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Kommentar zur Weltraummission : Chinas Ziele mit dem Mond

Der „Jadehase 2“ soll auf der erdabgewandten Seite des Mondes Proben und Daten sammeln. Bild: Reuters

Der Weltraum wird wieder zu einem Ort des strategischen Wettbewerbs. Umso dringender werden neue internationale Regeln für die Weltraumnutzung. Dabei führt an China kein Weg vorbei.

          Chinas jüngste Weltraummission, die erste Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes, soll dem Land international Prestige verschaffen, den Nationalstolz fördern und der Alleinherrschaft der Partei neue Legitimation geben. Noch bevor das Mondfahrzeug Jadehase seine Reise auf dem Erdtrabanten überhaupt begonnen hatte, war ein Nachbau schon im Pekinger Nationalmuseum zu besichtigen. Die Mond-Mission ist ein Zwischenschritt zu dem langfristigen Ziel, China „in jeder Hinsicht zu einer Weltraummacht“ aufzubauen, wie es die Pekinger Führung schon 2016 formulierte. Dabei verfolgt Peking politische, wirtschaftliche und militärische Ziele. Aber auch propagandistische.

          Das Weltraumprogramm ist eingebunden in Xi Jinpings Ideologie vom „Wiedererwachen der chinesischen Nation“. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme 2013 pries der Staats- und Parteichef die Errungenschaften der chinesischen Raumfahrt als Beleg dafür, dass der von ihm ausgerufene „Chinesische Traum“ erfüllbar sei. Der Staatskapitalismus chinesischer Prägung demonstriert damit aus Xis Sicht, dass er zu höchsten technologischen Leistungen in der Lage ist.

          Noch ist China den Vereinigten Staaten in der Raumfahrt allerdings deutlich unterlegen. Während die chinesische Mondsonde Chang‘e 4 in dieser Woche die ersten Nahaufnahmen von der fernen Seite des Mondes übermittelte, lieferte die Nasa-Raumsonde „New Horizons“ ein Bild des Himmelskörpers Ultima Thule, und der ist mehr als sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Doch die Stärke des chinesischen Raumfahrtprogramms besteht darin, dass es Schritt für Schritt seine langfristigen Ziele verfolgt.

          Chinas Forscher profitieren dabei von einer Planungssicherheit, von der ihre Kollegen im Westen angesichts der wechselnden Prioritäten der jeweiligen Regierungen nur träumen können. Anders als beim Hase-und-Igel-Rennen zwischen Washington und Moskau im Kalten Krieg folgt Peking seinem eigenen Skript: Jede Mission liefert Erkenntnisse für den jeweils nächsten Schritt.

          China will eigene bemannte Raumstation

          Während Amerika den Mond unter Präsident Barack Obama als „bekannt“ abtat, hat China dort noch einiges vor. Es will die Fähigkeit entwickeln, Proben von dort routinemäßig zurück zur Erde zu befördern. Noch vor 2030 soll eine bemannte Forschungsstation auf dem Mond aufgebaut werden. Auch den Jupiter und den Mars haben die chinesischen Weltraumforscher im Visier.

          Das international wohl folgenreichste Nahziel ist aber der Aufbau einer eigenen bemannten Raumstation bis 2022. Angesichts der unklaren Zukunft der Internationalen Raumstation ISS, die nur bis 2024 gesichert ist, könnten andere Nationen künftig auf China angewiesen sein, wenn sie weiterhin Astronauten zu Forschungszwecken ins All schicken wollen. Das würde Chinas Diplomatie mit einem neuen Instrument ausstatten. Schon jetzt hat Peking mit der europäischen und der russischen Raumfahrtbehörde sowie den Vereinten Nationen Kooperationsabkommen unterzeichnet. Bei der Esa lernen bereits drei Astronauten Chinesisch, darunter der Deutsche Matthias Maurer. Einer von ihnen könnte 2023 als erster Ausländer zur neuen chinesischen Raumstation fliegen. Ein bisschen Zukunftsmusik ist da zwar noch dabei, auch sind viele Details ungeklärt. Aber der Wille Chinas ist groß.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

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