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Nasa-Bildband : Rüttelnde Raketen gehören immer noch dazu

  • -Aktualisiert am

Der Astronaut Ed White während des Fluges von Gemini-4 im Juni 1965. Bild: NASA

Leistungsschau im All: Ein exzellent ausgestatteter Bildband zeichnet die ersten sechzig Jahre der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa nach.

          Keine andere Institution wird mit den zum Teil spektakulären Erfolgen der Raumfahrt so sehr in Verbindung gebracht wie die National Aeronautics and Space Administration der Vereinigten Staaten, kurz Nasa genannt. Zu ihren glanzvollen Höchstleistungen gehört zweifellos die Landung von Menschen auf dem Mond im Sommer vor fünfzig Jahren. Ihre zum Teil spektakulären Erfolge dokumentiert jetzt der Bildband „The Nasa Archives“.

          Die Nasa, im Jahr 1958 aus der Not entstanden, entwickelte von Anfang an ehrgeizige Pläne. Mitunter hatte sie allerdings beachtliche Schwierigkeiten, sie auch durchzusetzen, denn nicht alle amerikanischen Präsidenten waren an der Raumfahrt interessiert. Auch die Vorarbeiten für bemannte Flüge zum Mars mussten in jüngerer Zeit mehrfach völlig überarbeitet werden.

          Präsident John F. Kennedy, der am 25. Mai 1961 mit seiner zündenden Rede vor dem Kongress die Landung von Astronauten auf dem Mond und ihre sichere Rückkehr zur Erde noch im laufenden Jahrzehnt als Ziel vorgab, hatte für die Raumfahrt eigentlich nichts übrig, wie man in dem gut komponierten Band nachlesen kann. Die Sowjetunion hatte die Großmacht Amerika mit dem Start des ersten Erdsatelliten am 4. Oktober 1957, des Fluges der Hündin Laika im November 1957 und des ersten Menschen im All am 12. April 1961 gedemütigt, und auch die Mitte April 1961 missglückte Invasion Kubas in der Schweinebucht, die der Vertreibung Fidel Castros und seiner Revolutionsregierung dienen sollte, hatte die Vereinigten Staaten empfindlich getroffen. Diese Schlappen wollte Kennedy mit einer technologischen Glanztat ausbügeln.

          Eine folgenreiche Entscheidung

          Der Meinung des Nasa-Administrators James E. Webb, der Mondflug sei nicht das Wichtigste, die höchste Priorität in der Raumfahrt habe vielmehr „das Wissen über das Weltall und die Naturgesetze, die dort draußen gelten“, konnte Kennedy sich nicht anschließen. Trotzdem erklärte er sich einverstanden, dass die Nasa neben der Vorbereitung des bemannten Mondflugs auch die Entwicklung unbemannter wissenschaftlicher Programme forcierte. Diese Entscheidung sollte grandiose Früchte tragen. Das Apollo-Programm hätte Kennedy übrigens fast gestrichen, bevor Astronauten auf dem Mond landeten.

          Vorbereitungen für das Project Mercury, dem ersten amerikanischen Raumfahrtprogramm 1950 bis 1963. Bilderstrecke

          Schon vor Kennedys Startschuss für das Apollo-Programm hatte Amerika auf den völlig unerwarteten Sputnikschock reagieren müssen. Damals trafen die Vereinigten Staaten eine folgenreiche Entscheidung. Für die zivile amerikanische Raumfahrt wurde das National Advisory Committee for Aeronautics (NACA), das für die Grundlagenforschung in der Luftfahrt zuständig war, zur Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa erweitert, die am 1. Oktober 1958 ihre Arbeit aufnahm. Dabei wurden auch einige unabhängige Forschungszentren integriert.

          Im vorliegenden Buch wird die Anfangsphase der amerikanischen Raumfahrt in Bild und Text anschaulich in Erinnerung gerufen – angefangen bei der Raketenentwicklung bis zu den ersten richtungweisenden Entscheidungen, etwa für die kapselförmigen Raumschiffe, deren Flüge im Meer endeten. Die amerikanischen Versuche, beispielsweise Gleitfallschirme für die gezielte Rückkehr auf festen Boden zu entwickeln, endeten – wie in dem Buch auch im Bild gezeigt – in Sackgassen.

          Ein Abenteuer für Körper und Geist

          Die bemannte Raumfahrt ist trotz aller technologischen Fortschritte auch heute noch ein Abenteuer für Körper und Geist. Schon der Ritt auf der Startrakete geht an die Substanz. Der Apollo-8-Astronaut Bill Anders berichtete zum Beispiel, die Mannschaft sei während der Brenndauer im Kommandomodul „wild herumgeschleudert“ worden. „Ich fühlte mich wie eine Ratte in den Fängen eines Riesenterriers.“ Das Rütteln, so wird Ron Evans von Apollo 17 zitiert, sei so heftig gewesen, „dass selbst das Ablesen der Instrumente eher ein Raten war“. Der Raketenstart ist den Astronauten auch bei den Flügen mit dem Space Shuttle nicht erspart geblieben.

          Der Band, mit interessanten Originaltexten der Beteiligten vielfach angereichert, lässt ebenso wie die hervorragenden Abbildungen die ersten sechzig Jahre der amerikanischen Raumfahrt wieder lebendig werden. Eher gestreift werden die frühen Fernseh- und Wettersatelliten, und mehr Aufnahmen würde sich mancher Leser sicherlich von der Erde, den Objekten im Sonnensystem sowie fernen Nebeln und Galaxien wünschen. Doch wäre das wohl nur auf Kosten anderer Beiträge möglich gewesen.

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