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Nordkorea-Konflikt : Wie wütend ist Trump wirklich?

  • -Aktualisiert am

Dieses aufblasbare Gummi-Huhn steht als Protest gegen Trump in einem Park nahe dem Weißen Haus in Washington. Bild: AFP

Amerikas Präsident droht Nordkorea mit „Feuer und Zorn“. In Washington ist man unsicher, ob er das Land wirklich angreifen dürfe. Manche sehen hinter seinen Drohungen einen Plan.

          Nach einigen Tagen der verbalen Eskalation präzisiert Nordkorea nun seine Angriffspläne: Man erwäge einen konkreten Plan für Raketenabschüsse in Richtung der Insel Guam, auf der amerikanische Truppen stationiert sind. Mitte August könnten vier Raketen vom Typ Hwasong-12 einsatzbereit sein – sie würden dem Plan zufolge vor der Insel ins Meer abgefeuert werden – als ernsthafte Warnung an die Amerikaner – hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

          Trump hatte Nordkorea zuvor gewarnt: Wenn das Land weiter Drohungen gegen Amerika ausspreche, werde man antworten „mit Feuer und Zorn, so wie die Welt es noch nicht gesehen hat“. Am Mittwoch schreib Trump auf Twitter: „Mein erster Befehl als Präsident war es, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren. Jetzt ist es weit stärker und kraftvoller als jemals zuvor.“ Die „Washington Post“ und zahlreiche Militärexperten in den Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass diese Aussage unwahr sei. Die Modernisierung der nuklearen Triade Amerikas hatte noch der ehemalige Präsident Barack Obama in Auftrag gegeben. Was Trump in Auftrag gegeben hatte, war lediglich eine Studie, die bisher noch nicht fertiggestellt wurde.

          Trumps Glaubwürdigkeitsproblem

          Nordkorea hat nach Meinung vieler Experten seine Drohungen der letzten Wochen immer auf einen Militärschlag der Amerikaner bezogen: Falls dieser nicht erfolge, sei das alles nur die übliche scharfe Rhetorik des Machthabers Kim Jong-un. Trump dagegen habe mit seiner Ankündigung von „Feuer und Zorn“ das bislang Bekannte überschritten – und sich dabei auch in ein Glaubwürdigkeitsdilemma gebracht. In einer Sprache, die der der nordkoreanischen Führung in nichts nachsteht, warnte er das Regime schließlich vor „weiteren Drohungen“. Die hat Nordkorea aber auch danach wieder ausgesprochen. Wenn Trump also eine „rote Linie“ definieren wollte, wie einige meinen, dann wurde sie mit den Drohungen gegen Guam ohne Konsequenzen überschritten. Abschreckung funktioniert nur, wenn man „nur so viel androht, wie man auch zu tun bereit ist“, warnte Arizonas republikanischer Senator John McCain. Die Drohung von Mattis mit der „Vernichtung“ des Landes ist rhetorisch nun eine weitere Eskalation und konterkariert die Bemühungen der letzten Wochen.

          Die amerikanische Regierung hatte eigentlich im Rahmen der bisherigen diplomatischen Zielsetzungen erfolgreich gehandelt, indem sie die Sanktionen im UN-Sicherheitsrat mit durchsetzte und wiederholt erklärte, man sei zu Verhandlungen bereit. Außenminister Rex Tillerson hatte noch nach dem letzten Raketentest Nordkoreas an das Regime gerichtet gesagt: „Wir sind nicht Ihr Feind, wir sind keine Bedrohung für Sie.“ Am 1. August bekräftigte Tillerson diese Haltung auf einer Pressekonferenz: „Wir streben keinen Regimewechsel an, wir zielen nicht auf einen Zusammenbruch des Regimes ab, wir bemühen uns nicht um eine beschleunigte Wiedervereinigung der (koreanischen) Halbinsel, wir suchen nicht nach einer Entschuldigung, unsere Truppen nördlich des 38. Breitengrades zu schicken.“ Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich Tillersons grundsätzliche Position in dieser Hinsicht geändert hat.

          Trumps „Feuer und Zorn“ versuchte sein Ministerium jedenfalls herunterzuspielen, indem es erklärte, Trump habe lediglich eine Sprache gebraucht, die Kim Jong-un verstehe. Und Verteidigungsminister James Mattis selbst sagte noch Anfang Juli, die Tatsache allein, dass Nordkorea eine Interkontinentalrakete abfeuern könne, bringe die beiden Staaten noch nicht in die Nähe eines Krieges. Die amerikanische Zurückhaltung verhindere das, so Mattis. Nun scheint der Verteidigungsminister eine neue Situation zu sehen, die seine Rede von der drohenden „Vernichtung“ rechtfertigt.

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