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Mount Everest : Hass am Berg

  • -Aktualisiert am

Sonnenschein am Tag des Streits: Ein europäischer Bergsteiger am Mount Everest am vergangenen Samstag. Bild: AFP

Am Mount Everest eskaliert der Streit zwischen Sherpas und Bergsteigern. Am vergangenen Wochenende erreichten die Spannungen ein ungeahntes Ausmaß - mit Prügeln und Steinwürfen. Das Geschäft mit dem Berg entzweit.

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          Simone Moro kennt den Mount Everest seit vielen Jahren. Schon vier Mal stand er auf 8848 Metern. Immer wieder zieht es den italienischen Extrem-Bergsteiger, der durch seine spektakulären Winter-Erstbesteigungen von drei Achttausendern weltbekannt wurde, auf den Gipfel.

          Doch der Everest ist kein Berg wie jeder andere. Schon im vergangenen Jahr musste Simone Moro die Erfahrung machen, dass es mit der romantischen Idee von Bergkameradschaft am höchsten Berg nicht weit her ist. In der Lhotse-Flanke, in der Hunderte Everest-Aspiranten aufgereiht wie auf einer Perlenschnur am Fixseil hingen, ging es ihm zu langsam voran. Moro scherte aus. Doch als er sich später wieder einreihen wollte, wurde ihm mit Ellbogen der Zugang zum Sicherungsseil verwehrt. Er brach seine Expedition daraufhin ab. Stattdessen flog er mit seinem Hubschrauber den Normalweg ab, also die klassische Auf- und Abstiegsroute, um Tote und Verletzte vom Everest zu holen.

          Bedroht von aufgebrachten Sherpas

          Am vergangenen Wochenende erreichten die Spannungen zwischen den Sherpas und Extrembergsteigern aus dem Ausland nun ein ungeahntes Ausmaß. Moro, der Schweizer Speed-Bergsteiger Ueli Steck und der britische Fotograf Jonathan Griffith wurden am Samstag zunächst in der Lhotse-Flanke auf 7200 Metern von Sherpas angegriffen und im Lager II, am Fuß der Flanke, von rund hundert aufgebrachten Sherpas mit dem Tod bedroht. „Ich dachte, wir würden sterben“, beschreibt Jonathan Griffith seine Gefühle. Simone Moro wurde mit einem Messer angegriffen, mit Füßen wurde ihm ins Gesicht getreten, auf Knien musste er um Vergebung bitten. Steck wurde von einem Stein am Kopf getroffen und trug eine Wunde davon. „Ich traf auf Sherpas, mit denen ich noch 2012 auf dem Mount Everest stand. Und ein Jahr später werfen sie Steine nach dir“, sagt Steck, der noch immer keine Erklärung hat für den Hass, der ihm und seinen Begleitern entgegen schlug.

          Offenbar konnten nur andere Bergsteiger durch ihr beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindern. Melissa Arnot, eine amerikanische Bergsteigerin, die schon vier Mal auf dem Gipfel des Everest stand, stellte sich zwischen die aufgebrachten Sherpas und die Bergsteiger. Sie sei sich sicher gewesen, so berichtet Arnot, dass die Sherpas eine Frau nicht angreifen würden.

          „Gewalt ist absolut inakzeptabel“

          Während Moro, Steck und Griffith keinen ersichtlichen Grund für den Streit erkennen können, zumal sie die Sherpas bei ihrer Arbeit unterstützten und 260 Meter Fixseile bis auf 7300 Meter verlegten, sagen die Sherpas, sie seien durch die Bergsteiger in ihrer Arbeit massiv gestört und durch Eisschlag verletzt worden. „Ich denke, die ausländischen Bergsteiger haben Fehler gemacht, die Sherpas haben mit ihrer Kommunikation Fehler gemacht, aber schlussendlich ist Gewalt absolut inakzeptabel. Vor allem, wenn man an einem sehr hohen Berg unterwegs ist“, sagt Melissa Arnot.

          Mehrere hundert Everest-Aspiranten warten zur Zeit im Basislager auf ihre Chance. Das Geschäft, das mit dem Everest gemacht wird, ist 60 Jahre nach dessen Erstbesteigung sehr groß. Die Sherpas beanspruchen nicht zuletzt aus diesem finanziellen Grund die Lhotse-Flanke für sich und wollen dort anderen ihre Regeln oktroyieren. Tausende Dollar Prämie winken, wenn ein Sherpa mit einem Gast den Gipfel des Mount Everest erreicht. Von diesen Everest-Touristen unterscheiden sich Bergsteiger wie Moro, Steck und Griffith, die im Alpin-Stil ohne zusätzlichen Sauerstoff und Hochträger unterwegs sind.

          Unmittelbar nach dem Streit: Der Schweizer Ueli Steck (links), der Brite Jonathan Griffith (Mitte) und der Italiener Simone Moro (rechts) im Zelt am Mount Everest.

          Offensichtlich sehen es die Sherpas nicht gerne, wenn ausländische Bergsteiger ohne nepalische Unterstützung am Berg unterwegs sind. Der amerikanische Extrembergsteiger Steve House berichtete, dass auch er 2011 während der Akklimatisations-Phase auf der Normalroute am Makalu (8485 Meter) von Sherpas bedroht worden sei. „Die Sherpas sehen die Bergsteiger, die ohne einheimische Führer unterwegs sind, als Gefahr für ihr Geschäft.“ Die moderne Art des Höhenbergsteigens - ohne Führer, Fixseile und künstlichen Sauerstoff - verstünden sie nicht.

          Für Moro, Steck und Griffith ist ihre Expedition damit zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat. Bisher war nur bekannt geworden, dass sie ohne Sauerstoffgerät am Everest unterwegs sein wollten. Über die Route hatten sie keine Auskunft gegeben. Es war spekuliert worden, ob sie anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der ersten Überschreitung die Route durch das Hornbein-Couloir wiederholen wollten.

          Steck und Griffith haben angesichts der Vorfälle vom vergangenen Wochenende entschieden, in ihre Heimat zurückzukehren. Sein Vertrauen sei vorerst dahin, sagt Steck. „Stellen Sie sich vor, die Sherpas würden ein Seil durchschneiden oder stählen Material aus dem Zelt, das wäre unglaublich gefährlich.“ Steck weiß, wovon er spricht. Ihm hat ein Sherpa im vergangenen Jahr bei einer Expedition Steigeisen aus dem Zelt entwendet. Weil Steck sein Material aber markiert hatte, konnte er den Dieb ausfindig machen. Moro dagegen überlegt, am Everest zu bleiben und - wie im vergangenen Jahr - mit seinem Hubschrauber Rettungseinsätze zu fliegen.

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