https://www.faz.net/-gpc-7ii4b

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Nationalmannschaft : Das deutsche Versprechen

Zumindest obenauf: Die deutsche Elf weckt in Schweden mehr Hoffnungen als Sorgen Bild: AFP

Vorwiegend heiter: Das Team von Bundestrainer Löw gefällt sich als Unterhaltungsmaschine. Und glaubt – trotz frischer Warnzeichen – mit Blick auf die WM: Es wird schon werden.

          3 Min.

          So vergnügt dürfte eine deutsche Nationalmannschaft lange keine drei Gegentore hingenommen haben. Heiterkeit war die vorherrschende Gemütslage, als der Tross des Deutschen Fußball-Bundes am Dienstagabend das Stadion in Solna bei Stockholm verließ. Und das nicht nur deshalb, weil im Teamhotel in der Innenstadt noch die Feierlichkeiten zu Bastian Schweinsteigers hundertstem Länderspiel und Mesut Özils 25. Geburtstag anstanden. Nein, auch das abermalige Spektakel mit schwedischer Beteiligung hatte den deutschen Spielern offenbar viel Freude bereitet.

          Philipp Lahm konnte sich nach dem 5:3 gut mit dem Begriff „Unterhaltungsmaschine“, der für die deutsche Mannschaft ins Spiel gebracht wurde, anfreunden. „Absolut“, sagte er dazu und bezog das ausdrücklich auch auf das eigene Empfinden auf dem Platz. Teammanager Oliver Bierhoff fand, dass man „die Fehler, die in diesem Spiel gemacht wurden, nicht zu kritisch sehen“ solle (wobei die Betonung auf „diesem Spiel“ lag). Nicht einmal Manuel Neuer störte sich ernsthaft an den Gegentreffern durch Hysen (6. und 69. Minute) und Kacaniklic (42.), obwohl er ganz allein und letztlich machtlos gegen die Torschützen stand. „Offenbar muss es gegen Schweden solche Eishockey-Ergebnisse geben“, sagte er trocken.

          Es wird schon werden. Das ist das, woran die deutschen Spieler im Hinblick auf die WM glauben. Oder was sie sich zumindest einreden. Der Jubilar Schweinsteiger gab sogar eine Art Abwehrversprechen für Brasilien ab. „Es wird schwierig sein, gegen uns Tore zu machen, davon bin ich überzeugt“, sagte er und sprach davon, dass sich die Mannschaft bereits „im ganzen Defensivbereich stabilisiert“ habe.

          Störanfällig

          Die Hoffnung auf weitere Fortschritte gründet darauf, dass Detailarbeit in der Abwehr traditionell erst in der unmittelbaren Turniervorbereitung verrichtet werde. Kapitän Lahm verwies mit Blick auf die Gegentore auf „Abstimmungsprobleme, die man ab und zu einfach hat, weil die Spieler von verschiedenen Vereinen kommen“. Am Dienstag taugte das allerdings nicht als Erklärung. Da war es eher vereinsübergreifend, wie individuelles Laissez-faire die defensive Stabilität unterminierte. Ballverluste und schlampiges Zweikampfverhalten in der Zentrale, vor allem in Person von Schweinsteiger und Özil, brachte die Innenverteidigung mit Mats Hummels und Jerome Boateng in vermeidbare Nöte. Es waren zugleich frische Warnzeichen dafür, wie störanfällig das deutsche Spiel ist, wenn das Konzentrationsniveau nur um ein paar Prozent sinkt.

          Versprechen für 2014: Die deutsche Offensive wird zur Unterhaltungsmaschine
          Versprechen für 2014: Die deutsche Offensive wird zur Unterhaltungsmaschine : Bild: dpa

          Natürlich wäre es vermessen, nach einem solchen Spiel, das ja nach der vollbrachten Qualifikation nur noch den Charakter eines Saisonausklangs hatte, eine neue Stufe des Abwehr-Alarms auszurufen. Es wäre aber auch trügerisch, einfach gutgläubig vom Gegenteil auszugehen. „Wir werden die richtigen Schlüsse daraus ziehen“, kündigte Bundestrainer Löw nach dem „relativ spektakulären Spiel“ an. Mit Blick auf Brasilien lauern jedoch Gefahren. So muss ja ein solcher Spannungsabfall nicht immer die Folge einer geklärten Ausgangslage oder einer deutlichen Überlegenheit sein.

          Es könnte vielmehr auch der Moment kommen, in dem die klimatischen Bedingungen ihren körperlichen Tribut fordern. Hinzu kommt, dass Chefspion Urs Siegenthaler beim Confederations Cup vor ein paar Monaten den Trend zu einer Taktik der dosierten Überrumpelung beobachtet hat: Zu seinem Bericht ans Trainerteam gehörte, dass Teams wie Brasilien mit viel Druck beginnen, um früh zu einem Tor zu kommen, es dann erstmal ein wenig ruhiger angehen lassen, dafür aber später noch einmal richtig loslegen. Was das für das deutsche Spiel bedeutet, das so deutlich auf Dominanz und Tempo, bislang aber nicht auf Rhythmuswechsel ausgelegt ist, wird eine nicht ganz unwichtige Frage sein.

          Überzeugung, auf dem rechten Weg zu sein

          Eine andere ist, ob die Deutschen sich auch in Brasilien so selbstverständlich drauf verlassen können, dass die Offensive es schon immer richtet. Die Wende, die Mesut Özil (45.), Mario Götze (53.) und vor allem André Schürrle mit seinem Hattrick (57./66./76.) dem Spiel gaben, mutete natürlich wieder einmal überwältigend an. Und für Löw und sein Team ist es ohne Frage ein Gewinn, wie sich der Konkurrenzkampf noch einmal verschärft hat: Schürrle, dem der Bundestrainer als Folge seines Wechsels von Leverkusen nach Chelsea einen Sprung „auch in körperlicher Robustheit“ attestierte, hat seine Bewerbung im Wettstreit mit Marco Reus und Lukas Podolski jedenfalls auf den Tisch gelegt, und Götze ist ohnehin jemand, auf den Löw große Hoffnungen setzt; der Bundestrainer lobte neben den Extraschichten, die Götze bei der Nationalmannschaft einlegte, zu Recht die Extraklasse des Neu-Münchners im rasanten und bruchlosen Übergang von Ballannahme zu Offensivaktion.

          Und doch musste man sagen, dass die Schweden es der DFB-Auswahl sehr leicht machten. Ja, es stimmte, worauf mancher hinwies: Dass die Deutschen schon in der ersten Hälfte die bessere Mannschaft gewesen waren, bei 75 Prozent Ballbesitz aber halt bei zwei Kontern Treffer kassiert hatten. Genauso gut hätte man aber auch sagen können: Eine bessere Mannschaft als die Schweden, die nach der Pause mindestens so schlecht verteidigten wie die Deutschen davor, hätte sich den Vorsprung nicht so leicht wieder abluchsen lassen.

          So nahm jeder ein bisschen was anderes aus Stockholm mit. Für Löw und sein Trainerteam war das neben der Überzeugung, auf dem rechten Weg zu sein, auch die Aussicht auf die baldige Unterzeichnung der Verträge bis 2016; Teamchef Oliver Bierhoff kündigte an, dass es schon an diesem Donnerstag oder Freitag soweit sein könne. Schürrle schnappte sich den Spielball als Erinnerungsstück für seine drei Tore. Und dann waren da auch noch die drei Treffer auf der anderen Seite. Die Erinnerung daran wollten die Deutschen am liebsten in Schweden zurücklassen. Aber irgendwie gehörten sie als nachdrückliche Mahnung doch zum Reisegepäck.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump und Biden kämpfen um die Wählergunst.

          TV-Duell : Erste Debatte zwischen Trump und Biden

          Die Corona-Krise bestimmte die erste amerikanische Präsidentschaftsdebatte, die weltweit von Millionen Menschen verfolgt wurde. Sowohl Donald Trump als auch Joe Biden teilten massiv gegeneinander aus.
          Shopping-Viertel in Peking: Chinas Oberschicht konsumiert wieder.

          Einkaufsmanagerindex : Chinas Wirtschaft zieht an

          Sowohl die Industrieproduktion als auch Dienstleistungen haben sich in der Volksrepublik positiv entwickelt. Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft könnten jedoch vom Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten getrübt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.