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F.A.Z. Frühdenker : Wie weiter in der Pandemie?

Modellprojekt in Thüringen: Wer einen kostenlosen Test macht, bekommt das Ergebnis bescheinigt. Damit kann man in Läden, zum Friseur oder auch in den Biergarten. Bild: dpa

Die Ruhetage an Ostern sind gestrichen, jetzt kommen mögliche Verbote von Urlaubsreisen ins Spiel. Die EU debattiert über Impfstoff-Gerechtigkeit. Und in Köln sorgt ein zurückgehaltenes Gutachten für Aufsehen. Der Newsletter für Deutschland.

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          Das Wichtigste für Sie an diesem Donnerstag: Nachdem die Kanzlerin die Osterruhe gekippt hat, sind vorübergehende Verbote von Urlaubsreisen im Gespräch. Die EU ringt um die Impfstoffverteilung. Und in Köln gewährt Kardinal Woelki Einsicht in ein zurückgehaltenes Gutachten.

          Rebecca Boucsein
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          1. Wie geht es weiter nach Merkels Notbremse?
          2. Wie gerecht ist der Impfstoff in der EU verteilt?
          3. Gemeinsam gegen Peking
          4. KSK soll wieder eingesetzt werden
          5. Kein Wahlsieg für Netanjahu
          6. Woelki gewährt Einsicht in zurückgehaltenes Gutachten

          7. Löw nimmt keine Rücksicht mehr

          Hat den Osterruhe-Beschluss nach heftiger Kritik als Fehler bezeichnet und ihn zurückgenommen: Kanzlerin Angela Merkel
          Hat den Osterruhe-Beschluss nach heftiger Kritik als Fehler bezeichnet und ihn zurückgenommen: Kanzlerin Angela Merkel : Bild: dpa

          1. Wie geht es weiter nach Merkels Notbremse?

          Nachdem die Kanzlerin die Ruhetage an Ostern zurückgenommen und als Fehler bezeichnet hat, prüft die Regierung ein vorübergehendes Verbot von Urlaubsreisen. Und das Saarland versucht, mit einer großangelegten Test-Strategie aus dem Lockdown zu kommen.

          Osterruhe: Die Idee, die dritte Welle der Corona-Pandemie mit zusätzlichen Maßnahmen wie Ruhetagen über Ostern brechen zu wollen, sei nicht falsch, sondern von „besten Absichten„ geprägt gewesen, sagte die Kanzlerin. Sie habe sich in der Kürze der Zeit aber nicht verwirklichen lassen. „Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler.“ Merkel entschuldigte sich damit für einen Beschluss, den sie zusammen mit den Ministerpräsidenten gefällt hatte. Die Osterruhe sollte am Gründonnerstag beginnen und sah vor, dass bis einschließlich Ostermontag das öffentliche Leben bis auf wenige Ausnahmen völlig heruntergefahren wird. Gründonnerstag und der Karsamstag sollten dafür zu Ruhetagen erklärt werden. Die Kritik war massiv und laut ausgefallen. Das Wirrwarr um den Oster-Lockdown hat auch bei vielen Bürgern weiter Vertrauen in die Regierung zerstört, wie auch eine Leserdiskussion zeigte.

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          Urlaubsreisen: Merkels Notbremse bei den Osterbeschlüssen verdeutlicht: Es fehlt die gradlinige Strategie im Kampf gegen das Virus. Um die Ausbreitung zu stoppen, kommt nun ein mögliches Verbot für bestimmte Urlaubsreisen ins Spiel. Die Bundesregierung prüfe, Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland vorübergehend zu unterbinden, hieß es aus Berlin. Die SPD lehnte ein echtes Reiseverbot umgehend ab.

          Mehr Tests: Noch wird in Deutschland viel zu selten auf das Coronavirus getestet. Das liegt teilweise an zu wenig Infrastruktur zum Beispiel an Schulen. Es liegt aber auch daran, dass es kaum Anreize gibt, sich testen zu lassen, glaubt das Gesundheitsministerium des Saarlands. Das Bundesland will Modell werden. Nach Ostern soll ein Besuch der Außengastronomie, von Kinos und Fitnessstudios ähnlich wie bereits in Tübingen mit negativem Testergebnis möglich sein. Der Zuspruch werde so enorm zunehmen. Regelmäßige Tests böten die Chance, „vorsichtige Schritte aus dem Lockdown zu gehen“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans der F.A.Z.

          Wer bekommt wie viel Impfstoff? Die EU hat im Ringen um das knappe Gut die Export-Kontrolle verschärft.
          Wer bekommt wie viel Impfstoff? Die EU hat im Ringen um das knappe Gut die Export-Kontrolle verschärft. : Bild: AFP

          2. Wie gerecht ist der Impfstoff in der EU verteilt?

          Ein Impfstoffdepot in Italien sorgt für Aufregung. Und Ursula von der Leyen will an diesem Donnerstag den EU-Staats- und -Regierungschefs die verschärften Regeln für Export-Kontrollen für Vakzine vorstellen.

          Gerechtigkeit I: Der Impfstoff in der EU ist nicht fair verteilt: Mit dieser These hat Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz eine Debatte angefacht, die in Brüssel beim virtuellen Treffen des Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag eigentlich niemand führen will, wie es aus Diplomatenkreisen heißt. Im Kern geht es bei Kurz‘ Kritik darum, dass nicht alle Mitgliedstaaten ihren vollen Anteil an Impfstoffen abgerufen haben. Vor allem ärmere Länder haben die teureren Vakzinen von Pfizer/Biontech und Moderna wenig oder gar nicht bestellt. Im Hintergrund bemühen sich Diplomaten offenbar, die Ungleichgewicht zu beenden. Eine Lösung könnten die 10 Millionen Dosen Impfstoff von Pfizer/Biontech sein, die die EU-Kommission für das zweite Quartal zusätzlich für die EU organisiert hat.

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