https://www.faz.net/-gpc-9ibn7

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Modernisierung der Volksbank : Lounge-Möbel statt Schalterhalle

Hinter der Fassade: Die Räume der Volksbank-Filiale am Schillerplatz wurden modernisiert. Bild: Esra Klein

Immer weniger Menschen besuchen Bankfilialen. Darauf muss die Wiesbadener Volksbank Antworten finden. Dort setzt man auf Diskretion – und Wohlfühlatmosphäre.

          Ein paar Mausklicks reichen aus, um eine zentrale Veränderung in der Welt der Banken anschaulich zu machen, und Matthias Hildner übernimmt gerne die Führung auf dieser digitalen Zeitreise. Hildner steht als Vorstandschef der Wiesbadener Volksbank an der Spitze eines Geldinstituts, das eine lange Tradition hat in der hessischen Landeshauptstadt. 1860 wurde das Haus gegründet, seit 1876 schon hat das Unternehmen seinen Konzernsitz an exponierter Stelle am Schillerplatz im Herzen der Stadt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In diesen mehr als 140 Jahren wurde das Haus immer wieder modernisiert. Alte Fotos geben Zeugnis architektonischer Modeerscheinungen: von engen Schalterhallen mit massivem Holz Ende des 19. Jahrhunderts bis zu bunten Sitzecken auf grünen Teppichen in den sechziger und siebziger Jahren. Nun ist die Vorzeige-Filiale am Unternehmenssitz abermals an den Zeitgeist angepasst worden. Der Umbau hat auch konkrete Auswirkungen auf die Kunden, oder, wie Hildner es formuliert: Die Räumlichkeiten wurden an die Bedürfnisse der Kunden angelehnt. Und das sieht so aus: Dort, wo einst die großen Kassenschalter die Geschäftsstelle dominiert haben, findet sich jetzt eine geräumige Halle mit stylischen Lounge-Möbeln, an die moderne Besprechungsräume angrenzen.

          Bankgeschäfte am Smartphone

          Man habe alle Geschäftsvorfälle analysiert, so Hildner, das Ergebnis sei die Grundlage für den Umbau gewesen. Erstens besuchen immer weniger Menschen eine Bankfiliale, weil viele Angelegenheiten online abgewickelt werden können. Etwa drei Viertel aller Kunden erledigen die meisten ihrer Bankgeschäfte am Computer oder mit Hilfe des Smartphones und kommen, wenn überhaupt, nur noch ein- bis zweimal im Jahr in eine Geschäftsstelle, um sich persönlich beraten zu lassen.

          Doch dann, so Hildner weiter, müsse zweitens die Beratung eben qualitativ hochwertig, individuell und diskret ablaufen. Deshalb können Berater des Hauses nun einen der schicken Besprechungsräume buchen, die mit W-Lan und einem großen Monitor ausgerüstet sind und dem Kunden ein gutes Gefühl vermitteln sollen. „Die Zeiten, in denen solche Gespräche an Schreibtischen abgehalten wurden, auf denen die Mitarbeiter auch private Dinge aufbewahren und auf denen noch andere Unterlagen liegen, sind vorbei.“ Ruhig, edel, abgeschieden, so gehe Beratung in 2019, finden die Wiesbadener.

          Modernisierung in Bankenwelt

          Die Anpassungen in der Unternehmenszentrale am Schillerplatz sind nur ein Beispiel für den starken Wind des Wandels, der durch die Bankenwelt weht, und bei dem vor allem eines sicher ist: dass die Unsicherheit bleiben wird. Vorstandschef Hildner wies beim Blick auf das aus seiner Sicht zufriedenstellende Ergebnis des Hauses im gerade erst zu Ende gegangenen Geschäftsjahr auf das schwierige Marktumfeld für die deutsche Wirtschaft und somit auch für die Banken hin. In Ländern wie den Vereinigten Staaten, Italien, Frankreich, aber auch in Deutschland gebe es politische Risiken, die das volkswirtschaftliche Klima eintrüben könnten, mahnte Hildner.

          Darüber hinaus leiden die Banken nach wie vor unter niedrigen Zinsen, aufwendigen Regulierungsauflagen und dem Digitalisierungsprozess.

          Weniger Komfort, weniger Verbraucherschutz

          So müssten die digitalen Schnittstellen der Banken zu ihren Kunden permanent angepasst werden, parallel dazu seien regulatorische Anforderungen mit hohen Kosten verbunden. Viele Vorgaben sorgten bei den Kunden für Unverständnis, beklagte Hildner, und nannte beispielhaft die Richtlinie der Europäischen Union zur Beratung bei Fragen zur Geldanlage, die unter dem Schlagwort „Mifid II“ für Unmut sorgt. „Weniger Komfort, weniger Verbraucherschutz, unsere Kunden wollen das nicht“, kritisierte Hildner und forderte, diese und andere Richtlinien müssten überprüft werden.

          Dass die Wiesbadener Volksbank trotzdem wächst, hat vor allem mit Immobiliengeschäften zu tun. Hildner sagte, das Haus habe auf dem Feld der Immobilienvermittlung ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt und den Umsatz im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2017 nochmals um fünf Prozent gesteigert. Mit einer Bilanzsumme in Höhe von 4,5 Milliarden Euro liegt Wiesbaden auf Platz elf unter den genossenschaftlich organisierten Instituten des Landes.

          Auch wenn immer mehr Geschäft online abgewickelt wird, will die Volksbank im laufenden Jahr weiter Geld in die Filialen investieren. „Wir sind und bleiben eine Filialbank“, unterstrich Hildner. Derzeit unterhält das Haus mit seinen rund 135.000 Kunden 23 personenbesetzte Dependancen und zehn Selbstbedienungsstellen ohne Personal. Während allenthalben die Zahl der analogen Kontaktpunkte zwischen Finanzinstituten und Kunden reduziert wird, will die Volksbank an ihrem Filialnetz festhalten. Im Jahr 2019 sollen die Stellen in Biebrich und Eltville sogar modernisiert werden. „Die Zahl der Kunden, die unsere Filialen betreten, geht nicht in dem Maße zurück, dass man sie nicht mehr brauchen würde, im Gegenteil“, so Hildner.

          Alle 15 bis 20 Jahre müssten die Dependancen heutzutage angepasst werden, architektonisch, aber auch funktional. Das heißt aber nicht, dass das komplette historische Erbe der Moderne weichen muss. Dort, wo früher der zweite Eingang zu der Geschäftsstelle am Schillerplatz war, ist nun ein neuer Besprechungsraum untergebracht, modern und technisch auf dem neuesten Stand. Nur die Decke fällt ein wenig aus dem Rahmen. Sie stammt noch aus dem Baujahr 1876, war jahrelang verdeckt und wurde bei der letzten Renovierung 1998 freigelegt. Die Modernisierung der Banken hat offenbar doch noch Grenzen.

          Weitere Themen

          Showdown um Europa

          F.A.Z.-Sprinter : Showdown um Europa

          In Straßburg geht Ursula von der Leyen heute aufs Ganze. In der Türkei wird derweil der Prozess gegen Deniz Yücel fortgesetzt. Und der Mond hat am Abend auch noch einen speziellen Auftritt. Was sonst noch wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Es steht 5:2 für die CO2-Steuer

          F.A.Z.-Sprinter : Es steht 5:2 für die CO2-Steuer

          Es hagelt weiter Klima-Gutachten, Ursula von der Leyen kämpft um ihre Zukunft – und der Nato-Generalsekretär redet den Europäern ins Gewissen. Was heute sonst noch wichtig ist, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.