im vergangenen März nach Griechenland, um die Beziehungen zu verbessern. Die Aktion wurde als voller Erfolg bewertet.

Der andere Rehhagel klingt so: „Ihre Gedanken, die Sie jetzt haben, die kenne ich. Ich bin viel älter als Sie. Alles, was Sie im Kopf haben, das weiß ich längst, bevor Sie es ausgesprochen haben.“ So reagierte Rehhagel auf eine junge Journalistin, die es gewagt hatte, vor dem EM-Finale eine nur halbwegs kritische Frage zu stellen.

Seinen Spielern begegnete er mit Respekt und Zuneigung. Selbst ein enfant terrible wie Mario Basler zollte seinem Trainer Hochachtung: „Ich hätte mir keinen besseren Trainer zu Beginn meiner Karriere wünschen können. Er war damals für mich wie eine kleine Vaterfigur. Im Zwischenmenschlichen liegt sein großer Vorteil. Er ist immer ganz stark auf mich eingegangen und hat immer mit seiner menschlichen Art versucht, alles aus mir rauszukitzeln.“ Ein Beispiel dafür ist, wie er auf seinen Bremer Abwehrchef Michael Kutzop einging, der 1986 einen Elfmeter verschoss und damit Bayern München zum Meister machte und nicht Werder. Kutzop kam darüber nicht hinweg, und Rehhagel nahm ihn sich zur Seite. „Passen Sie mal auf, der Ball, der am Tor vorbeiging, ist jetzt schon hinter dem Mond. Der fliegt immer weiter und kommt nie mehr zurück. Das müssen Sie endlich verstehen.“ Rehhagel sagte einmal: „95 Prozent meiner Spieler merken, dass ich meine Spieler liebe.“ Und das, obwohl er sie gerne siezte oder sie als Gruppe manchmal mit „Meine Herren“ ansprach.

Mit Beate auf der Tribüne

Die Endlichkeit des Fußballerdaseins war ihm immer bewusst. Einmal forderte er seine Spieler auf, während des Trainings sich einen einsamen Zuschauer anzusehen. „Der wurde mal mit Schalke Meister, heute schaut er nur noch zu. Da werdet ihr auch mal stehen, nutzt die Zeit bis dahin.“ Dieser Abstand gestattete es Rehhagel, mit den größten Triumphen und herbsten Enttäuschungen umzugehen. Europameister mit Griechenland 2004, Europapokalsieger und deutscher Meister mit Werder Bremen, deutscher Meister mit Aufsteiger Kaiserslautern, die Rekordniederlage von 0:12 als Trainer von Borussia Dortmund gegen Mönchengladbach, das Scheitern bei Bayern München nach zehn aufreibenden Monaten in der Schickeria-Stadt - zwischen diesen Extremen bewegte sich seine Trainerkarriere.

Seine Prognose erfüllte sich nicht: „Mit 50 bist du als Fußball-Trainer reif für die Klapsmühle. Wenn du genug Geld verdient hast, kannst du wenigstens erster Klasse liegen.“ Rehhagel wird an diesem Freitag 75 und erfreut sich bester körperlicher und geistiger Gesundheit. Den Fußball, seine große Liebe, verfolgt er noch immer, gemeinsam mit seiner zweiten großen Liebe, Frau Beate, für die er gewöhnlich eine Ehrentribünenkarte mitbestellt.

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