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F.A.Z.-Newsletter : Die Mutter aller Verschwörungsmythen

Unser Autor: Oliver Georgi Bild: Robert Wenkemann

Nach der unfassbaren Katastrophe von Beirut wird nun die Schuldfrage immer lauter. Wie gefährlich die QAnon-Bewegung ist und was am Freitag sonst noch wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.

          3 Min.

          Auch nach drei Tagen sieht man die Bilder aus Beirut und kann kaum fassen, mit welcher Wucht die gewaltige Detonation im Hafen das Land noch näher an den Abgrund gebracht hat. Die internationale Solidarität mit Libanon ist so groß wie die Hoffnung, dass das Land jetzt nicht vollends ins Chaos abstürzt – auch geopolitisch wäre das für den Nahen Osten verheerend. Das machte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag deutlich, als sie betonte, welche Bedeutung die EU der „Einheit und Stabilität“ des Libanon beimesse. Doch einstweilen sind in Beirut erst einmal gegenseitige Schuldzuweisungen entbrannt, wie mein Kollege Rainer Hermann heute in der F.A.Z. berichtet: Wer trägt die Verantwortung für die Katastrophe? Die Hafenverwaltung? Die Zollbehörde? Die Betreiber eines russischen Schiffes mit Namen „MV Rhosus“, das unter moldawischer Flagge von Georgien nach Moçambique unterwegs war und das hochexplosive Ammoniumnitrat 2013 nach Beirut gebracht hatte? Unser Korrespondent Christoph Ehrhardt, der mit seiner Familie in Beirut lebt, schildert in seinem Stück, wie das Land nach der Katastrophe um seine Zukunft ringt – und Lena Bopp hat sich für das Feuilleton auf eine Spurensuche durch die zerstörte Stadt gemacht – ein eindrückliches Stück, das Sie hier nachlesen können.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Was macht eigentlich Karl-Theodor zu Guttenberg? Es gab Zeiten, da war diese Frage Legion – nachdem der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister sich 2011 wegen seiner Plagiatsaffäre aus der deutschen Politik zurückgezogen hatte und fortan im amerikanischen Exil lebte. Einige Jahre blieb es um „den K.T.“, wie seine Fans in seiner Heimat Kulmbach bis heute sagen, völlig still; er war abgeschrieben. Erst nach und nach wagte sich der gefallene Lieblingssohn des politischen Boulevards wieder mit Gastbeiträgen, spärlichen Interviews und transatlantisch-weltmännischen Ratschlägen aus der Deckung, bis sein langjähriger Förderer und Gönner Horst Seehofer ihn 2017 de facto rehabilitierte, als er ihn vor der Bundestagswahl wieder als Minister ins Spiel brachte. Seit einer geraumen Weile geht „K.T.“ im politischen Berlin wieder ein und aus, wie die Affären um Philipp Amthor und den IT-Dienstleister „Augustus Intelligence“ und auch die um das Desaster um Wirecard gezeigt haben. Meine Kollegen Eckart Lohse und Timo Frasch zeichnen in ihrem lesenswerten Stück heute nach, wie sehr zu Guttenberg längst wieder in Berlin vernetzt ist, bis hin zur Bundeskanzlerin – und stellen die Frage, um die Guttenbergs Fans und Gegner schon seit Jahren kreisen: Plant er ein politisches Comeback – und würde man es ihm gewähren?

          Als am vergangenen Sonntag in Berlin Tausende gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen, befanden sich unter ihnen auch Rechtsextreme, Reichsbürger und Anhänger von Verschwörungsmythen wie der QAnon-Bewegung. Insbesondere seit Beginn der Pandemie verbreitet sich der aus den Vereinigten Staaten stammende Verschwörungsmythos rasant. Doch was steckt eigentlich hinter QAnon? Und wie gefährlich ist der Mythos für Deutschland? Darüber hat meine Kollegin Sandra Klüber im F.A.Z.-Podcast für Deutschland unter anderem mit Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung gesprochen. Der verrät dort unter anderem, warum QAnon so etwas wie „die Mutter aller Verschwörungsideologien“ ist.

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          Und sonst: Veröffentlicht das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung über die Klage mehrerer kreisfreier Städte in Nordrhein-Westfalen. Sie wehren sich dagegen, im Bereich der Sozialhilfe auch für sogenannten Leistungen für Bildung und Teilhabe zuständig zu sein und sehen das Recht auf kommunale Selbstverwaltung verletzt. Wird in Frankfurt der Prozess um den mutmaßlich rechtsextremistisch motivierten Mord am früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke fortgesetzt. Beginnt in Kabul die Große Ratsversammlung Loja Dschirga, bei der unter anderem die Frage eines Gefangenenaustauschs mit den Taliban geklärt werden soll. Entscheidet in Brüssel ein Gericht über einen Europäischen Haftbefehl gegen den früheren katalanischen Kulturminister Lluís Puig. Puig war nach dem Unabhängigkeitsreferendum 2017 in Katalonien mit dem früheren katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und anderen Ministern ins belgische Exil gegangen.

          Die Nacht in Kürze

          Zum zweiten Mal in Folge meldet das RKI mehr als 1000 Corona-Neuinfektionen. Bundesgesundheitsminister Spahn beruhigt: Das Gesundheitssystem könne damit umgehen.

          Der Wirtschaftsrat der CDU fordert ein Reiseverbot in Corona-Risikogebiete. Man dürfe keinen zweiten Lockdown in Deutschland riskieren.

          Trump geht gegen die chinesischen Apps Wechat und Tiktok vor. Per Dekret verbietet er Amerikanern, mit den Eigentümern Geschäfte zu machen.

          Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James möchte eine der mächtigsten amerikanischen Lobbyorganisationen, die NRA, auflösen lassen. Die Verantwortlichen hätten die Waffenlobby geplündert wie ihr „persönliches Sparschwein“.

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