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Neue ZDF-Dokureihe : Bedingt obdachlos

  • -Aktualisiert am

Von links nach rechts: Der Obdachlose Chang mit Hund Jimmy, Streetworkerin Asgard Niemeyer, Sozialarbeiter Guido Fahrendholz, Dr. Bernhard Hoppe (Freiwilliger): Nach 5 Tagen besuchen die beiden Szenekenner den Münchner Arzt, der den Tag gemeinsam mit einem Obdachlosen verbringt. Bild: von Glinski

Das ZDF setzt fünf Besserverdiener auf Berliner Straßen aus. Man fragt sich, was das soll. Sämtliche Vorurteile über Obdachlose werden bestätigt.

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          Guido Fahrendholz mustert seine Kandidaten: „Sind wir mal ehrlich: Eure Kleidung, das geht gar nicht. Ihr braucht dringend neue Klamotten.“ Nein, Fahrendholz ist kein metrosexueller Mode-Juror, der Nachwuchsmodels die Meinung sagt. Sein Revier, das sind die Straßen Berlins. Gemeinsam mit seiner Kollegin Asgard Niemeyer bereitet er vier wohlhabende Deutsche und einen Schweizer Millionär auf einen Rollentausch vor – jenseits jeglicher Berberromantik. „Reich und obdachlos“ ist gewissermaßen als Durchschlageübung für die Besserbetuchten konzipiert: Wo finde ich einen Schlafplatz? Wo bekomme ich etwas zu essen? Wo kann ich mich waschen, vor Kälte schützen – das Ganze mal mit, mal ohne Hilfe wahrhaftiger Obdachloser. Die dreiteilige ZDF-Dokumentarreihe „Reich und obdachlos“ (Buch und Regie: Karlo Malmedie und Birgit Tanner) führt Wohlsituierte neun Tage lang auf die Straße.

          Doch das Sozialexperiment hält kaum, was der Sender verspricht: „Neue Blicke auf die Ursachen von Armut und Obdachlosigkeit und auch ein Verständnis dafür, warum Menschen, die einmal „ganz unten“ sind, nur so schwer wieder auf die Beine kommen“. Tatsächlich ist es das, was es laut ZDF gerade nicht sein soll: ein „Selbsterfahrungsprojekt für Wohlhabende“, die den Zuschauer mit ihrer zeitweiligen Larmoyanz und Unbeholfenheit eher amüsieren statt nachdenklich zu stimmen.

          Klaus und Meckie (rechts) leben seit Jahren auf der Straße. Die beiden Freunde machen gemeinsam „Platte“.

          So durchzieht die Berliner Straßen eine Melange der Upper Class: ein Schweizer Textilmillionär, der sich mit einem Geschäftsmodell von der Gasse lieber in Hotelzimmer rettet. Er spielt den „bösen Buben“, der stets ein Ass im Ärmel hat. Eine Galeristin beginnt ihre Odyssee in Berlin-Mitte, zunächst recht mimosenhaft, später dann bemüht, das Geschehen von einer Meta-Ebene aus zu betrachten. Den Quotenadeligen bringt man zu den Arbeitern nach Wedding. Was der Bamberger Landgraf außer Schlafen und Biertrinken sonst noch in Berlin macht – man erfährt es nicht. Dem stromernden Münchner Facharzt haben schon die ersten 24 Stunden zugesetzt. Später verdient er sich an einem Marktstand etwas Kleingeld hinzu und bekennt, als das Betteln mit dem Pappbecher erfolglos bleibt: „Mir waren die auch scheißegal.“ Schließlich knickt der dandyhafte Brillendesigner zur Serienhälfte ein und verkriecht sich wieder in seinen Berliner Loft.

          Vollends zum Sozialklamauk verkommt die Geschichte, als die Besserverdiener leibhaftigen Wohnungslosen begegnen. Einzig der Arzt macht dann noch eine halbwegs passable Figur. Nach dem Gesehenen drängt sich weniger die Frage nach den Ursachen von Obdachlosigkeit auf. Vielmehr zweifelt man daran, ob sich zur Erfassung dieses sozialen Phänomens ein telemediales Format überhaupt eignet. Wo eine Kamera ist, herrschen schließlich andere Gesetze. Wahrscheinlich wäre es auch besser, ein solches Experiment mit Menschen aus der Mittelschicht zu probieren. Denn die gewählte Perspektive ist sicher die einer geblendeten Minderheit.

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