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Ryan Gosling in Interview : „Ich wäre ein schlechter Astronaut“

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Nur wenige Menschen sind zum Astronauten geschaffen. Da muss man ganz besondere Voraussetzungen mitbringen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich versuche ja als Schauspieler, eine möglichst enge Verbindung zwischen mir und der Figur, die ich spielen will, herzustellen. Aber auf dem wissenschaftlichen und technischen Level fiel mir das wirklich schwer. Es hat mich schlicht überwältigt. Am Ende konnte ich nur durch persönliche Geschichten der Menschen, die dabei waren, einen Zugang finden.

Technisches liegt Ihnen nicht?

Nein, überhaupt nicht. Wenn ich durch diesen Film etwas über mich gelernt habe, dann, dass ich ein sehr schlechter Astronaut wäre.

Stand Astronaut auf der Liste Ihrer Berufswünsche als Kind?

Ich war wie alle anderen Kinder beeindruckt von Astronauten. Aber ich habe nicht einmal davon geträumt, einer zu werden. Das war für mich immer mit einem Mysterium verbunden. Und ich dachte, wenn ich diesen Film mache, kann ich einen Teil dieses Mysteriums begreifen. Aber das genaue Gegenteil war der Fall: Je mehr ich über die Raumfahrt weiß, desto unbegreiflicher wird die Sache für mich.

Unter Kollegen: Ryan Gosling spielt in „Aufbruch zum Mond“ Neil Armstrong, Schauspielerin Claire Foy verkörpert Armstrongs Frau Janet Shearon.

War Hollywood für Sie als Kind ähnlich weit entfernt wie der Mond für Armstrong?

Hollywood fühlte sich auf jeden Fall sehr weit weg an. Aber ich glaube, Armstrong hat das anders erlebt als ich. Er konnte fliegen, bevor er Auto fahren konnte. Wenn man sein Leben betrachtet, scheint alles eine Vorbereitung auf diese Mission zum Mond gewesen zu sein. So eine Perspektive hatte ich als Kind nicht.

Trotzdem hat die Bühne Sie magisch angezogen.

Aber es war keine Leidenschaft für das Schauspielen. Ich wollte irgendwie auf die Bühne, hatte aber immer den Eindruck, dass meine Möglichkeiten eingeschränkt sind, weil ich vieles nicht konnte. Deswegen war ich auf der Suche nach etwas, das ich kann. Andererseits hatten es vor mir schon viele andere Leute auf die Bühne geschafft – vor Armstrong war noch niemand auf dem Mond gewesen. Er hat definitiv den größeren Traum geträumt. Mir fehlte auch die langfristige Perspektive, ich hatte nicht diesen Punkt am Horizont, auf den ich hinarbeiten wollte. Alles, was ich hatte, war ein Onkel, der als Elvis-Imitator arbeitete. Mit ihm war ich als Kind eine Weile als Teil der Show unterwegs, was mir großen Spaß gemacht hat.

Und von diesem Spaß wollten Sie mehr erleben?

Ja, im Wesentlichen ging es mir um dieses Gefühl, das ich wieder erleben wollte. Diesem Gefühl bin ich hinterhergejagt, und dann wurde etwas ganz anderes daraus. Und nach einer Reihe von Zufällen und viel Glück sitzen wir jetzt hier in diesem Wohnwagen.

Was hat Sie an Ihrem Onkel am meisten fasziniert?

Die Leidenschaft und Kompromisslosigkeit, sich in die Idee hineinzusteigern, er sei Elvis. Viele Zuschauer fanden das erst lächerlich. Ihm aber war das völlig egal, er war von dieser Idee besessen, und dann hat er die Show trotz allem so leidenschaftlich und aus der Tiefe seiner Seele durchgezogen, dass die Zuschauer und ich von einem gewissen Punkt an vergessen hatten, dass wir in einem kleinen Einkaufszentrum in Cornwall, Ontario, standen. Er hatte noch nicht einmal eine Ähnlichkeit mit Elvis. Ich sah ihn, mit seinem Schnurrbart und seiner Glatze, und hatte trotzdem das Gefühl, den „King“ singen zu sehen.

Während einer Szene: Ryan Gosling im Raumanzug am Set.

Für viele Schauspieler ist Musik ein wichtiger Teil der Vorbereitung, um in die richtige Stimmung für eine Rolle zu kommen. Welche Musik haben Sie gehört, bevor Sie vor der Kamera zum Mond aufbrechen sollten?

Sie meinen so etwas wie David Bowie?

Ich hatte mir „Space Oddity“ oder „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd vorgestellt.

Wäre eine schöne Geschichte, habe ich aber leider nicht gehört. Doch ich hatte tatsächlich einen musikalischen Bezug zu diesem Film. In der Vorbereitung hatte ich etwas Spannendes herausgefunden: Armstrong war ein Fan des Musikinstruments, das man Theremin nennt.

Das einzige Instrument, das man berührungslos spielen kann.

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