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Neue Bilder von Neo Rauch : Die Gespenster, die er rief

Die Bilder des Malers sind in den in Museen von München bis New York zu sehen. Vom Erfolg aber lässt er sich nicht beirren. Zwanzig neue Bilder zeigt jetzt seine Leipziger Galerie: Ein unbedingt geistreiches Rendezvous.

          Zum ersten Mal seit 2006 - oder lieber gleich: nach sieben Jahren, weil das magischer klingt - werden in der Leipziger Galerie Eigen + Art neue Bilder von Neo Rauch ausgestellt. Dazwischen liegt freilich manches: sein Auftritt 2007 im Metropolitan Museum in New York mit der Schau „para“ (die dann ins Max-Ernst-Museum nach Brühl ging), seine Doppel-Retrospektive 2010 unter dem Titel „Begleiter“, parallel zu sehen im Museum der bildenden Künste von Leipzig und in der Münchner Pinakothek der Moderne, oder 2012 die Eröffnung seiner Graphikstiftung in Aschersleben, mit der er der Stadt seiner Kindheit Dank sagt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          „Der Zeitraum“ hieß die Galerieausstellung in der Leipziger Baumwollspinnerei 2006; „Gespenster“ überschreibt Rauch seinen aktuellen Auftritt dort. Zwanzig neue Gemälde sind zu sehen, die meisten von ihnen gleich verkauft, kein Wunder, in europäische und amerikanische Sammlungen. Dass asiatische Kundschaft mit seiner Art, den Betrachter in Abgründe zu stürzen, nicht warm wird - obwohl er seit Jahren zum Liebling des internationalen Markts avanciert ist -, spricht, am Ende, für Neo Rauch, für seine Resistenz gegen Moden, für seine Obstinatheit, eine gewisse Renitenz auch. Weder lässt er sich vom ein wenig naiven Vorwurf, schrecklich „deutsch“ zu sein, beirren, noch macht er Zugeständnisse an leichtsichtige Lesbarkeit. Vor ungefähr zehn Jahren hat er für sich zu einem malerischen Gestus gefunden, den er seitdem exerziert. Wie befremdlich schwierig dieser Stil, selbst aus nachbarschaftlicher Nähe, sein kann, zeigt ein Artikel zur aktuellen Galerieausstellung in der französischen Zeitung „Le Monde“, der Neo Rauchs Schaffen noch einmal auf die Wirkmacht der Neuen Sachlichkeit in der ehemaligen DDR und auf Beckmann, Dix und Kokoschka zurückbiegt.

          Das ist gar nicht so abwegig, angesichts der neuen Bilder. Natürlich wird Rauch niemals seine Handschrift aufgeben, aber etwas ist doch anders jetzt: Es ist gewissermaßen mehr los auf den Großformaten, und die Belegschaft - unheimlich genug, nach wie vor - hat sich anscheinend ein wenig entspannt; manche stehen gradezu bequem im Bildgrund, der aber eine vielschichtig undurchschaubare Angelegenheit geblieben ist. Die Palette ist oft gedämpfter oder, wie auf unseren Abbildungen, quasi gefiltert, so dass ganze Farben abwesend sind. Auf „Der Landgang“ ist die Schlüpfrigkeit in mancherlei Hinsicht Thema, die zugleich die Rutschgefahr in den verschiedenen Ebenen des Werks ausmacht. Bei „Das Bannende“, dem ebenfalls alles reine Rot entzogen wird, ist der Künstler, ganz wörtlich: im Kreislauf seines Schaffens, festgehalten. Die grün angezogene Maskenfigur wirkt beinah wie ein guter Geist unter all diesen „Gespenstern“, die der Maler gerufen hat. Vom „Gewebe meiner privaten Ikonographie“ hat Neo Rauch einmal gesprochen, an dessen Netz spinnt er weiter. Dabei sind die sämtlich in diesem Jahr entstandenen Gemälde gewissermaßen gesprächiger als ihre Vorgänger.

          Am vorigen Dienstag ist wieder einmal ein Bild Rauchs in New York versteigert worden, „Tal“ von 1999. Der Zuschlag von 620 000 Dollar liegt, inklusive Aufgeld, im Bereich der Preisvorstellungen der Galerie. Neo Rauch ist nicht der Typ für den Sekundärmarkt und seinen gelinden Wahnsinn. Er macht weiter, wie es ihm gefällt. Seinen Rätseln stellt sich, wer das will. Auch so sieht Widerstand gegen die Diktatur des globalen Kapitals aus.

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