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Neue Messungen : Die Rückseite des Mondes ist alles andere als dunkel

  • -Aktualisiert am

Seltener Anblick: die Mondrückseite. Die Nasa-Aufnahme vom 16. Juli 2015 stammt vom Deep Space Climate Observatory, einem Satelliten in rund 1,6 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde. Bild: dpa

Lange Zeit rankten sich Mythen und Geheimnisse um die Rückseite des Mondes. Fest steht, dass die Mondrückseite ganz anders aussieht als die Vorderseite, die uns zugewandt ist. Neue Messungen sollen jetzt für mehr Klarheit sorgen.

          Dass ein chinesisches Weltraumgefährt namens Jadehase etwas mit der britischen Rockband Pink Floyd zu tun haben könnte, liegt wahrlich nicht auf der Hand. Pink Floyd sind fester Teil der Rock-Geschichte – der Jadehase ist ein mit Sensoren gespicktes manövrierfähiges Hightech-Gestell auf sechs Rädern, das die chinesische Weltraumbehörde an Bord der Raumsonde Chang'e 4 im vergangenen Dezember in den Weltraum geschickt hat. Gelandet ist die Sonde an einem Ort, den Pink Floyd mit ihrem wohl erfolgreichsten Album berühmt gemacht haben, den man aber von der Erde aus nicht sehen kann. Pink-Floyd-Bassist Roger Waters singt dabei über einen Verrückten, die Engländer nennen solche Leute lunatics, mit dem er sich auf der „Dark Side Of The Moon“ treffen will. Nun erkundet das Roboterfahrzeug Jadehase-2 eben diese Rückseite des Monds – die in Wirklichkeit gar nicht so dunkel ist, wie es im englischen Sprachraum heißt.

          Es gibt wohl kein astronomisches Objekt, das Menschen schon so lange und so intensiv beobachten wie den Mond. Weltliche Kalender, religiöse Festtage, sogar Anbau-und Erntezeiten in der Landwirtschaft werden in fast allen Kulturen von der Stellung des Monds bestimmt. Groß, auffällig und hell zieht der Vollmond einmal im Monat seine Bahn durch das Firmament. In den Jahrtausenden, in denen sich Menschen überall auf der Welt mit dem Erdtrabanten beschäftigt haben, entwickelten sich viele Legenden um ihn. Vom Mann im Mond ist in deutschen Kinderreimen die Rede, „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht“. In Westafrika glaubte man lange, auf dem Mond könne man die Umrisse eines Krokodils erkennen. In der chinesischen Mythologie wird er von der Göttin Chang'e und ihrem Begleiter Yutu, dem weißen Jadehasen, bewohnt – Gestalten, nach denen die chinesischen Mondsonden benannt sind.

          Die Interpretationen des „Mondgesichts“ beruhen darauf, dass wir immer nur eine Seite des Monds sehen. Während sich sonst alles im Weltraum um sich selbst und umeinander dreht, erscheint der Mond starr. Nacht für Nacht, Monat für Monat wendet er uns immer die gleiche Seite zu. Diese Starrheit ist aber nur scheinbar, denn auch der Mond kann die physikalisch unumstößlichen Erhaltungsgesetze nicht außer Kraft setzen. Er rotiert tatsächlich um sich selbst, nur bemerken wir das von der Erde aus nicht. Eine Umdrehung, also ein Mondtag, dauert genauso lange wie ein Umlauf um die Erde, also ein Mondjahr. Beide Perioden sind mit 29,5 Tagen etwa gleich lang. Als Folge sehen wir Erdenbewohner immer die gleiche Seite des Monds. Seine Rückseite bleibt unsichtbar.

          Alles eine Frage der Zeit

          Dieses Phänomen – Physiker nennen es „gebundene Rotation“ – hat mit Ebbe und Flut zu tun. Seit mehr als vier Milliarden Jahren ist der Mond wie ein von Menschen gemachter Satellit im Schwerefeld der Erde gefangen. Seine Masse, obwohl etwa 80 Mal geringer als die der Erde, übt im Gegenzug aber auch eine Anziehungskraft auf die Erde aus. Die Folge sind die Gezeiten, das rhythmische Hin und Her des Meeresspiegels und der Erdoberfläche selbst alle zwölf Stunden. Allerdings verursachen die Gezeiten im Meerwasser und im Erdkörper eine gewisse Reibung. Um diese Reibung zu überwinden, wird ein Teil der im System Erde-Mond steckenden Rotationsenergie aufgebraucht. Das bremst die Rotation der Erde langsam ab - die Tage auf der Erde werden deshalb ganz allmählich immer länger.

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