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Sentinelesen-Opfer : Leiche des getöteten Missionars wird nicht geborgen

North Sentinel Island aus der Luft Bild: AP

Seitdem ein Missionar auf North Sentinel mit Pfeil und Bogen getötet wurde, haben die Behörden versucht, sich der Insel zu nähern. Jetzt sagen sie: „Wir wollen eine direkte Konfrontation mit den Stammesangehörigen vermeiden.“

          Die indischen Behörden haben vorerst aufgegeben, die Leiche des auf den Andamanen-Inseln getöteten Amerikaners zu bergen. „Wir wollen eine direkte Konfrontation mit den Stammesangehörigen vermeiden“, sagte Dependra Pathak von der Polizeistelle, die für die Inselgruppe im Golf von Bengalen zuständig ist, dem Sender CNN. Seit dem Tod des 27 Jahren alten John Allen Chau hatten sich die indischen Behörden mehrfach der Insel North Sentinel genähert, auf der Chau vor mehr als zehn Tagen getötet worden sein soll. Die Insel wird von einem isoliert lebenden Volk, den sogenannten Sentinelesen, bewohnt. Um sie zu schützen, gilt eigentlich eine Sperrzone um die Insel.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Zuvor hatten Forscher und Aktivisten davor gewarnt, das Risiko einer Bergung des Leichnams einzugehen. Jeder derartige Versuch sei „unglaublich gefährlich“, sagte Stephen Corry, Leiter der Organisation Survival International. Das Risiko einer tödlichen Epidemie durch Grippe, Masern oder andere Krankheiten steige für die Insulaner mit jedem Kontakt. Am Samstag waren indische Polizisten mit einem Boot bis zu 400 Meter vor die Insel gefahren. Durch Ferngläser sahen sie mit Pfeil und Bogen bewaffnete Ureinwohner am Ufer. „Sie starrten uns an und wir schauten zu ihnen herüber“, sagte Pathak der Nachrichtenagentur AFP.

          In den ersten Tagen sei versucht worden, den Leichnam zu finden. „Wir kennen den ungefähren Ort, wo der Leichnam hingebracht worden war, aber nicht genau“, sagte ein Behördenvertreter. Demnach hatte am Montag ein Treffen verschiedener Behörden stattgefunden, darunter der Polizei und der mit den Regierungsstellen, die mit den Belangen indigener Völker betraut sind. Dabei sei entschieden worden, die Bergung zunächst einzustellen, weil das Risiko für beide Seiten zu hoch sei.

          Schon auf frühere Kontaktversuche hatten die Sentinelesen meist mit dem Abschießen von Pfeilen beantwortet. So war nach dem Tsunami im Jahr 2004 ein Hubschrauber mit Pfeilen beschossen worden. Er sollte prüfen, ob die Inselbewohner die Riesenwelle überlebt hatten. Im Jahr 2006 wurden außerdem zwei Fischer getötet, deren Boot an das Ufer getrieben war. Indische Forscher hatten bis in die neunziger Jahre auch mehrere Kontaktversuche unternommen, bei denen sie den Sentinelesen Kokosnüsse geschenkt hatten.

          Gruppen wie Survival International sind allerdings der Ansicht, dass es für den Schutz solcher Völker besser ist, sie in Ruhe zu lassen. Die Sentinelesen gehören zu den „unkontaktierten“ Völkern. Über ihre Lebensweise und Sprache gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Ihre Bevölkerung wird auf 50 bis 100 Menschen geschätzt. Der Amerikaner hatte sich auf die Insel begeben, um zu missionieren. Er hatte sich gegen Geld von Fischern in die Nähe bringen lassen und war dann mit einem Kajak wiederholt auf die Insel gefahren. „Mein Name ist John. Ich liebe euch und Jesus liebt euch“, rief den Ureinwohnern laut seiner Aufzeichnungen zu, die er den Fischern gegeben hatte und die an die Presse weitergegeben wurden.

          Darauf hatte ein Insulanern einen Pfeil auf ihn geschossen, der in seiner Bibel stecken blieb. Dennoch kehrte der Amerikaner etwas später auf die Insel zurück. Am 17. November sahen die Fischer, wie die Sentinelesen einen menschlichen Körper, der von Statur und Kleidung dem Amerikaner ähnelte, über den Strand zogen und vergruben. Die Polizei geht deshalb davon aus, dass er von einem Pfeil getroffen wurde.

          Die Amerikaner nahmen sieben Männer fest, die ihm geholfen hatten, auf die Insel zu gelangen. Survival International gibt den Behörden eine Mitschuld an dem Vorfall. Sie hatten Wochen zuvor einen Teil der Beschränkungen für Touristen auf den Andamanen-Inseln aufgehoben. Obwohl die Inseln weiter durch andere Gesetze geschützt sind, habe dies die falsche Botschaft ausgesendet.

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