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Obamas später Konter : Romney verbirgt seine wahren Ziele

  • -Aktualisiert am

Barack Obama: „Wenn man Präsident werden will, dann schuldet man dem amerikanischen Volk die Wahrheit“ Bild: AFP

In seiner ersten öffentlichen Reaktion nach seinem schwachen Abschneiden in dem Rededuell am Vorabend hat Barack Obama seinem Kontrahenten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf Mitt Romney der Lüge bezichtigt.

          5 Min.

          Präsident Barack Obama hat dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney am Donnerstag vorgeworfen, im ersten Fernsehduell vor 60 Millionen Fernsehzuschauern am Mittwochabend seine politischen Absichten verschleiert zu haben.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          „Wenn man Präsident werden will, dann schuldet man dem amerikanischen Volk die Wahrheit“, sagte er in seiner ersten öffentlichen Reaktion nach seinem schwachen Abschneiden in dem Rededuell am Vorabend. Romney habe nicht sein wahres Gesicht gezeigt, ergänzte Obama: „Als ich auf die Bühne kam, traf ich diesen sehr schwungvollen Kollegen, der behauptete, Mitt Romney zu sein“, sagte Obama. Doch habe der „echte Romney“ andere Ziele.

          Der Fluch der ersten Debatte

          Es scheint ihn wirklich zu geben, den Fluch, der in der ersten Debatte auf dem Favoriten lastet. Vor fünf Jahrzehnten wurde das Fernsehduell in den amerikanischen Wahlkampf eingeführt. 1960 gewann ein jugendlich federnder, sonnengebräunter John F. Kennedy als krasser Außenseiter die allererste Fernsehdebatte gegen den Republikaner Richard Nixon, der für die Wahl ins Präsidentenamt wie prädestiniert schien. Nixon trat aber schlecht rasiert, verschwitzt und abgespannt vor die Kameras. Er verlor nicht nur das Fernsehduell, sondern auch die Wahlen.

          Nixon, dem acht Jahre später doch noch der Sprung ins Weiße Haus gelingen sollte, nahm nie wieder an einer Fernsehdebatte teil. Erst 1976 gab es wieder ein Fernsehduell - zwischen dem republikanischen Präsidenten Gerald Ford und dem demokratischen Herausforderer Jimmy Carter. Carter gewann die Fernsehdebatte und später die Wahl. Vier Jahre später wurde Präsident Carter selbst vom Fluch des Amtsträgers eingeholt: Er verlor vor den Kameras wie später an den Urnen gegen seinen republikanischen Herausforderer Ronald Reagan.

          Präsident George H. W. Bush hatte 1992 keine Chance im Rededuell vor den Kameras gegen den Demokraten Bill Clinton (und den unabhängigen Kandidaten Ross Perot) - und er verlor die Wahl. Vizepräsident Al Gore wirkte 2000 im Fernsehduell gegen den republikanischen Herausforderer George W. Bush überheblich und hölzern. Auch er schaffte es nicht ins Oval Office.

          Hochzeitstag mit Mitt: Romney und Obama begrüßen sich vor der Debatte in Denver

          Und jetzt Barack Obama? Der Präsident wirkte im ersten Fernsehduell mit seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney kraftlos, schien sich über die gesamten 90 Minuten nicht wohlzufühlen hinter dem Rednerpult. Die Gesichtszüge waren angespannt, der Blick oft nach unten gerichtet. Obama vermochte es in Denver nicht, jenes Feuer in sich zu entzünden, das er bei Wahlkampfauftritten vor seinen Anhängern zuverlässig zum Lodern bringt. Mitt Romney dagegen war aggressiv und verbindlich zugleich. Er wandte seinen Blick keine Sekunde vom Präsidenten ab, als er dessen Regierungsbilanz der vergangenen vier Jahre in allen Einzelheiten zerpflückte, während Obama kaum je zu Romney zurückschaute.

          Schon bei den Eingangssätzen, die nichts mit den wirtschafts- und finanzpolitischen Themen des Abends zu tun hatten, konnte Romney den ersten Erfolg verbuchen. Der Präsident und First Lady Michelle Obama feierten ausgerechnet am Tag der ersten Fernsehdebatte des Wahlkampfes 2012 ihren Hochzeitstag. Obama gab artig eine Liebeserklärung ab, erinnerte an jenen Tag vor 20 Jahren, „als er zum glücklichsten Mann auf der Welt wurde, weil Michelle Obama mir das Jawort gab“. Mitt Romneys beglückwünschte das Paar ordnungsgemäß und fügte hinzu: „Ich bin sicher, dies ist der romantischste Ort, den Sie sich zum Feiern vorstellen konnten - hier mit mir.“ Der Präsident lachte. Der Saal lachte.

          Die Steuerpolitik stand im Mittelpunkt des ersten Duells.

          Natürlich hatte Romneys Stab diese Geste geplant. Überhaupt wirkte der Herausforderer besser vorbereitet war als der Präsident. Sollte dieser darauf gesetzt haben, dass Romney sich einen Fehltritt leistet, dann hätte er sich verrechnet. Dabei kommt es vor 60 Millionen Fernsehzuschauern auf die Verpackung vielleicht am meisten an. James Carville, der legendäre Wahlkampfstratege Bill Clintons, brachte den Abend auf den Punkt: Der Herausforderer habe den Eindruck hinterlassen, dass er mit jeder Faser seines Wesens genau an diesem Ort habe sein wollen; der Präsident habe den Anschein erweckt, er wäre lieber anderswo.

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