https://www.faz.net/-ipz-92a70

„Deep Space Gateway“ : Das Sprungbrett zum Mars

Computergrafik der geplanten Raumstation „Deep Space Gateway“ (links). Von rechts nähert sich Raumschiff „Orion“. Bild: dpa

Der Mond wird nach der Internationalen Raumstation ISS der neue Außenposten der Menschheit. Darüber sind sich alle ISS-Partner einig, einschließlich Russland.

          2 Min.

          Russland wird sich offenkundig nun auch am Bau einer bemannten Raumstation in der Mondumlaufbahn beteiligen, wie es der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und anderen Raumfahrtnationen seit einiger Zeit vorschwebt. Die russischen Raumfahrtagentur Roskosmos hat nun ein entsprechendes Abkommen am Rande der internationalen Astronautentagung in Adelaide unterzeichnet. Das „Deep Space Gateway“ soll zum neuen Außenposten der Menschheit werden, wenn die Internationalen Raumstation ISS Mitte der zwanziger Jahre ihren Betrieb einstellt. Darauf hatten sich außer Russland bereits alle an der ISS beteiligten Partner, darunter die Raumfahrtbehörden Europas (Esa), Japans (Jaxa) und Kanadas (CSA) geeinigt.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Von der Mondstation aus könnte der Bau eines Monddorfes und damit die Besiedlung des Erdtrabanten erfolgen. Das „Deep Space Gateway“ soll aber auch als Sprungbrett für Reisen zum Mars und in den ferneren Weltraum dienen. Russland könnte bis zu drei Modulen für die Orbitalstation bauen, sagte Roskosmos-Chef Igor Komarow der russischen Nachrichtenagentur Tass. Er könnte sich ebenfalls die Entwicklung einer standardisierten Andocktechnik vorstellen, die es verschiedenen Raumschiffen gleichermaßen ermöglicht, an der Mondstation anzukoppeln. Komarow bot auch an, Teile der Raumstation mit schubkräftigen russischen Trägerraketen, die derzeit entwickelt werden, in die Mondumlaufbahn zu transportieren. Für die ersten Module könnte das zwischen den Jahren 2024 und 2026 erfolgen.

          Auf dem Weg zum gemeinsamen Monddorf

          Die Nasa arbeitet seit gut einem Jahr an Plänen für eine bemannte Mondstation. Dieser „Deep Space Gateway“ soll auf einer Umlaufbahn um den Mond kreisen und ähnlich wie derzeit die Internationale Raumstation ISS bemannt sein, das aber nicht zwangsläufig dauerhaft. Zudem sollen von dort Landungen auf dem Mond und Flüge zum Mars mit den neuen Orion-Raumschiffen vorbereitet werden können. Mitte der dreißiger Jahre will die Nasa zum Mars aufbrechen. Würde man vom Deep Space Gateway aus starten, wäre das leichter als von der Erde aus. Man wäre dann bereits im Weltraum und müsste man keine größeren Gravitationskräfte mehr überwinden.

          Ob das auch den europäischen Bürgern gefällt? Bei der Esa arbeiten die Wissenschaftler an den Plänen für eine Mondbasis.

          Viele Fragen sind noch offen, so ist noch unklar, in welcher Höhe die Station über dem Erdtrabanten kreisen soll. Auch über den Beitrag der derzeit beteiligten Partner wird noch verhandelt. In Adelaide sprach sich Komarow für die Beteiligung weiterer Länder an der Mondstation aus. Er nannte die Raumfahrtnationen China und Indien sowie weitere Bric-Staaten. Ob es dazu kommen wird ist offen. Die Vereinigten Staaten haben sich noch nicht zu den Vorschlägen Russlands geäußert. Dass sich nun Russland am „Deep Space Gateway“ offiziell beteiligen will wird von den anderen Raumfahrtnationen als gutes Signal gewertet. Da der internationale Geist der ISS weitergeführt wird.

          Zudem ist der Traum von der Besiedelung des Mondes ein Stück näher gerückt. Mehrere Raumfahrtnationen darunter die Nasa und die Esa denke schon länger über eine bemannte Mondbasis auf der Oberfläche des Erdtrabanten nach. Damit könnten seit dem letzten Mondlandung von Apollo 17 vor 45 Jahren in absehbarer Zeit wieder Menschen den Erdtrabanten betreten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.