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F.A.Z. Frühdenker : Muss die „Judensau“-Plastik in Wittenberg doch entfernt werden?

„In Stein gemeißelter Antisemitismus“: die mittelalterliche Schmähskulptur  an der Außenwand der Stadtkirche Sankt Marien in Wittenberg Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 10:29

„In Stein gemeißelter Antisemitismus“: die mittelalterliche Schmähskulptur an der Außenwand der Stadtkirche Sankt Marien in Wittenberg Bild: dpa

Im Streit um die antijüdische Schmähplastik an der Wittenberger Stadtkirche fällt das BGH-Urteil. Die Deutschen wollen auch beim Urlaub sparen. Und: Sensationeller Fund vor der britischen Küste. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter.

          7 Min.

          Das Wichtigste für Sie an diesem Dienstag:

          Tatjana Heid
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          1. BGH urteilt zu antijüdischem Schweine-Relief
          2. Bauerntag blickt auf die Auswirkungen des Ukrainekrieges
          3. Die Deutschen wollen beim Urlaub sparen
          4. Jede zweite Kita kann ihre Kapazitäten nicht ausschöpfen
          5. Mélenchon zweifelt Wahlergebnis an
          6. Wrack der HMS Gloucester entdeckt

          7. Deutschland trifft in der Nations League auf Italien

          Sie können den F.A.Z. Frühdenker auch hören – hier geht es zum Podcast

          Der sechste Zivilsenat des Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eröffnet die Verhandlung über die Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg in Sachsen-Anhalt.
          Der sechste Zivilsenat des Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eröffnet die Verhandlung über die Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg in Sachsen-Anhalt. : Bild: dpa

          1. BGH urteilt zu antijüdischem Schweine-Relief

          Seit vier Jahren wird juristisch darüber gestritten, jetzt will der Bundesgerichtshof seine Entscheidung verkünden. Muss das antijüdische Sandsteinrelief an der Wittenberger Kirche entfernt werden?

          Streit: Bei dem Rechtsstreit geht es um eine als „Judensau“ bezeichnete Schmähplastik an der Stadtkirche in Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Der Kläger will, dass die Plastik entfernt wird. Er sieht darin ein Beispiel für die Verfehlungen der Kirche im Umgang mit Juden. In der mündlichen Verhandlung vor zwei Wochen sagte der Vorsitzende Richter Stephan Seiters, für sich betrachtet sei das Relief „in Stein gemeißelter Antisemitismus“.

          Relief: Das Relief aus dem 13. Jahrhundert zeigt eine Sau, an deren Zitzen zwei Menschen saugen. Durch Spitzhüte sollen sie als Juden identifiziert werden. Eine Figur – die laut BGH einen Rabbiner darstellt – hebt den Schwanz des Tieres und schaut ihm in den After. Im jüdischen Glauben gelten Schweine als unrein. Die Stadtkirchengemeinde bezeichnet das Relief als „ein schwieriges Erbe, aber ebenso Dokument der Zeitgeschichte“.

          Vorinstanzen: Das Oberlandesgericht Naumburg und das Landgericht Dessau-Roßlau haben die Klage zuvor abgewiesen. Grund war unter anderem die Erklärtafel in der Nähe der Abbildung, die auf den Kontext verweist. Schmähplastiken dieser Art seien besonders im Mittelalter verbreitet gewesen, heißt es dort unter anderem. Aus Sicht des Klägers reicht das nicht aus. Er hat bereits angekündigt, den juristischen Weg voll auszuschöpfen und im Zweifel vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.

          Nächtliche Ernte: ein Feldhäcksler arbeitet unter dem Einsatz von Scheinwerferlicht auf einem Feld am Stadtrand von Leipzig
          Nächtliche Ernte: ein Feldhäcksler arbeitet unter dem Einsatz von Scheinwerferlicht auf einem Feld am Stadtrand von Leipzig : Bild: dpa

          2. Bauerntag blickt auf die Auswirkungen des Ukrainekrieges

          An diesem Dienstag beginnt der Deutsche Bauerntag in Lübeck. Auch die angespannte Lage auf den weltweiten Agrarmärkten ist Thema.

          Getreide: Bei dem zweitägigen Verbandstreffen mit rund 450 Delegierten dürfte es unter anderem darum gehen, wie sich die Lage auf den weltweiten Agrarmärkten durch Produktionsausweitungen in Deutschland abmildern lassen könnte. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hat bereits ermöglicht, dass in diesem Jahr Gras und Pflanzen von bestimmten „ökologischen Vorrangflächen“ als Futter genutzt werden dürfen. Der Bauernverband sprach sich jedoch dafür aus, zusätzliche Flächen zum Lebensmittelanbau zu verwenden. Viele Höfe leiden derzeit unter gestiegenen Kosten – unter anderem für Energie und Düngemittel.

          Energie: Die Politik diskutiert, was sich gegen die hohen Preise an den Tankstellen unternehmen lässt – nachdem der Tankrabatt nicht die gewünschte Wirkung entfaltet hat. Nach einem kurzzeitigen Rückgang zu Beginn des Monats bewegen sich die Preise wieder aufwärts – trotz der gesenkten Steuern auf Diesel und Benzin. Für den Automobilklub ADAC steht fest: „Die Steuersenkung landet zum großen Teil bei den Mineralölkonzernen.“

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